Elfriede Hammerl: Ein Hund für die Omi

Elfriede Hammerl: Ein Hund für die Omi

Wie gute Absichten total verkannt werden können.

Isabelle und Andreas haben der Omi, also Isabelles Mutter, zu Weihnachten einen Hund geschenkt. Einen entzückenden Welpen. Mia Salome und Anton Sarastro, im Folgenden kurz Mia und Anton, durften ihn aussuchen und ihm einen Namen geben. Sie haben ihn Rollo genannt. Kreativere Vorschläge zur Namensfindung (Skywalker, Dumbledore, Dumbledog) lehnten sie leider ab. Sind halt noch Kinder.

Rollo ist ein Mischlingsrüde und mit zwölf Wochen schon so groß wie ein ausgewachsener Mops, außerdem hat er riesige Pfoten. Er wird einmal ein stattlicher Bursche. Mia und Anton waren selig, als sie ihn mitnehmen durften, ausgelassen kugelten sie mit ihm in den Kinderzimmern herum, ein kleiner Missklang kam allerdings auf, als Rollo Mias Mama Léa-Puppe aus Biobaumwolle in Windeseile in Fetzen riss. So was wird ihm die Omi noch abgewöhnen müssen, sagte Isabelle tröstend.

Die Omi war sehr überrascht von ihrem Überraschungsgeschenk, vielleicht reagierte sie deshalb so undankbar. Sie habe sich keinen Hund gewünscht, rief sie (in diesem Jammerton, für den sie berüchtigt ist), sie wolle keinen Hund, Isa und Andi sollten den Hund zurückgeben.

Mia und Anton brachen sofort in Tränen aus. Isa und Andi waren entsetzt. Was für eine Herzlosigkeit! Wie kann eine Großmutter ihren Enkeln so was antun? Am Weihnachtsabend! Und wo bleibt die Vorbildwirkung? Sollen die Kinder lernen, dass man Tiere wie eine Ware behandelt, mit Umtauschrecht? Und dass man eine einmal übernommene Verantwortung so einfach wieder abschütteln kann?

Die Omi blieb ungewohnt trotzig. Sie habe keine Verantwortung übernommen. Wenn sich die Kinder so sehr einen Hund wünschten, dann hätte das Christkind den Kindern einen Hund bringen sollen, nicht ihr!

Das Christkind hat dir den Hund gebracht, weil wir dadurch alle was davon haben, sagte Isa sanft.

Na klar, beharrte die Omi uneinsichtig, ihr habt den Hund, ich habe die Arbeit mit ihm.

Also so kann man es aber wirklich nicht sehen! Ja, Isa und Andi haben sich was gedacht, als sie beschlossen haben, ihr einen Hund zu schenken, doch bei allen ihren Überlegungen ging es ihnen nur um Omis Wohl! Na schön, um das der Kinder vielleicht auch, aber was spricht dagegen, das Großmutterwohl mit dem Enkelwohl zu verknüpfen? Die Omi sollte sich freuen, wenn eine gute Tat für sie auch was Gutes für ihre Enkel abwirft!


Vielleicht lernst du ja beim Äußerlngehen einen attraktiven Hundehalter kennen.

Folgendes haben sich Isa und Andi überlegt. Erstens: Ein Hund wird die Omi vor Einsamkeit bewahren. Sie gibt zwar vor, gesellig zu leben, aber Isa und Andi wissen, dass sie im Grunde einsam ist. Oder zumindest bald sein wird. Ihre Freundinnen werden sterben. Dann wird sie froh sein, einen treuen Gefährten um sich zu haben.

Zweitens: Ein Hund wird die Omi zwingen, täglich spazieren zu gehen. Das ist gesund.

Drittens: Die Omi benötigt eine Aufgabe. Den Hund zu versorgen, wird sie beschäftigen und ihr das Gefühl geben, gebraucht zu werden.

Viertens: Auch alte Menschen sollen dazulernen. Die Omi wird mit dem Hund zum Hundetraining gehen müssen, dadurch wird sie geistig und körperlich fit bleiben.

Fünftens: Den großen, kräftigen Rollo zu trainieren, wird eine Herausforderung sein, aber hey, auch alte Menschen brauchen Herausforderungen! Außerdem ist ein großer Hund ein Beschützer. Ein kleiner Hund wäre peinlich, Andi würde mit so einem Fipsi nicht gesehen werden wollen.

Spazierengehen?, jammerte die Omi. Bei jedem Wetter?

In fünf, sechs Jahren, beruhigte Andi sie, kann dir das der Anton schon abnehmen. Gelegentlich.

Darauf die Omi: Fünf, sechs Jahre soll ich angehängt sein?

Angehängt! Sie ist immer so melodramatisch. Was versäumt sie denn schon? Wo sind die feschen Lebemänner, mit denen sie nicht an die Côte d’Azur jetten kann, weil sie mit Rollo um die Häuser traben muss?

Vielleicht lernst du ja beim Äußerlngehen einen attraktiven Hundehalter kennen, sagte Andi augenzwinkernd, als sie die Omi mit Rollo und den Resten vom Weihnachtsessen zurückließen.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Rollo vielleicht doch keine so gute Wahl war. Er hört nicht auf, Spielsachen zu zerfetzen und zu zerbeißen. Er rennt die Kinder über den Haufen. Und statt dass er kommt, wenn Mia und Anton ihn rufen, läuft er zur Omi und legt sich ihr schmeichlerisch zu Füßen.

Ein Speichellecker, sagt Andi. Charakterlos, sagt Isa. Die Kinder schauen angewidert auf durchgekaute Legosteine und vollgesabberte Kuscheltiere.

Kürzlich hat Isa der Omi gegenüber angedeutet, dass sie nichts dagegen hätten, wenn sie Rollo eventuell weitergeben wollte. Vielleicht findet sich ja eine Hundeliebhaberin unter ihren Freundinnen?

Die Omi hat sich aufgeführt, als hätte man sie aufgefordert, Rollo zur Schlachtbank zu führen. Zeter und Mordio. Das arme Tier, kaum eingewöhnt und schon wieder verstoßen, wie stellt ihr euch das vor! Dabei wollte Isa ihr nur entgegenkommen. Das alte Lied: Ihrer Mutter kann man einfach nichts recht machen. Sie ist eine wankelmütige alte Frau. Andi sagt, wenn die Kinder sie wegen dem blöden Köter nicht mehr besuchen wollen, wird sie schön schauen. Aber das hat sie sich dann selbst zuzuschreiben.

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