Umjubelte Premiere: "Lady Macbeth von Mzensk" bei Festspielen

Umjubelte Premiere: "Lady Macbeth von Mzensk" bei Festspielen

Schostakowitschs Meisterwerk bei den Salzburger Festspielen – Umjubelte Premiere

Dmitri Schostakowitsch hat vermutlich die erste Musik zu einem Geschlechtsakt auf der Bühne geschrieben. "Lady Macbeth von Mzensk" ist auch sonst eine außergewöhnliche Oper. 1930 in Leningrad uraufgeführt, durfte sie kurz darauf in der Sowjetunion nicht mehr gespielt werden. Stalin hatte die Oper angeblich nicht gefallen. Und eine vernichtende Kritik in der "Prawda" hatte nacheilenden Gehorsam zur Folge. Schostakowitsch schrieb die Oper mehrfach um, aber fürchtete bis zu Stalins Tod Deportation. Er hatte stets einen gepackten Koffer bei sich.

Die selten gespielte Oper feierte nun bei den Salzburger Festspielen Premiere und wurde zu Recht bejubelt. Nina Stemme in der Titelpartie und Brandon Jovanovich als ihr Geliebter Sergej ragen aus dem außergewöhnlichen Ensemble heraus. Dirigent Mariss Jansons spürte Teile der verschollenen Urfassung auf und zeigte mit den Wiener Philharmonikern die erstaunliche musikalische Bandbreite der Oper. Danach folgen beinahe kitschig schöne Liebesduette brutalen symphonischen Elementen. Katerina (Nina Stemme) gibt die gelangweilte Kaufmanns-Gattin in einer von dauergeilen Männern dominierten vorrevolutionären Gesellschaft. Gegen diese rebelliert sie erfolglos und fordert ihrerseits Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche, was in Stalins Sowjetimperium, in dem die Frauengleichberechtigung gerade von einer Welle der Prüderie und männlicher Despotie abgelöst worden war, Widerstand auslöste.

Und die Zensoren stießen sich auch an der Empathie für die Titelheldin, welche Musik und Libretto beim Publikum auslösen. Trotz ihrer Mordtaten bleibt Katerina inmitten dieser verlogenen Männerwelt eine sympathische Figur. Sie heiratet ihren Geliebten, für den sie Gemahl und Schwiegervater umbringt. Doch der hat auch nur ihren Reichtum im Sinne und betrügt sie mit einer Zwangsarbeiterin auf dem Weg ins sibirische Straflager.

Regisseur Andreas Kriegenburg hat das Geschehen geschickt in die Gegenwart und eine verfallende urbane Landschaft (Bühne: Harald B. Thor, Kostüme: Tanja Hofmann) verlegt. Aus den Betonwänden fahren Katerinas Schlafzimmer, der Kontor oder das Polizeihauptquartier heraus. Und zwischen Kabale und Liebe samt Massenszenen gibt es Raum für komische Elemente: Der Chor der korrupten Polizisten, die einen Sozialdemokraten und bekehrten Atheisten quälen. Die Schar der ausgebeuteten Arbeiter, die dem tölpelhaften Juniorchef und Katerinas Gatten einen Ergebenheitsschwur liefern.

Große, zeitlose Oper, die endlich wieder aufgeführt wird, mit tollen Sängern und einem ideal ausgesuchten Dirigenten, der als Lette auch persönliche Erfahrung mit dem Sowjetreich hat und Schostakowitsch noch persönlich kannte. Kaum zu glauben: Es ist Mariss Jansons’ erste Arbeit für die Salzburger Festspiele.

Weitere Vorstellungen: 5.,10.,15. und 21. August.