Zum Tod von Richard Attenborough

Zum Tod von Richard Attenborough

Humanist, Oscar-Preisträger, Geschichtenerzähler und Fan des Londoner Fußballclubs Chelsea: Über viele Dekaden des 20. Jahrhunderts war der britische Schauspieler, Regisseur und Produzent Richard Attenborough aus der Gesellschaft und Kinolandschaft Großbritanniens nicht wegzudenken.

Vor allem als Schöpfer monumentaler Filme wurde der aus einer alten schottischen Offiziersfamilie stammende Künstler, im Zweiten Weltkrieg diente er bei der Royal Air Force, weltweit bekannt.

Sein Oeuvre als Regisseur umfasst 12 Filme, hergestellt zwischen 1969 und 2007. An seinem bekanntesten Werk, „Gandhi“ (1982), mit dem er Ben Kingsley weltberühmt machte, arbeitete er 20 Jahre lang. Komparsenheere, lebensgroße Sets, überbordende Erzählgewalt benötigte Attenborough für sein Epos über den indischen Asketen und gewaltlosen Revolutionär.

In „Cry Freedom“ (1987) verhandelte er die Geschichte des Bürgerrechtlers Steve Biko, der sich für die Rechte der Schwarzen in der Zeit der Apartheid in Südafrika eingesetzt hatte und dafür starb. Von der Queen wurde Attenborough, er saß auch für die Labour-Partei im britischen Oberhaus, in den 1990er-Jahren zum Lord erhoben.

Als Filmschauspieler war er bereits seit 1942 aktiv: Sein eindrucksvollster Auftritt bleibt die Graham-Greene-Verfilmung „Brighton Rock“ von 1947, in der er einen psychotischen Killer gab. In Steven Spielbergs Kassenschlager „Jurassic Park“ (1993) war er ebenso zu sehen wie in „Das Wunder von Manhattan“ (1994), wo er einen vermeintlich gemütlichen Weihnachtsmann mimte.

Für die Pflege seiner Frau, der Schauspielerin Sheila Sim, mit der er seit 1945 verheiratet war, zog er sich vor einigen Jahren aus der Öffentlichkeit zurück. Der Altmeister, geboren im August 1923 in Cambridge, starb vorvergangenen Sonntag in London.

Philip Dulle