Zweitbesetzung

Vorletzte Runde der nie geführten Wahl-Interviews. Heute mit Willi Molterer, Siegertyp.

profil: Herr Vizekanzler, was werden Sie eigentlich nach dem 28. September beruflich machen?
Molterer: Das kann ich Ihnen genau sagen: Ich werde Österreich als Bundeskanzler in ein goldenes Zeitalter führen.

profil: Der war gut! Und da sagen immer alle, Sie haben einen Schmäh wie ein Lebenslänglicher.
Molterer: Ich kann durchaus lustig sein. Bei der letzten Weihnachtsfeier im Finanzministerium hat sich eine Sachbearbeiterin über mein Graf-Bobby-Potpourri dermaßen abgehaut, dass sie danach mit einer Zwerchfellzerrung in Krankenstand gehen musste.

profil: Beeindruckend. Kann ich eine Kostprobe haben?
Molterer: Sehr gern! Also: Graf Bobby liest in der Zeitung, dass in Wien jede Stunde ein Fußgänger überfahren wird. Sagt er: „Wie hält der Arme das nur aus?“

profil: Ein Heuler. Erzählen Sie den auch bei Wahlkampfveranstaltungen?
Molterer: Damit dann alle in Krankenstand gehen? Da täten sich meine Freunde aus der Wirtschaft aber schön bedanken.

profil: Gutes Stichwort: Wie erklären Sie sich, dass mancherorts der Eindruck entstanden ist, die ÖVP mache praktisch ausschließlich Politik für die ÖVP-Klientel – Wirtschaft, Beamte, Bauern?
Molterer: Das kann ich Ihnen schon sagen.

profil: Ich bitte darum.
Molterer: Weil es so ist.

profil: Oh.
Molterer: Auf uns kann man sich eben verlassen. Sofern man auf der richtigen Seite steht. Und die richtige ist eben unsere.

profil: Bei dem Satz „Es reicht!“ denken die meisten Wähler dennoch sofort an Sie. Und zwar in etwas anderer Form, als Sie das gerne hätten.
Molterer: Das ist eine Folge des hochgradig unfairen Wahlkampfs der SPÖ. Mir sofort den Gusenbauer als Gegner wegzunehmen ist wirklich unterste Schublade.

profil: Vermutlich liegt es ja nicht einmal nur an Ihnen. Das Publikum scheint überhaupt langsam die ewig gleichen Gesichter bei der ÖVP sattzuhaben.
Molterer: Aber es gab doch durchaus eine personelle Erneuerung bei uns. Nehmen Sie nur Andrea Kdolsky. Und ... Andrea Kdolsky.

profil: Die hab ich jetzt glatt vergessen.
Molterer: Ich auch schon wieder.

profil: Hat die ÖVP am Ende ein Nachwuchsproblem?
Molterer: Es ist für uns nicht so einfach wie für andere Parteien.

profil: Wieso?
Molterer: Nun, viele der Jungen, die aus ÖVP-Häusern kommen, laufen zu den Grünen über. Die fehlen dann halt bei uns.

profil: Und die, die der Mutterpartei treu bleiben?
Molterer: Die waren nie jung.

profil: Wenn die ÖVP nicht Erster werden sollte ...
Molterer: … dann kommt der Komet. Oder das Schwarze Loch vom Teilchenbeschleuniger. Und damit das Jüngste Gericht. Und dann werden alle außer uns schön schauen. Die ÖVP ist nun einmal die einzige staatstragende Partei.

profil: Ja. Eh. Wenn also die ÖVP nicht Erster werden sollte – was macht sie dann? Schwarz-Blau-Orange, wenn sich’s ausgeht?
Molterer: Wer sagt, dass wir das nur machen, wenn wir nicht Erster werden?

profil: Sie. Zumindest bisher.
Molterer: Nun, diese Variante hat durchaus Anhänger.

profil: Lassen Sie mich raten: Fängt der Anhänger mit Schüss- an und hört mit -el auf?
Molterer: Selbst wenn das so sein sollte – wir haben immerhin nicht schon vor der Wahl eine Wachteleier-Koalition gemacht. Auf dieses Niveau begeben wir uns sicher nicht.

profil: Aber mit diesem Blödsinn haben doch Sie angefangen: Die ÖVP hat dauernd getrommelt, dass die SPÖ mit der Mehrwertsteuersenkung Kaviar verbilligen will.
Molterer: Das ist aber bitte etwas völlig anderes.

profil: Wieso?
Molterer: Na weil es von uns gekommen ist.

profil: Dabei müsste Ihnen billigerer Kaviar ja eh sympathisch sein.
Molterer: Dieses salzige Zeug will ja nicht jeder. Da ist es sozial weitaus treffsicherer, den Steuersatz für Stiftungen zu senken.

profil: Das ist ja schon passiert.
Molterer: Wir sorgen eben dafür, dass sich Leistung auszahlt.

profil: Wenn man sich die Umfragen so anschaut, gilt das offenbar auch für Ihre eigene Leistung der letzten eineinhalb Jahre.
Molterer: Wir waren da leider durch einen Klotz am Bein etwas behindert.

profil: Wie sprechen Sie denn über Ihren Vorgänger?
Molterer: Lassen Sie das, oder ich erzähle noch einen Graf-Bobby-Witz.

profil: Sie haben gewonnen.
Molterer: Das sagte ich doch schon zu Beginn.

Verlag
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