Samantha Morton: „Es gibt nicht nur den amerikanischen Weg“

Samantha Morton in "The Last Panthers"

Samantha Morton in "The Last Panthers"

Die britische Schauspielerin Samantha Morton über das europäische TV-Geschäft, die Schwierigkeit, in unterschiedlichen Kulturkreisen zu drehen und warum sie ihre Rolle in der neuen Miniserie "The Last Panthers" für unverzichtbar hält.

Bevor die „Gilmore Girls“ endlich ihr sensationelles Comeback feiern (wohl aber erst in zwei Jahren), gibt es noch näherliegende gute Nachrichten für Serienfans: Die großartige Samantha Morton („Sweet and Lowdown“, „Minority Report“, „Control“) spielt die Hauptrolle in der sechsteilige Miniserie „The Last Panthers“ (ab 12. November auf Sky Atlantic), die unter anderem in Marseille, Belgrad, Montenegro, London und Ungarn gedreht wurde und lose auf der Geschichte der sogenannten Pink-Panther-Bande basiert. Gelegenheit für ein paar klärende Worte über das europäische TV-Geschäft:

profil: „The Last Panthers“ wurde als paneuropäisches TV-Projekt produziert. Sollte sich Europa noch stärker am TV-Markt etablieren?
Morton: Ich habe kein Problem mit amerikanischen TV-Serien. In Europa bekommen wir aber wirklich genug davon zu sehen. Wir sollten nicht vergessen, dass es eine eigene europäische TV-Kultur gibt, die sich mehr in den Vordergrund wagen muss. Es gibt nicht nur den amerikanischen Weg.

profil: Kleine europäische Länder wie Dänemark fallen immer wieder mit progressiven Serienformaten auf. Wie stehen die Chancen für eine eigenständige, europäische Seriensprache?
Morton: Man sollte nicht den Fehler begehen, bloß Remakes US-amerikanischer Serien zu produzieren. Viel wichtiger ist es, eigene Formate zu fördern, um diese dann mit der Welt zu teilen. Ein „The Wire“ ist auch in Europa möglich.

The Last Panthers - Trailer

profil: „The Last Panthers“ spielt unter anderem in Frankreich, Serbien, Montenegro und Ungarn. War es schwierig, in so unterschiedlichen Kulturkreisen zu arbeiten?
Morton: Ganz im Gegenteil. Es war erfrischend und aufregend. Probleme hatten nur die Produzenten, die dieses Experiment koordinieren mussten. Sie wissen ja nicht, wie schwierig es ist, in Montenegro überhaupt eine Dreherlaubnis zu bekommen.

profil: In „The Last Panthers“ verkörpern Sie Naomi, die Problemlöserin einer großen Versicherung. Wie schwierig war es für Sie, sich als einzige Frau unter den Hauptcharakteren durchzusetzen?
Morton: Diese Frau ist enorm wichtig für die Serie. Sie ist eben nicht nur die Freundin oder Frau, Mutter oder Tochter. Als ehemalige UN-Mitarbeiterin, die als Blauhelm-Soldatin im Balkankrieg zum Einsatz kam, ist Naomi der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Sie ist nicht nur hartgesotten, sondern auch abgebrüht.