Wir hätten da eine Frage …

Wir hätten da eine Frage …

Was macht Martin Schlaff eigentlich beruflich? Wem schuldet René Benko wie viel Geld? Was versteht Ronny Pecik unter einer langfristigen Investition? Vermisst Julius Meinl die 100 Millionen Euro Kaution? Und was stimmt nicht mit Mohamed Al Jaber? Was wir von gewissen Unternehmern immer schon wissen wollten.

Er wollte sich ja nur ein klein wenig rächen. Im Oktober vergangenen Jahres sorgte Martin Schlaff für einen der denkwürdigeren Auftritte im parlamentarischen Korruptionsausschuss. Der einstige Geschäftspartner der Telekom Austria brachte es auf schlanke 72 Entschlagungen. Gegenüber der deutschen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ erklärte er wenig später: „Hoffentlich ist es mir wenigstens gelungen, ein paar von denen wirklich zu sekkieren. Wenn sie mir schon meine Zeit stehlen, dann möchte ich mich zumindest revanchieren.“

Martin Schlaff redet nicht besonders gern mit Journalisten, erst recht nicht übers Geschäft. Er bezeichnet sich selbst als „Investor“ – und investiert hat er im Laufe seines Lebens in so einiges. Was aber macht der Milliardär tatsächlich mit jener Zeit, die ihm nicht gestohlen wird?

Bei René Benko ist das ein wenig anders. Man sieht, was er so treibt – schließlich baut oder kauft der Immobilienunternehmer Bürokomplexe, Einkaufszen­tren und Hotels. In knapp mehr als einem Jahrzehnt hat Benkos Immobiliengruppe Signa stattliche 5,5 Milliarden Euro im In- und Ausland investiert. Nur: Wessen Geld wurde da eigentlich eingesetzt?
Julius Meinl präsidiert den Aufsichtsrat einer Bank, die seinen Namen trägt. Es ist also nicht so, dass er nicht wüsste, wie man Geld veranlagt. Dessen ungeachtet muss ausgerechnet er Teile seines Vermögens außer Haus arbeiten lassen – und dann auch noch bei der Staatsanwaltschaft Wien, die ihm 2009 eine Kaution von 100 Millionen Euro abgeknöpft hat. Fehlt ihm die Summe nicht allmählich?

Schlaff, Benko und Meinl – und eine Reihe anderer Unternehmerpersönlichkeiten – haben immer wieder für mehr oder weniger schöne Schlagzeilen gesorgt. Das wird 2013 nicht anders sein.
profil übermittelte nun acht Auserwählten jeweils eine – vermeintlich einfache – Frage. Und dabei hat sich eine alte Journalistenweisheit bestätigt: Es gibt keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten. Oder eben gar keine.

Was machen Sie eigentlich werktags, Herr Schlaff (wenn Sie gerade keinen U-Ausschuss verhöhnen)?

artin Schlaff ist das, was man gemeinhin unter einem „Superreichen“ versteht. Er wird auf ein Vermögen zwischen zwei und vier Milliarden Euro taxiert. Er selbst spricht nicht darüber (was ganz nebenbei auch sein gutes Recht ist). Die profil-Anfrage nach Art und Umfang seiner laufenden geschäftlichen Aktivitäten ließ er konsequenterweise unbeantwortet. Laut Firmenbuch hält er in Österreich weder eine Unternehmensbeteiligung, noch übt er eine handelsrechtliche Funktion aus. Präsent ist er dennoch: Über die MS Privatstiftung mit Sitz in Wien hält er knapp mehr als 25 Prozent am börsennotierten Hersteller von feuerfesten Materialien RHI, dazu Immobilien im In- und Ausland und eine Beteiligung am griechischen „Club Hotel Casino Loutraki“, wo auch die Casinos Austria engagiert sind – mit den Casinos Austria und der Bawag war Schlaff 1997 vorübergehend auch am „Oasis Casino“ in Jericho im palästinensischen Autonomiegebiet beteiligt. Wie überhaupt der heute 59-Jährige den weitaus größten Teil seiner Geschäfte traditionell jenseits der Landesgrenzen abwickelt. In den vergangenen Jahrzehnten handelte er unter anderem mit Textilien, Holz, Zellstoff und Papier en gros zwischen Ost und West, lieferte Embargoware in die DDR und machte schließlich auch noch wundersame – von profil ausführlich beschriebene – Deals mit der Telekom Austria in Bulgarien, Serbien und Weißrussland.

Fehlen Ihnen die 100 Millionen Euro Kaution, Herr Meinl?

