Neue Alben: Prince, Beach Slang, The Very Pleasure, RVIVR

Aus dem Spätsommer wurde Frühherbst - und dieser bringt uns: ein Funkmonster, drei melancholische Punk Rocker, eine unvernünftige „Bauerndisco“ und eine Europa-Tour. profil unerhört bespricht die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle, Tina Goebel und Stephan Wabl

Prince: Art Official Age / Plectrumelectrum (Warner)

Dass Popweltstar Prince schon lange keine interessante Musik mehr macht, ist ein gängiges Märchen. In Wahrheit frönt der Popeklektiker seinem ausufernden Schaffensdrang seit Jahren unter Ausschluss einer breiteren Öffentlichkeit. Besonderes Augenmerk sollte man diesmal auf das Album "Plectrumelectrum“ legen, das Prince gemeinsam mit seiner aktuellen Begleitband 3rdEyeGirl live und analog einspielte. Prince erlebt mit den vier jungen Musikerinnen nicht nur auf Tournee einen sprichwörtlich zweiten Frühling. Sein neues Soloalbum "Art Official Age“ hingegen, so viel darf verraten werden, beinhaltet alles, wofür das quirlige Funkmonster seit jeher steht: Soul, Funk und R&B. Ein Grenzgänger eben, darauf ist Verlass.
„Art Official Age“ (5.9/10) , Plectrumelectrum (7.0/10) Ph. D.

Beach Slang: Cheap Thrills On A Dead End Street (Tiny Engines)

Beach Slang haben ihre zweite 7'' herausgebracht. Und hat uns das Debüt "Who Would Ever Want Anything So Broken?" euphorisch-grinsend durch den Frühling und Sommer gebracht, so wird uns "Cheap Thrills On A Dead End Street" melancholisch-seufzend durch den Herbst und Winter bringen. Das Grundgerüst hat sich nicht geändert: Die vier Stücke der drei Herren aus Philadelphia sind nach wie vor rau, kantig und melodisch. Darüber hat sich allerdings eine leicht nachkdenkliche Atmosphäre gelegt. Beach Slangs bitter-süße Lebenslust kann aber auch dieser herbstliche Nebel nicht ganz verhüllen. Und wenn es auf dem Stück "American Girls and French Kisses" heißt "I hope when I die I feel this alive" fließen plötzlich alle vier Jahreszeiten ineinander über, verschwimmen Melancholie und Euphorie. (7.8/10) S. W.

The Very Pleasure: Kongress der Unvernunft (Geco/Hoanzl)

„The Very Pleasure“ fanden 2004 zusammen, um eine Ausstellung im
Kunsthaus Bregenz musikalisch zu untermalen. Das Projekt gefiel, spann
sich weiter und nun stellen FM4-Gründervater Fritz Ostermayer, Naked
Lunch-Frontman Oliver Welter und der Künstler Hans Schabus ihr erstes
gemeinsames Album „Kongress der Unvernunft“ vor. Den Kontrapunkt nehmen dabei Ostermayers Elektro-Klänge ein, mitunter werden auch Ausflüge in die Genres Schlager oder gar „Bauerndisco“ unternommen – ohne dabei in Klischees abzudriften. Gehuldigt wird vor allem Werner Schwab, für einen „Rap“ konnte dafür sogar Christoph Grissemann gewonnen werden. Und damit das Ganze doch nicht zu verkünftig klingt, werden dazwischen Hühner bemitleidet, die zu große Pullunder tragen müssen. (9.0/10) T. G.

RVIVR: Bicker and Breathe (Yoyo Records)

Nach dem fabelhaften Album "The Beauty Between" meldet sich die Punk Band aus dem amerikanischen Olympia mit einer EP und Europa-Tour zurück. Fünf Songs, auf denen das Quartett seine besten Qualitäten komprimiert vereinigt: energetisch, kluge Texte, eingängige Vocals changierend zwischen Erica Freas und Mattie Canino und trotz aller Ernsthaftigkeit jede Menge gute Laune. Highlight: In Waves (7.2/10) S. W.

RVIVR spielen am 21. Oktober im Sub in Graz und am 22. Oktober im EKH in Wien!

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)

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