Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

#brodnig: Gegen Greta
12/11/2019

#brodnig: Gegen Greta

Das rechte Medium „Wochenblick“ hat anscheinend die erfolgreichste Meldung auf Facebook im Jahr 2019 verfasst.

von Ingrid Brodnig

Mich fasziniert, welche Texte am meisten Erfolg auf Facebook ernten – also oft mit „gefällt mir“ markiert oder geteilt werden. Nehmen wir das heurige Jahr: Der erfolgreichste Beitrag einer österreichischen Website scheint von wochenblick.at zu stammen. Im September erschien dort ein „offener Brief“ an Greta Thunberg mit der Überschrift: „Wir lassen uns nicht länger beschimpfen!“

Polarisierender Auftritt

Es war eine Reaktion auf Thunbergs emotionale Rede vor den Vereinten Nationen, wo sie der Politik erklärte: „Ihr habt meine Kindheit gestohlen.“ Dieser Auftritt polarisierte – wochenblick.at münzte das in Klicks um. Im „offenen Brief“ an Thunberg schreibt die Autorin: „Ich gehöre zu jener Generation, die in den 1960er-Jahren aufwuchs. Liebe Greta, wir lebten damals klimafreundlicher, als Du und deine unwissenden Kinder-Anhänger es sich überhaupt vorstellen können. Wir trugen die Kleider unserer älteren Geschwister auf, Strumpfhosen und Socken wurden gestopft, Kleidung wurde nicht weggeworfen (…)“ Sie nennt die Klimaproteste „scheinheilig“, da heutige Teenager mehr CO2 als frühere Generationen verursachen würden.

Das ist ein beliebtes Argument gegen Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung. Häufig wird erklärt, die heutige Jugend solle sich nicht empören – schließlich ist sie Teil der Konsumgesellschaft. Ich möchte aber anmerken: Genau dieser Widerspruch ist den Demonstranten bewusst. Sie gehen ja auf die Straße, um darauf hinzuweisen, dass der gesellschaftliche Status quo gefährlich für den Planeten ist.

Hochemotionales Thema

Bemerkenswert ist, dass dieser Beitrag gegen Thunberg mehr als 356.000 Likes, Kommentare etc. auf Facebook erzielte. Ich konnte keinen Text eines anderen österreichischen Mediums finden, der 2019 so viel Wirbel auslöste (falls Ihnen ein solcher auffiel, bitte schreiben Sie mir!).

Die erfolgreichste Geschichte der „Kronen Zeitung“ auf Facebook („Bestätigt: IS-Terrorist bekam 12.400 € Sozialgeld!“) erzielte rund 60.000 Interaktionen, also deutlich weniger. Das zeigt: Die Klimakrise ist mittlerweile ein hochemotionales und auf Facebook stark diskutiertes Thema. Und gerade manche rechte Medien nutzen solche polarisierenden Themen gekonnt für Klicks.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter: [email protected] facebook.com/brodnig twitter.com/brodnig

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