Zugegeben: Das allgemeine Zinsniveau ist mittlerweile so niedrig, dass es schon einigen Risikos bedarf, um bei der Geldanlage zu reüssieren. Wenn man aber, wie Julius Meinl, Vermögen bei der Staatsanwaltschaft Wien veranlagt hat – oder genauer: veranlagen musste –, könnte man langsam doch ein wenig ungehalten werden. Seit April 2009 liegen 100 Millionen Euro auf einem Bawag-Sparbuch der Republik Österreich – jene weltweit wohl singuläre Kaution, die Meinl seinerzeit beibringen musste, um nach zwei Nächten in Untersuchungshaft wieder freizukommen. Mit 1,75 Prozent pro Jahr sind nach Abzug der Kapitalertragsteuer bisher plus/minus 4,7 Millionen Euro an Zinsen aufgelaufen, die Meinl nach einer allfälligen Refundierung natürlich ebenfalls zustünden. Er ist nur eben schönere Renditen gewöhnt.

Andererseits: Ist ja ohnehin das Geld anderer Leute. Auf profil-Anfrage teilt die Meinl Bank mit, dass Julius Meinl die Kaution schon allein deshalb nicht fehlen könne, weil er diese ja gar nicht erlegt habe. Vielmehr stamme die Summe von einem „unabhängigen Dritten“. Zu welchen Konditionen dieser „Dritte“, im konkreten Fall die eidgenössische Centrum Bank, Meinl das Geld einst überlassen hat, ist nicht bekannt. Die Meinl Bank beeilt sich, darauf hinzuweisen, dass „diese absurde Kaution in ihrer öffentlichen Wirkung selbstverständlich auch eine Belastung für das Institut darstellt, kommt dieselbe doch einer massiven und illegitimen Vorverurteilung gleich, gegen die man sich entsprechend zur Wehr setzt“. Seit 2010 versuchen die Anwälte der Bank, zumindest einen Teil der Kaution zurückzubekommen. Vergeblich. Die Justiz wähnt unverändert „Fluchtgefahr“ – hat Meinl dessen ungeachtet aber bereits 2010 seine beiden britischen Reisepässe ausgefolgt, was ihn gleich dazu bewog, seinen Lebensmittelpunkt nach London zu verlagern. Mit einer Verfahrenseinstellung oder gar einer Anklageerhebung gegen Meinl und eine Reihe weiterer Personen in Zusammenhang mit den Vorgängen in und um die Immobiliengesellschaft Meinl European Land (heute: Atrium European Real Estate) ist bis auf Weiteres nicht zu rechnen. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt. Und das seit nunmehr fünf Jahren.

Wem schulden Sie Geld, Herr Benko? Und wie viel?

Der Mann hat ein Ego von der Größe eines Einkaufszentrums, keine Frage. Und das mit gerade einmal 35 Jahren. Er dreht ja auch an einem ziemlich großen Rad. 5,5 Milliarden Euro hat die von René Benko gegründete Innsbrucker Immobiliengruppe Signa seit ihrer Gründung vor bald 13 Jahren in Projekte im In- und Ausland investiert – erst kurz vor Weihnachten sorgte er mit der 1,1 Milliarden Euro schweren Übernahme von 17 deutschen Warenhäusern, darunter das legendäre Berliner „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe), für erhöhte Aufmerksamkeit. Wenn es aber um Fragen nach den kumulierten Verbindlichkeiten – respektive den tatsächlichen Vermögenswerten – der Unternehmensgruppe geht, ist schnell Schluss mit Selbstdarstellung. Eine konsolidierte Bilanz wird nicht geführt – und wenn doch, dann wird sie zumindest nicht veröffentlicht.
Warum? profil bekam darauf keine brauchbare Antwort. Die Signa-Struktur ist für Außenstehende nicht einfach zu durchschauen. Unter dem Dach der Signa Holding GmbH, an welcher Benko und der griechische Reeder George Economou jeweils 50 Prozent halten, hängen zwischenzeitlich rund 100 Tochtergesellschaften, die auf verschlungenen Wegen alimentiert werden. Ein Beispiel: Eine der wichtigsten Beteiligungen ist die Signa Prime Selection AG, die zu 80,13 Prozent der Holding gehört, zu jeweils 3,12 Prozent dem früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der Liechtensteiner Ikarus Invest Anstalt sowie zu 13,63 Prozent der Züricher Falcon Private Bank des Emirats Abu Dhabi (Aufsichtsratschef der Prime Selection ist übrigens Alfred Gusenbauer).

