Georg Hoffmann-Ostenhof: Ein Lob für Trump

Georg Hoffmann-Ostenhof: Ein Lob für Trump

Auch gefährliche Idioten können zuweilen das Richtige tun.

In den Augen des amerikanischen Präsidenten steht die „New York Times“ an der Spitze der „Volksfeinde“. Sie sei in der Version des Donald Trump ganz vorne, wenn es um die Verbreitung von „Fake News“ geht. Nun hat die Zeitung am Donnerstag vergangener Woche etwas besonders Perfides getan. Sie publizierte ungekürzt und wörtlich die Transkription eines kurz zuvor geführten, langen Trump-Interviews. Dies kann schwerlich als falsche Nachricht gewertet werden, hat den 45. US-Präsidenten aber gleichzeitig anschaulich als das vorgeführt, als das viele ihn bereits sahen: als einen in fast allen Bereichen inkompetenten Mann von geradezu infantiler Unkontrolliertheit, mit einem Sprachvermögen, das ihn in unseren Breiten mit Garantie bei der Matura durchfallen ließe. Schockierend und bedrohlich.

Keine 24 Stunden später fand die gleiche „New York Times“ nur positive Worte für die Raketen, die Trump in der Nacht auf Freitag auf Syrien abfeuern ließ. „Wenn ein Tyrann flagrant grundlegende internationale Normen verletzt – in diesem Fall das Verbot, chemische oder biologische Waffen in bewaffneten Konflikten einzusetzen –, dann erwartet die Welt, dass Amerika handelt“, schreibt das Blatt in einem Kommentar: „Und Trump hat gehandelt: Dafür gebührt ihm Lob.“

Sagen wir es kurz und grob: Auch gefährliche Idioten können zuweilen das Richtige tun.

Die Tomahawk-Salve richtete sich gegen jene syrische Militärbasis, von der aus Flugzeuge aufstiegen, die das tödliche Gift Sarin abwarfen und damit jene Bilder von erstickenden und bereits erstickten Kindern produzierten, welche die Welt erschütterten. Und diese Intervention dürfte tatsächlich eine angemessene Antwort auf die jüngsten Gräueltaten des syrischen Diktators Baschar al-Assad gewesen sein: angemessen, überlegt und präzise exekutiert.

Die Russen vor Ort waren gewarnt. Der Zeitpunkt war gewählt, dass so wenig Menschen wie möglich auf dem Flughafen Dienst taten (es gab nur sechs Tote), und von vornherein hatte man klar gemacht: Das Ziel des Raketenangriffs ist nicht die Ausschaltung der Luftwaffe Assads. Vielmehr sollte das syrische Regime abgeschreckt werden, sein Volk weiter mit chemischen Massenvernichtungswaffen zu traktieren.

Trump hat seit jeher vor einem Engagement Amerikas im syrischen Krieg gewarnt. Noch vor wenigen Tagen bezeichnete er Assad als eine zu akzeptierende Realität, als Bündnispartner im Kampf gegen den IS. Dass der Präsident nun den „Schießbefehl“ gab, hat aber wahrscheinlich weniger damit zu tun, dass ihn – wie er pathetisch behauptete – der Anblick der toten „beautiful babies“ zum Umdenken gebracht hat. Vielmehr dürfte seine Entscheidung vor dem Hintergrund des seit seiner Inauguration tobenden Machtkampfes im Weißen Haus gesehen werden, bei dem in den letzten Tagen entscheidende Weichen gestellt wurden.


Wie immer gerechtfertigt der amerikanische Militärschlag auch sein mag: Was er bewirken wird, ist nicht absehbar.

Steve Bannon, der ehemalige Herausgeber des rechtsradikalen Medien-Networks „Breitbart“, der bisher als eine Art Rasputin galt, hat an Einfluss verloren. Aus dem Nationalen Sicherheitsrat, dem wichtigsten Beratungsgremium des Präsidenten, wurde der ultranationalistische Sektierer vergangene Woche entfernt. Bannon habe das Ohr des Präsidenten nicht mehr, heißt es. An seine Stelle als „eigentlicher Präsident“ soll Trumps junger Schwiegersohn Jared Kushner getreten sein, der zwar politisch gänzlich unerfahren, aber im Unterschied zu Bannon dem konservativen Mainstream zugeneigt ist. Kushner soll auch die treibende Kraft hinter dem Rauswurf Bannons aus dem Sicherheitsrat sein. Die Militärs um den allseits als kompetent geschätzten Lieutenant General H. R. McMaster dürften dort zunehmend das Sagen haben.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Reaktionen der amerikanischen Politik auf den Raketenbeschuss: Dieser wird von den extrem Rechten und radikalen Nationalisten innerhalb der Republikanischen Partei ebenso scharf kritisiert wie von den Linken in der Demokratischen Partei: diese, weil sie aus prinzipiell pazifistischen Gründen gegen Krieg und Gewalt sind; jene, weil sie als „Isolationisten“ jegliches internationales Handeln, das nicht unmittelbar amerikanische Interessen betrifft, ablehnen, und obendrein mit dem Assad-Schutzherrn Wladimir Putin liebäugeln.

Wie immer gerechtfertigt der amerikanische Militärschlag auch sein mag: Was er bewirken wird, ist nicht absehbar. Lässt sich Assad wirklich abschrecken und hört mit den Giftbombardements auf? Oder bleibt er dabei und zieht Amerika damit immer tiefer in das syrische Gemetzel? Sieht Putin in Trump einen schwachen Typen, der zu keiner konsistenten Strategie in der Lage ist – und verstärkt er die Unterstützung Assads, der ganz Syrien wiedererobern will? Oder aber will der russische Präsident dann doch einen offenen Konflikt mit den USA und Zusammenstöße mit deren Armee vermeiden? Und wird er mit Washington daher über die Zukunft Syriens ins Gespräch kommen wollen? Wir wissen es nicht. Die unmittelbaren Akteure wahrscheinlich ebenso wenig.

Eines freilich ist sicher: Ohne Diplomatie bleibt jegliche militärische Machtprojektion Amerikas im Nahen Osten letztlich sinnlos, ja, brandgefährlich. Nun ist Trump nicht nur selbst außenpolitisch völlig ahnungslos. Er hat auch in den ersten Tagen seiner Amtszeit das State Department quasi geköpft, fast alle geeichten Fachleute und erfahrenen Diplomaten rausgeschmissen. Und sollte er mit seinen Haushaltsplänen durchkommen, dann werden die Mittel für die amerikanische Außenpolitik um ein Drittel gekürzt.

Vor den USA des Donald Trump muss sich die Welt weiterhin fürchten.

georg.ostenhof@profil.at

Dieser Artikel stammt aus dem profil Nr. 15 vom 10.4.2017. Das aktuelle profil können Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.