Pop, Politik, Revolution: Alexander Lippmanns Roman "Sumpfwandertag"

Pop, Politik, Revolution: Alexander Lippmanns Roman "Sumpfwandertag"

Unterm Radar – Gespräche vom Rand des Kulturbetriebs. Nazi-Verschwörer und die ewige Suche nach der verlorenen Revolution: Alexander Lippmanns hinreißendes Hardboiled-Debüt „Sumpfwandertag“.

Wer einem Kriminalroman Zitate von Leo Trotzki und den Queens of the Stone Age voranstellt, verfügt ganz eindeutig nicht nur über einen sicheren Geschmack, sondern auch ein beträchtliches Selbstvertrauen. So etwas eröffnet schließlich einen referenziellen Hallraum, den man erst einmal bespielen muss: Pop, Politik, Revolution und alles, was da so dazwischen liegt, also eigentlich eh alles. Alexander Lippmann, Bibliothekar in Wien und Sänger der Doom-Metal-Band „Iron Heel“, gelingt dieses Echokammerstück in seinem Romandebüt „Sumpfwandertag“ mit erstaunlicher Leichtigkeit, was wiederum noch gar nicht der größte Vorzug dieses Romans ist.

„Sumpfwandertag“ spielt in Wien und Niederösterreich in einer nicht besonders fernen Zukunft, in der die Wirtschaftskrise Österreich voll erfasst und den sozialen Zusammenhalt vollends zerstört hat, in der Rechtsradikale reüssieren, die Sozialdemokratie (aus deren Umfeld der Protagonist Hagen Steiner stammt) kuscht und der Polizeistaat schweres Geschütz auffährt. Ein politischer Mord passiert, und Hagen Steiner gerät schneller, als er sich ins Rum-und-Gras-Delirium flüchten kann, in einen Strudel aus Verschwörung, Verrat und Vertuschung. Dazu muss man wissen, dass Steiner vor seiner politischen Zähmung eine durchaus radikale autonome Vergangenheit hatte und ernsthaft an Revolution glaubte und arbeitete. Plötzlich begegnet er dieser Vergangenheit – und dem, was aus ihr wurde, zum Beispiel höhere Beamte – wieder an jeder Ecke. Die meisten dieser Begegnung fallen nicht besonders angenehm aus, einige sogar echt katastrophal.

Lippmann erzählt seinen rasanten Plot dezidiert als politischen Krimi, nicht nur thematisch, sondern auch mit einer deutlichen auktorialen Nähe zu radikalen Themen und Ansätzen und unter Einsatz entsprechender Thesen und Jargons. Zugleich weiß er aber auch die Mechanismen des Hardboiled-Genres ausgesprochen effektiv zu bedienen, was insgesamt eine hochinteressante neue Tonlage, einen inspirierten (und inspirierenden) Mix, sowie, ganz banal, gute Unterhaltung ergibt. „Go with the flow“, empfehlen die Queens of the Stone Age. Dem kann man sich nur anschließen.

Alexander Lippmann: Sumpfwandertag. Verlag Zaglossus, 198 S., 14,95 EUR
www.zaglossus.eu

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