Unter der Innsbrucker Prime Selection AG hängt die Signa Prime Assets GmbH mit Sitz in Wien, in welcher die prominentesten Projekte gebündelt sind: das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, das „Goldene Quartier“ in der Wiener Innenstadt und eben die jüngst erworbenen deutschen Kaufhäuser. Und unter der Prime Assets GmbH hängt wiederum eine ebenfalls in Wien registrierte Signa Prime Capital Market GmbH, die erst im Herbst des Vorjahrs eine zehnjährige Anleihe über 150 Millionen Euro im Markt platziert hat – zu jährlich 4,5 Prozent Zinsen, nach Luxemburger Recht, ausgestattet mit einer Garantie der Großmuttergesellschaft Signa Prime Selection AG. Parallel dazu führt Signa so genannte geschlossene Fonds, welche vermögenden privaten und institutionellen Investoren Beteiligungen an konkreten Projekten eröffnen – und bedient sich natürlich auch herkömmlicher Bankkredite. Bleibt eben die Frage nach der Höhe der gesamten aufgelaufenen Verpflichtungen.

Welches Unternehmen werden Sie 2013 nicht retten, Herr Al Jaber?

Das US-Magazin „Forbes“ taxiert das Vermögen des Hoteliers aus Saudi-Arabien seit Jahren auf stabile sieben Milliarden US-Dollar. Da kann man sich schon einmal das eine oder andere Spielzeug leisten. Teure Uhr? Luxusschlitten? Vielleicht sogar ein Fußballklub? Der Tand der Neureichen hat für Mohamed Bin Issa Al Jaber wenig Anziehungskraft. Seine Uhr hat nur 150 Euro gekostet, wie der Unternehmer mit saudisch-österreichischer Doppelstaatsbürgerschaft gern betont. Das Auto hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Und sein einziges Engagement im Fußball fällt ebenfalls eher bescheiden aus: Al Jabers Grand Hotel sponsert der Wiener Austria die Brötchen beim Catering.

Al Jaber hat einen ganz anderen Spleen: Er rettet in Not geratene österreichische Traditionsunternehmen. Zumindest tut er so. 2008 wollte er die AUA mit einer Investition von 150 Millionen Euro wieder fit spritzen – machte jedoch einen Rückzieher, weil er sich über die wirtschaftliche Lage der Airline getäuscht fühlte. Der Rechtsstreit zwischen Al Jaber und der AUA ist bis heute anhängig. Das liegt auch daran, dass inzwischen die Anwälte des Hoteliers wegen offener Honorarforderungen das Mandat niederlegten. Eine vertraglich zugesicherte Kapitalerhöhung beim Skihersteller Kneissl (dort hält Al Jaber seit 2008 die Mehrheit) bediente der Milliardär so lange nicht, bis das Unternehmen Insolvenz anmelden musste.
Auch beim renommierten Textilhersteller Backhausen ließ sich Al Jaber medial als Retter feiern, auch dort flossen die Millionen nicht, auch Backhausen wurde ein Fall für den Masseverwalter. Nach welcher Methodik „Forbes“ das Vermögen von Mohamed Bin Issa Al Jaber berechnet, ist nicht bekannt. Das Geld scheint über die ganze Welt verstreut zu sein, bloß nach Österreich findet es seinen Weg nicht. Ebenso wenig wie die Antwort auf Anfragen. Seit eine Wiener PR-Agentur im Herbst des Vorjahrs das Mandat zurückgelegt hat, ist Al Jabers Staathalter in London für Medienanfragen zuständig. Aber eben nicht auskunftsfreudig.

Werden Sie 2013 langfristig in die Telekom Austria investieren, Herr Pecik?

