Ernst Fuchs ist tot: Malerfürst und Kitschgenie

Ernst Fuchs ist tot: Malerfürst und Kitschgenie

Es gab unter den Zeitgenossen kaum einen Künstler, auf den der Begriff des "Malerfürsten" besser passte: Sein obligates Käppchen gehörte ebenso zu den Markenzeichen von Ernst Fuchs wie sein Vollbart. Am Montag ist er im Alter von 85 Jahren verstorben.

Für Liebhaber der Werke von Ernst Fuchs ist die Internetplattform eBay eine wahre Fundgrube. Um 400 Euro kann man dort etwa seine Radierung „Das Gefängnis des Sommers“ von 1982 kaufen; zum Preis von 850 Euro gäbe es eine „Inkognito Maske“ aus Porzellan. Oder vielleicht doch das „Glas-Objekt Pegasus“ um 390 Euro? Angesichts der Vielfalt derartiger Ramschangebote ist es kaum noch vorstellbar, dass Fuchs einst als einer der wichtigsten Künstler Österreichs galt. Wenige Jahre lang hatte er diesen Status wohl zu Recht inne: Nach dem kulturellen Kahlschlag des Nationalsozialismus – und zuvor schon des Austrofaschismus – war die österreichische Kunstszene der späten vierziger Jahre vom internationalen Geschehen fast gänzlich isoliert. Ernst Fuchs zählte damals zum Kreis jener, die sich für die Avantgarde zumindest interessierten. Im Alter von 16 Jahren begann das damalige Wunderkind sein Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste und fing damit an, surrealistische Elemente für seinen mystisch-religiösen Bilderkosmos zu adaptieren.


Es dauerte nicht lange, da verabschiedete sich der bekennende Frauenheld aus der Welt anerkannter Museen und Galerien.

Fuchs war Teil der ersten Künstlergruppe im Nachkriegs-Österreich, der Phantastischen Realisten. Fachleute wie der Mitbegründer des Museums Moderner Kunst, Werner Hofmann, oder der Kunsthistoriker Wieland Schmied setzten sich vehement für Fuchs ein, später arbeitete er mit Literaten wie H. C. Artmann. Es dauerte nicht lange, da verabschiedete sich der bekennende Frauenheld aus der Welt anerkannter Museen und Galerien – die Ausstellung „Phantastischer Realismus“, die das Belvedere ihm und seinen ehemaligen Kombattanten 2008 widmete, kann man allenfalls als kathartische Aufarbeitung hiesiger Kunst(gewerbe)geschichte gelten lassen.

Auf der Suche nach archetypischen Urbildern - dem "verschollenen Stil" - experimentierte er auch mit verschiedenen Drogen. 1957 zog er sich für Monate in das Kloster "Dormitio" bei Jerusalem zurück und begann eine monumentale "Abendmahl"-Darstellung, an der er jahrzehntelang arbeitete. 1966 veröffentlichte er das Buch "Architectura Caelestis. Die Bilder des verschollenen Stils", eine der wichtigsten programmatischen Schriften aus dem Kreis der Phantasten, worin er gegen die "Pest des Rationalismus und des Konstruktivismus" anschrieb. Ziel sei "all der herrliche Kitsch, den die Maschinenpuritaner verboten haben".


Geld floß im Fuchs-Imperium über viele Kanäle: über Malerei, Bauten, Auftrags- und Porträtarbeiten, über Nippes, Kunstdrucke, Immobilien und Buchillustrationen.

In den 1970er Jahren begann Fuchs auch im Bereich Innenarchitektur und Design sowie für Film und Bühne (Opern- und Ballettausstattungen) zu arbeiten. 1972 kaufte er eine von Otto Wagner entworfene Villa in Wien-Hütteldorf, die er restaurierte und aufwendig umgestaltete. 1988 wurde die Villa als Privatmuseum und Sammlung Ernst Fuchs eröffnet, heute ist sie auch Sitz der Ernst Fuchs-Privatstiftung. Seit damals lebte der 16-fache Vater in Monte Carlo und wohnte, wenn er zu Besuch in Wien weilte, im Hotel.

Geld floß im Fuchs-Imperium über viele Kanäle: über Malerei, Bauten, Auftrags- und Porträtarbeiten, über Nippes, Kunstdrucke, Immobilien und Buchillustrationen. Die schwülstig-erotischen Bilderwelten und dekorativen Ergüsse des Malerfürsten haben die ästhetischen Vorstellungen breiter Gesellschaftsschichten in Österreich geprägt. Das ist Ernst Fuchs’ große Leistung – und eine kleine Katastrophe für das hiesige Kunstverständnis.