Was sind NFTs eigentlich – und wozu sind sie gut?

Eine Reise durch die unendlichen Shopping-Möglichkeiten virtueller Parallelwelten.

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Eine luxuriöse Villa mit Pool direkt neben dem Anwesen eines Superstars? Klingt gut? Kürzlich wurde ein Grundstück, angrenzend an das Anwesen des US-Rappers Snoop Dogg, für 450.000 US-Dollar verkauft. Das Schnäppchen befindet sich allerdings in einer virtuellen Gaming-Welt, die sich „The Sandbox“ nennt. Ein NFT-Sammler ist nun Nachbar des HipHop-Moguls im Metaverse und kann nur darauf hoffen, dass es keinen Zoff mit dem geschäftstüchtigen Musiker gibt, der sich als zentraler Promoter virtueller Welten gibt – und wohl exzellent daran verdient.

Die Preise für Grundstücke auf Sandbox explodieren gerade, jeder möchte sich ein Stück vom Kuchen im von Mark Zuckerberg lancierten Metaverse-Universum abschneiden, obwohl der Markt volatil ist. Derzeit ist das allerdings eine Spekulation mit offenem Ausgang. Metaverse ist nur ein Sammelbegriff für diverse Plattformen, die um Marktdominanz kämpfen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie erstaunlich retro wirken. Der Unterschied zu „Second Life“, jener virtuellen Welt, die 2003 für Schlagzeilen sorgte, ist (noch) nicht groß. In Zuckerbergs Meta-Version, die sich „Horizon Worlds“ nennt, fehlen den Comic-Avataren etwa die Beine. „Decentraland“ wirkt wie ein psychedelischer Traum aus den 2000er-Jahren, und Sandbox spielt ebenfalls mit früher Pixel-Ästhetik. Die Zukunft steckt, wie man sieht, noch in den Kinderschuhen.

In den nächsten Jahren werden zahlreiche neue Metaverse-Visionen aus dem Boden schießen, vermutlich mit einer überzeugenderen Ästhetik, die eine Verschmelzung von Physischem und Digitalem ermöglicht. Vieles von dem, was gerade als spektakuläre Vision gefeiert wird, wird dann wohl wieder verschwunden sein – das lässt sich aus der Geschichte lernen: Der Smartphone-Pionier Blackberry, der in den 2000ern den Markt dominierte, ist beispielsweise längst passé.

Wem aber wird denn nun das Metaverse gehören? Hier beginnt es spannend zu werden: Die Antwort lautet nämlich: uns, wenn wir bereit sind, dafür Krypto-Währungen zu investieren.

Das Web 1.0 bestand aus statischen Sites, im Web 2.0 befinden wir uns gerade, es zeichnet sich durch die Erfindung der sozialen Medien aus. Das Web 3.0, eng mit dem Metaverse verbunden, soll ein dezentrales Online-Ökosystem sein, das auf der Blockchain basiert – kontrolliert von Nutzerinnen und Nutzern. Jede und jeder soll ein Stück davon besitzen können, im Unterschied zum Konzerneigentum Facebook & Co.

So jedenfalls das Heilsversprechen. Im Augenblick ist das Metaverse nur eine gigantische Gelddruckmaschine, von der in erster Linie wieder die Konzerne profitieren – und wenige Krypto-Großinvestoren. Trotzdem hat man ständig das Gefühl, an NFTs und Bitcoins nicht mehr vorbeizukommen. Die Betreiber des Collins English Dictionary wählten NFT zum Wort des Jahres 2021. „Non-Fungible Tokens“ – nicht austauschbare Zertifikate – sind digitale Unikate, also virtuelle Objekte mit Eigentums- und Echtheitsnachweis. Genutzt wird dafür die Blockchain, eine Datenbank, die aus Blöcken besteht und für Krypto-Währungen erfunden wurde. Um NFTs anzulegen, zu kaufen und zu verkaufen, benötigt man virtuelle Geldbörsen, in denen Krypto-Währungen wie Ether (ETH) deponiert werden (Bitcoin spielt in diesem Kontext eine geringere Rolle). Wer sich ein wenig damit beschäftigt, versteht das Prinzip schnell.

NFT-Goldrausch

Viele stellen sich unter NFTs bislang nur Bilder oder Videoschnipsel vor. Aber NFTs sind dynamisch, sie können sich weiterentwickeln und optisch wandeln, was durch „Smart Contracts“ geregelt wird. Ein Beispiel: NFT-Schwerverdiener Beeple bietet in seiner aktuellen „Genesis-Collection“ gerade das Bild eines Bullen mit US-Flagge an. Je nach Ausgang der US-Wahl wird sich das Kunstwerk verändern.

NFTs gibt es schon seit 2012, der Goldrausch begann aber erst, als klar wurde, dass viel Geld in die Entwicklung diverser Metaverse-Projekte fließen wird. Mit dem Verkauf von NFTs wurden 2021 laut Krypto-Analyseplattform DappRadar fast 22 Milliarden Euro umgesetzt. Klingt beeindruckend, muss aber relativiert werden: Weniger als 40.000 Käufer besitzen 80 Prozent allen NFT-Werts. Kein Wunder, dass gerade so viel Werbung gemacht wird: Der NFT- und Metaverse-Markt braucht dringend Frischblut, also Normalverbraucher und -verbraucherinnen, die auch investierend eintauchen wollen in die neuen virtuellen Welten. Insofern erscheint das Metaverse nur wie eine hübsch verpixelte Version unseres maroden Planeten.

Karin   Cerny

Karin Cerny