Heuschrecke? Finanzjongleur? Zocker? Von wegen! Als im Herbst 2011 bekannt wurde, dass der Wiener Unternehmer Ronny Pecik sich substanzielle Anteile an der teilstaatlichen Telekom Austria gesichert hatte, waren die Bedenken groß. Aber Pecik beruhigte. Er wolle ein „langfristiger Investor“ sein und die Telekom wirtschaftlich auf Vordermann bringen. Sogar Vorstandsverantwortung würde Pecik übernehmen, „nötigenfalls auch für eine Jahresgage von einem Euro“. Dann kam doch alles anders. Immerhin trat Pecik den Wahrheitsbeweis dafür an, dass die Verstaatlichtenholding ÖIAG so zeitgemäß ist wie ein Wählscheibentelefon. Dem Einstieg von Pecik und seinem Partner, dem ägyptischen Milliardär Naguib Sawiris, stand die ÖIAG ebenso hilflos gegenüber wie der Übernahme von deren Aktienpaket durch den mexikanischen Mobilfunkmagnaten Carlos Slim Helu. Gewinner der Transaktion war in erster Linie Ronny Pecik.
Von dem großspurig angekündigten langfristigen Engagement ist nichts mehr zu sehen. Aber vielleicht entzündet sich sein Interesse ja wieder einmal. Pecik hatte ebenfalls angekündigt, bei fallenden Kursen vielleicht doch noch einmal zuzukaufen. Seit der kroatischstämmige Investor im Sommer 2012 seine Anteile für 9,50 Euro je Aktie weitergereicht hat, steht der Kurs beständig unter sechs Euro. Für Carlos Slim Helu bedeutet das einen Buchverlust von rund 40 Prozent. Er wird es verschmerzen. Der Mexikaner gilt immer noch als reichster Mann der Welt.
Und Pecik? Bleibt der Telekom Austria vorerst erhalten – als Aufsichtsratsmitglied. Als solcher hat er der Telekom übrigens aufgetragen, Presse-Anfragen an ihn auf keinen Fall weiterzuleiten. Mehrere Anrufe bei Pecik blieben erfolglos. Eines lässt sich jedenfalls nicht leugnen: Pecik hat definitiv ein längerfristiges Interesse an der Telekom Austria. Steigt der Aktienkurs innerhalb der nächsten drei Jahre über den Verkaufspreis von 9,50 Euro, erhält Pecik laut einer Besserungsklausel noch einmal 15 Prozent des Kursgewinns.

Welchen Trends werden Sie 2013 folgen, Herr Baha?

Christian Baha steht gern im Mittelpunkt. Der Gründer des Hedgefonds-Anbieters Superfund genießt es sichtlich, wenn er sich bei Galas und Empfängen mit der internationalen Prominenz ablichten lassen kann. In seiner jüngsten Leidenschaft spielt Baha allerdings nur Nebenrollen. Seit einem Kurzauftritt in Oliver Stones Fortsetzung des Yuppie-Filmklassikers „Wall Street“ hat Baha Geschmack am Kino gefunden. 2012 mimte er in dem Horrorflop „7 Below“ einen Arzt und – wieder bei Oliver Stone – in „Savages“ als Statist einen namenlosen Cop. Zum Glück muss der Selfmade-Millionär nicht von der Schauspielerei leben. Aber auch im Brotberuf läuft es eher unrund. Superfund musste zuletzt eine ganze Reihe von Vertriebsniederlassungen schließen und hat den Personalstand drastisch reduziert. Grund für den Sparkurs ist die schlechte Performance von zahlreichen Superfund-Fonds. Die so genannten Trendfolger sollen auf Basis eines Computerprogramms Entwicklungen auf den Finanzmärkten automatisch aufspüren und sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen Gewinne einfahren. Offenbar sind die Kapriolen an den Börsen auch für die Superfund-Rechenmaschinen eine Herausforderung. Rund die Hälfte der angebotenen Fonds ist unter Wasser, einige haben seit Bestand schon zwischen 20 und 40 Prozent an Wert eingebüßt.
Zur Beruhigung der Anleger dürfte es nicht eben beitragen, dass Baha zuletzt regelmäßig erklärt hat, gute Teile seines eigenen Vermögens in physisches Gold zu investieren. Welche Trends Superfund 2013 wieder in die Spur bringen sollen, blieb auf profil-Anfrage unbeantwortet. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, seit Jahresbeginn gibt es einen neuen Pressesprecher. Wieder einmal. In der jüngeren Vergangenheit wurde die Position im Schnitt jedes Jahr einmal neu besetzt. Insgesamt verwaltet Superfund nur noch etwas mehr als 800 Millionen Dollar – früher sollen es einmal zwei Milliarden gewesen sein.
Ein derzeit anhängiges Finanzstrafverfahren im Zusammenhang mit Bahas Kunstsammlung dürfte da noch eines der geringeren Probleme sein.

Machen Sie jetzt Urlaub in Jesolo, Herr Kovats?

