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Kultur im Ausnahemzustand
11/26/2020

Rapperin Yasmo über den Corona-Lockdown: 10.000 Schritte

Kunstschaffende berichten von ihren Lockdown-Erfahrungen. Teil eins: Yasmo, Rapperin, Autorin und Slam-Poetin.

von Stefan Grissemann

Mit dem ersten Lockdown habe ich begonnen, mich intensiv mit Finanzhilfen für Ein-Personen-Unternehmen auseinanderzusetzen. Mein neues Hobby heißt seither "Bürokratie verstehen". Mich wundert, dass die Ankündigungen sich dauernd ändern und neue Ungleichgewichtungen dazukommen. Die Regelungen sind vielfach so kompliziert, dass man einfach nicht durchblickt. Ich habe den Eindruck, dass die Kunstszene, auch abgesehen vom Geld, schön langsam am Sand ist-nervlich nämlich. Es ist einfach herzzerreißend, nicht mehr auf Bühnen stehen zu können; man kann den Job nicht ausüben, den man liebt und gut macht.

In der Wirtschaftskrise, die absehbar kommen wird, läuft die Kultur Gefahr, als Erstes eingespart zu werden. Man wird sehr genau darauf achten müssen, dass die Kulturbetriebe effizient wieder hochgefahren werden, sonst könnte sich die Idee durchsetzen, dass man nach einer derart langen Zeit des Verzichts das alles in Wahrheit eh nicht mehr braucht. Ich hab mein Megafon schon im Anschlag: Menschen brauchen Kultur-und umgekehrt! Diese Pandemie hat uns alle müde gemacht, aber es ist wirklich ärgerlich, dass all die Kulturbetriebe, die ausgefeilte Sicherheitskonzepte entworfen haben, nun wieder zugedreht wurden.

Angesichts des schrecklichen Anstiegs der Zahlen in Österreich bin ich natürlich voll für einen Lockdown, aber man hätte ihn vielleicht softer und früher verhängen können. Und Absurditäten wie das Offenhalten der Waffenläden dürfte es nicht geben, während Buchgeschäfte ganz selbstverständlich schließen müssen und anders als die Restaurants nicht einmal Abholungsservice anbieten dürfen. Waffen sind, auch wenn man sie als "Notfallprodukte" deklariert, kein täglich nötiges Gut. Und selbst wenn die Jäger und Jägerinnen damit versorgt sein müssen, sollen sie ihre Waffen doch online bestellen wie alle anderen auch.

Für mich als Freischaffende ist die Zwangspause schon erträglich; ich bewege mich täglich 10.000 Schritte lang einsam durch die Stadt, gestalte Online-Sendungen auf Instagram, schreibe Texte und Musik, und mit meiner Band arbeite ich eben über Zoom. Es gibt allerdings bessere Wege, Songs zu komponieren. Ich glaube, "nervig" ist das Wort der Stunde.

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