© Ingo Pertramer

Interview
05/06/2021

"Wie halten Sie es mit der Political Correctness, lieber Austrofred?"

Seit 20 Jahren persifliert Franz Adrian Wenzl unter dem Pseudonym Austrofred Queen-Hits mit österreichischen Texten.

von Philip Dulle

profil: Als Austrofred mischen Sie Queen-Hits mit wienerischen Texten und leben diese Obsession in energiegeladenen Bühnenperformances aus. Wie halten Sie sich in der Pandemie ohne Konzerte fit?

Austrofred: Ich singe und tanze vor dem Spiegel. Das Körpergedächtnis, die muscle memory, ist enorm wichtig. Das ist eine eigene Wissenschaft. Als Rockstar muss ich die Lieder immer wieder durchleben. Auf der Bühne darf ich nicht mehr an den Text denken. Das muss alles ganz automatisch passieren.

profil: Ihr neuestes Buch heißt "Die fitten Jahre sind vorbei": das Eingeständnis eines alternden Rockers an die eigene Endlichkeit?

Austrofred: Den Begriff Midlife-Crisis will ich nicht hören. Es geht darum, in den besten Jahren, in einer Phase mitten im Leben, neue Ziele zu finden. Mit meinem neuen Buch trete ich in einen direkten, ehrlichen Kontakt mit meinen Fans und beantworte Fragen aus meinem Leben. Die Menschen sehnen sich nach Magie-und ich lasse sie an meinem Mythos, an diesem Rockstar-Zauber, teilhaben.

profil: Ist der Rockstar an sich nicht ein sehr gestriges Phänomen?

Austrofred: Das höre ich zum ersten Mal! Natürlich wird heute viel mehr hinterfragt, andererseits trägt das wieder zur Mystifizierung bei. Vergessen Sie nicht: Es gibt immer Yin und Yang! Wenn die Kirche keinen Einfluss mehr hat, bauen die Menschen eben neue Religionen auf. Ich stehe zur Verfügung.

profil: Was ist Ihnen näher: eine Lebenskrise auszuleben oder in Selbstmitleid zu versinken?

Austrofred: Das Zelebrieren einer Krise ist mir als Konzept völlig fremd. Nach 20 Jahren Austrofred bin ich ziemlich krisensicher, habe meine Kompetenzen stets bei mir. Ich weiß auch nicht, ob man jede Krise als Chance verstehen muss. Eine Krise bleibt zunächst einfach nur eine Krise.

profil: Ihr großes Vorbild, Queen-Sänger Freddie Mercury, wurde nur 45 Jahre alt. Sie sind jetzt im selben Lebensjahr. Ein guter Zeitpunkt, Austrofred zu Grabe zu tragen?

Austrofred: Die Freiheit, den Austrofred zu begraben, falls mir nichts Originelles mehr einfallen würde, hatte ich immer. Sonst wäre ich ja in dieser Figur gefangen. Andererseits bin ich ein Bühnenmensch und weiß, dass ich mit 80 noch immer auftreten möchte. Der Gag ist: Bis jetzt hatte ich immer noch eine gute weitere Idee.

profil: Die Gefahr, als Austrofred gecancelt zu werden, sahen Sie nie?

Austrofred: Das kann ich mir kaum vorstellen. Wegen eines Schmähs, der einmal danebengegangen wäre? Nein, meinen Witz sollte man im Zusammenhang des Gesamtkunstwerks sehen. Hätte ich wirklich einen Blödsinn gemacht, für den ich gecancelt werden könnte, hätte ich die Größe, mich dafür auch zu entschuldigen.

profil: Stichwort Political Correctness: Durfte man vor 20 Jahren noch andere Witze auf der Bühne machen?

Austrofred: Das Schmähbewusstsein hat sich verändert. Mir ging es nie darum, bestimmte Minderheiten oder eine Gruppe von Menschen herabzuwürdigen. Auch das Spiel mit Vorurteilen hat sich in den letzten Jahren verändert. Andererseits sollte Humor nicht auf Kosten einer aufgesetzten politischen Korrektheit gehen. Als humoristischer Rockstar bearbeitete ich diese feinen Widersprüche. Wichtig ist für mich, dass sich im Humor auch meine Geisteshaltung widerspiegelt.

profil: Mit Ihrer Zweitband, der Wiener Rockband Kreisky, haben Sie just in der Pandemie ein neues Album vorgestellt. Ist das nicht künstlerischer Selbstmord?

Austrofred: Im Gegenteil. Es ist ideal, gerade jetzt ein neues Buch und ein neues Album zu veröffentlichen. Es gibt keine Tourneen, kein Theater, und in den Redaktionen weiß man ohnehin nicht, worüber man außer Corona noch schreiben sollte.


Austrofred, 44

Seit 20 Jahren persifliert der gebürtige Oberösterreicher Franz Adrian Wenzl unter dem Pseudonym Austrofred Queen-Hits mit österreichischen Texten. Mit die "Die fitten Jahre sind vorbei" (Czernin Verlag) erscheint nun sein sechstes Buch.

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