Literatur

Karl-Markus Gauß: Spaziergang mit King Charlie

Seit über 30 Jahren bereist Karl-Markus Gauß den europäischen Kontinent. Beim Schlendern durch seine Heimatstadt Salzburg entdeckt der Schriftsteller die Mitte der Welt.

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Karl-Markus Gauß steht an einer Straßenkreuzung, wie es sie hier zu Dutzenden gibt. Der Himmel drückt wie ein grauer, undichter Stoppel auf Salzburg. Gauß klappt seinen Regenschirm auf und zu. Es dauert nicht lange, bis Gauß im Straßengeviert, über das hupendes Blech walzt, einen Kreuzungspunkt von Geschichte und Gesellschaft entdeckt.

Westlich der Fußgängerampel liegt die Aiglhofsiedlung, in der Gauß aufwuchs, eine Gegend, in der vom Mozart-und-Festspiele-Kern der Stadt nicht mehr viel übrig ist, die von Lehrern, Krankenschwestern und Magistratsbediensteten bewohnt wird. „Hier, beim Bäcker Bacher, endete das Reich meiner Kindheit“, sagt Gauß. Die Älteren sagen noch immer Bäcker-Bacher-Kreuzung, obwohl es seit 40 Jahren keine Bäckerei mehr gibt.

Wolfgang   Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.