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Kultur
12/15/2020

Filmemacher Adrian Goiginger über den Corona-Lockdown: Schluss mit dem Algorithmus!

Kunstschaffende berichten von ihren Lockdown-Erfahrungen. Teil vier: Adrian Goiginger, Filmemacher.

von Stefan Grissemann

Ich stecke mitten in den Dreharbeiten zu meinem neuen Film, der "Märzengrund" heißen wird und eine Zillertaler Einsiedlergeschichte ist, nach dem Stück von Felix Mitterer. Wir haben im Mai mit den Vorbereitungen begonnen, im Hochsommer gedreht, und wir fangen jetzt mit dem Winterblock im Zillertal an. Wir werden alles umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben, aber ein wenig mühselig ist es schon: Man muss sich eben darauf einstellen, beispielsweise ohne Infrastruktur zu arbeiten, ohne Hotels und ohne Gasthäuser. Es braucht zähe Verhandlungen mit Hotelbesitzern, um unser eher kleines Team, etwa 40 Leute, unterbringen zu können. Das ist für Geschäftszwecke ja sogar erlaubt, nur muss man jemanden finden, der dafür sein Haus wieder in Betrieb nimmt. Wir müssen also vorrechnen, dass es sich rentieren kann, uns für einen siebentägigen Dreh aufzunehmen. Insofern ist bei Dreharbeiten dieser Tage alles komplizierter und umständlicher. Man braucht für das Location-Scouting plötzlich viel mehr Autos, weil man getrennt sitzen muss. Und wir lassen uns zwei-bis dreimal in der Woche testen. Die Handlung meines Films ist glücklicherweise fast prädestiniert dafür, sie unter Lockdown-Maßnahmen zu realisieren: Die meisten Szenen sehen nur einen oder zwei Schauspieler vor, und fast alles findet am Berg statt.

Die Kinos fehlen mir natürlich, ich habe keine Lust mehr, daheim auf der Couch zu sitzen und Dinge zu sehen, die mir irgendein Algorithmus vorschlägt. Das ist frustrierend, aber ich bin optimistisch: Es wird, sobald diese Krise überwunden ist, eine Jetzt-erst-recht-Reaktion geben, glaube ich. Klar, Netflix ist auch schön, aber die Leute werden das gemeinsame Erlebnis des Kinogehens vermissen. Streaming ist eine gute Option, um Filme und Storys zu konsumieren, es ist nur kein Ersatz fürs Kino. Als das Fernsehen in den 1950er-Jahren kam, dachten alle, das Kino sei tot. Aber nichts dergleichen passierte. Das Entscheidende ist das Gesellschaftliche: Man will wieder raus und etwas erleben.

 

Ich hatte Glück: Als der Lockdown kam, habe ich geschrieben, danach konnte ich drehen, also zu jeder Zeit Geld verdienen. Aber klar, Konzertmusiker oder Bühnenschauspieler sind hart getroffen, finanziell und emotional. Im Film sind wir da privilegiert. Viele Filmschauspieler erzählen mir, dass sie seit Sommer mehr zu arbeiten haben denn je, es wird extrem viel produziert, denn die Nachfrage nach Content ist im Lockdown ja eher noch gestiegen.

Protokoll: Stefan Grissemann

Adrian Goiginger, 29, gehört zu Österreichs Kinohoffnungen: Mit seinem autobiografischen Debüt "Die beste aller Welten" gelang ihm 2017 ein ungeahnter Erfolg. 2021 will er seine Mitterer-Adaption "Märzengrund" fertigstellen-und einen neuen Film beginnen, der sich um die Kriegsgeschichte seines Urgroßvaters dreht.

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