Der Mann dachte immer schon in Superlativen. Mit seinem Mischkonzern A-Tec Indus­tries wollte Mirko Kovats Österreichs größter Industrieller werden. Dazu ist es bekanntlich nicht gekommen. 2010 platzte der fremdfinanzierte Traum. Kovats legte mit 680 Millionen Euro Passiva die drittgrößte Pleite der heimischen Wirtschaftsgeschichte hin. Auch damit kann man in die Annalen eingehen. Die vergangenen zwei Jahre dürften also auch für den ehemals so schillernden Investor, der einst den „kleinen Leuten“ empfahl, in Jesolo statt in Übersee zu urlauben, eher mager gewesen sein. In seiner Blütezeit bestand das Industriekonglomerat aus 70 Unternehmen mit 12.000 Mitarbeitern und erzielte einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Davon ist heute nicht mehr viel übrig. Nach dem gescheiterten Gesamtverkauf des A-Tec-Konzerns im Herbst 2011 übernahm der Insolvenzverwalter die Hoheit über die Gesellschaft und deren Vermögen. Zwischenzeitlich sind die wesentlichen Beteiligungen (der Elektromotorenhersteller ATB, Werkzeugmaschinenproduzent Emco und die Montanwerke Brixlegg) verwertet.
Kovats ist somit Herr über eine leere Firmenhülle – und diese hat für ihn einigen Wert. Schließlich hat die A-Tec außerhalb Österreichs einen klingenden Namen und einige Referenzprojekte vorzuweisen. Und seit den Gläubigern im vergangenen November eine Quote von 39 Prozent ausgeschüttet wurde, gilt sie als entschuldet. Zudem braucht eine zukünftige operative A-Tec dank Verlustvorträgen in dreistelliger Millionenhöhe in den kommenden Jahren kaum Steuern zu zahlen. Wenig überraschend, dass sich Kovats angesichts dieser Gemengelage wieder obenauf wähnt: „Wir werden dieses Jahr einige Akquisitionen tätigen“, erklärt er. Sobald die A-Tec-Aktie wieder zum Börsenhandel zugelassen sei, wolle er loslegen. Interessante Kaufobjekte in den Kerngeschäftsfeldern Anlagen- und Maschinenbau sowie Kupferverarbeitung seien längst auserkoren, potenzielle Investoren stünden Gewehr bei Fuß. An Urlaub sei folglich gar nicht zu denken.

Wie steht es um Ihre Einlagen­sicherung, Herr Staudinger?

Es war das Match des vergangenen Herbsts – Heinrich „Heini“ Staudinger versus Finanzmarktaufsicht. Und es war ein Kampf mit ungleichen Waffen: auf der einen Seite die knochentrockene Behörde, auf der anderen der „Gea“-Schuhfabrikant, der sich zum Bankenrebell stilisiert. Da sind die Sympathiewerte schnell und klar verteilt. Die FMA wirft Staudinger die unerlaubte Entgegennahme von Spareinlagen vor. Das dürfen nur Banken, für die dann auch die staatliche Einlagensicherung gilt. Der „Robin Hood aus dem Waldviertel“ hat in den vergangenen Jahren bei Freunden, Kunden und Mitarbeitern rund drei Millionen Euro eingesammelt und in den Ausbau seiner Schuhfabrik im Waldviertel gesteckt. Die ihm gewährten Darlehen verzinst er mit vier Prozent pro Jahr, Kapitalertragsteuer wird nicht abgezogen. Nach den Buchstaben des Gesetzes ist dies ein Einlagengeschäft, für das es einer Bankenkonzession bedarf, die Staudinger naturgemäß nicht hat – mit der Konsequenz, dass die FMA ihm einen Strafbescheid über 2000 Euro schickte sowie einen Unterlassungsbescheid mit der Aufforderung, die Einlagen an seine Geldgeber zurückzuzahlen. Beide Bescheide will der Schuhunternehmer vor dem Höchstgericht bekämpfen. Alternativvorschläge, wie etwa die Begebung einer Unternehmensanleihe, lehnt er kategorisch ab. Schließlich würden dabei Prospekt- und Emissionskosten anfallen, außerdem müsste er seine Anleger über alle Eventualitäten bis hin zum Totalverlust aufklären.
Für seine Haltung findet Staudinger erstaunlicherweise Fürsprecher nahezu aller politischer Couleur, die in seinem Sinne vom Gesetzgeber neue, unbürokratische Formen der Unternehmensfinanzierung fordern. Dass dabei der Anlegerschutz auf der Strecke bleibt – nach dessen Stärkung angesichts der Vielzahl an Finanzskandalen der jüngeren Vergangenheit sonst immer gerufen wird –, scheint plötzlich einerlei. „Unsere beste Einlagensicherung ist der Erfolg unserer Arbeit“, meint Staudinger. Möge er im Interesse seiner Investoren Recht behalten.