Christian Rainer: Wer regiert die Welt?

Christian Rainer: Wer regiert die Welt?

Nein, kein Text über Trump (oder Kern). Sondern über Facebook (und Monopole).

Nein, dies ist auch kein Text über die Gefahr, die von Facebook für den Journalismus ausgeht. Aber die Idee für diesen Kommentar ist doch dort entstanden. Das kam so: Bei einer Veranstaltung des Verbands Österreichischer Zeitungen am vergangenen Donnerstag sprach eine Runde von Verlegern über die im Laufe der Zeit wechselnden Bedrohungsbilder für unsere Branche.

Vor 20 Jahren dachten wir, Bill Gates würde mit seinem Softwareimperium Microsoft die Welt überrennen und durch all die Programmverästelungen auch die Redaktionen durchdringen. Man sympathisierte mit dem dubiosen Steve Jobs und Apple, bloß um das böse Imperium Microsoft zu unterlaufen. Inzwischen ist Microsoft ein Industriekonzern wie viele andere, erfolgreich, aber längst nicht mehr in der Position, lähmende Abhängigkeiten zu erzeugen – unter anderem wohl, weil Gates nicht energisch genug auf das Internet gesetzt hat.

Vor einem Jahrzehnt wiederum waren wir davon überzeugt, die Telekoms mit ihren Vertriebskanälen – vor allem für das Internet – würden uns samt der restlichen Menschheit in die Sklaverei treiben. In Wahrheit sind die alten Telekoms längst selbst in Bedrängnis geraten – durch heftige Konkurrenz untereinander, durch teure Kabelinfrastruktur versus billigen Mobilfunk, durch wasweißich sonst noch.

Dann war es Google, das wir fürchteten. Google saugt unsere aufwendig erarbeiteten Inhalte auf, die wir der Suchmaschine selbstmörderisch schenken. Google saugt auch viel von unserem Werbegeld ab, weil es die Werbeplätze, also den Kundenkontakt, zu minimalen Grenzkosten anbieten kann.

Diese Bedrohung ist nicht kleiner geworden, aber unsere Aufmerksamkeit hat sich nun auf die sozialen Netzwerke gerichtet, allen voran auf Facebook, ein wenig auf Snapchat, neuerdings auf Instagram, das wiederum zu Facebook gehört. Die sozialen Netzwerke nehmen uns wie Google die Werbeumsätze ab, verbreiten auch unsere Nachrichten, aber weit darüber hinaus nachrichtenähnliches Zeug der Nutzer, stehlen überdies jene Zeit der Menschen, die bisher in den Konsum von klassischen Medien floss.


Erledigen sich alle großen Konzerne eines Tages von selbst? Und wenn das so ist, was wird Facebook killen?

Und dann noch Amazon: Das hält ein wichtiger österreichischer Verleger für den bösesten Konzern überhaupt – Handelsgigant, Werbeträger, Logistikriese, Cloud-Anbieter, Musik- und Filmdistributor, Aufkäufer von klassischen Medien wie der „Washington Post“.

Ach ja, und da war noch eBay – hielten wir eben auch noch für unschlagbar, ist durch Amazon und Alibaba aus dem Fokus geraten und damit auch das Geschäftsmodell ins Wanken. Doch eBay besitzt das Zahlungssystem PayPal, das nicht von den Medien, jedoch von den Banken gefürchtet wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unsere Geschichte ist: Erledigen sich alle großen Konzerne eines Tages von selbst? Und wenn das so ist, was wird Facebook killen?

Facebook ist kein Kartell, also kann man Herrn Zuckerberg nicht direkt dafür bestrafen, dass er so erfolgreich ist. Wenn Facebook wie Google und Apple in Europa kaum Körperschaftssteuer zahlt, dann ist auch das nicht Zuckerberg anzulasten, sondern einer Handvoll von EU-Mitgliedern, die den Steuerwettbewerb eher extensiv betreiben. Allenfalls wird Facebook (und Amazon noch mehr) sich zu so etwas wie einem marktverzerrendem Monopol entwickeln. Dann könnte der Konzern gesprengt werden wie einst das amerikanische Telefonsystem Bell Wahrscheinlich ist das nicht.

Viel spannender (und sportlicher) ist die Aussicht, dass Facebook von selbst zu einem jener Phänomene wird, die wir in der Zukunft als Vergangenheit betrachten. Wie könnte das passieren? Wiederum die langweilige Variante: durch Management- und Strategiefehler, indem überinvestiert wird oder in teure Abenteuer. Die interessantere These: Die Menschen werden es sattbekommen, über soziale Medien miteinander zu kommunizieren. Sie werden des Likens (und Dislikens) von Fotos, Videoclips, Textfragmenten überdrüssig werden. Sie werden erkennen, dass ungefilterte, ungesteuerte und nicht überprüfte Nachrichten den Informationswert eines Groschenromans haben.

Womit wir dann wieder bei unserer Branche, dem Journalismus, angelangt wären. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

christian.rainer@profil.at
Twitter: @chr_rai

Dieser Artikel stammt aus dem profil Nr. 11 vom 13.3.2017. Das aktuelle profil können Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.