<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Heinisch vs. Hosek

Heinisch-Hosek - <small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Heinisch vs. Hosek

Der Frauenministerin stand heute ein harter Kampf bevor. Aber wer sie kannte, der wusste: Es konnte nur eine Siegerin geben.

Gabriele Heinisch konnte sich nicht erinnern, jemals so erbost gewesen zu sein. Und das wollte was heißen. Schließlich machte ja kaum ein anderes Regierungsmitglied so viel mit wie die Frauenministerin. Tagtäglich musste sie in den zähen Kleinkrieg gegen die finsteren Kräfte der ­Reaktion ziehen, die dieses Land durchseuchten und nicht müde wurden, die Geschlechtergerechtigkeit zu torpedieren.

Es war ja kaum zu glauben, womit man da ständig konfrontiert wurde. Letztens zum Beispiel hatte es sogar irgend so eine Trollin vom Österreichischen Normungsinstitut gewagt, das Binnen-I in aller Öffentlichkeit blöd zu finden. War das zu fassen? Wie konnte man nur dermaßen gestrig sein und die tollste Errungenschaft gerade der SPÖ-Frauenbewegung in Zweifel ziehen? Wo diese doch das Leben von Millionen Frauen, die zwischen Beruf und Familie nicht wussten, wo ihnen der Kopf stand, so ungeheuer bereichert und erleichtert hatte? Angesichts dieser Ungeheuerlichkeit war es wohl nur mehr eine Frage der Zeit, bis irgendein dahergelaufener Biologe behauptete, es stimme ja gar nicht, dass das Geschlecht nur ein soziales Konstrukt sei. Obwohl dies doch die von Gabriele zum Glück ausreichend subventionierte Genderwissenschaft längst hieb- und stichfest bewiesen hatte.

Es war halt schon ein Gwirks mit diesen elenden Frauenfeinden. Und heute würde sich die Frauenministerin mit einem besonders perfiden Exemplar herumschlagen müssen. Aber wer Gabriele kannte, der wusste: Sie würde den Ring erhobenen Hauptes verlassen. Als Siegerin.

Wie so oft im Leben führte der Zufall nachgerade grausam Regie: Gabriele kam zeitgleich mit ihrer Widersacherin im Büro an. Sie schenkte ihr einen kurzen, aber ausnehmend scharfen Blick, damit sich die andere da gar nicht erst irgendwelche antifeministischen Schwachheiten einbildete und vielleicht glaubte, das hier würde jetzt ein Kinder­geburtstag werden. Dann drückte sie auf den Knopf der ­Gegensprechanlage und knurrte: „Bis auf Weiteres keine Anrufe durchstellen.“

Draußen antwortete diejenige ihrer Mitarbeiterinnen, die glücklicherweise doch nicht schwanger geworden war, nachdem ihr Gabriele die Teilzeit verweigern hatte müssen, um sie vor sich selbst zu schützen: „Ist gut. Und Frau Ministerin: Zeigen Sie es ihr!“

Heinisch trommelte unduldsam mit den Fingern auf der Tischplatte, als sie die Unterredung eröffnete: „Das kann ja wohl unmöglich dein Ernst sein, oder?“

Die Bildungsministerin hätte jetzt an sich sofort zurückzucken und klein beigeben müssen. Das tat sie ja auch angesichts jedes Provinzhäuptlings, der seinen föderalen Schrebergarten – natürlich ausschließlich zum Nutzen der Allgemeinheit – verteidigte. Aber stattdessen antwortete sie frech: „Das ist alles ein schreckliches Missverständnis! Es wird überhaupt nichts gekürzt! Es werden nur nicht abgerufene ­Mittel aus dem Vorjahr auch heuer nicht … dings – und erst 2018 zu einer Milch- und Honigschwemme führen! Da ist dann praktischerweise wieder eine Wahl, bei der wir nach einer hoffentlich bis dahin auch erfolgten Erhöhung der Parteienförderung schöne Plakate drucken können, auf denen wir den Wert der Bildung besingen.“

Wenn Heinisch etwas hasste – außer, wenn einer der zahlreichen Equal-Pay-Days in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unterging, weil an diesem Tag gerade Champions League war –, dann, wenn man sie für blöd verkaufen wollte. Und genau das versuchte diese Hosek gerade!

„Missverständnis? Wo genau bitte ist da das Missverständnis, wenn die Mittel für den Ausbau der Ganztagesbetreuung, die angeblich nicht nur eines der wichtigsten bildungspolitischen Anliegen der Partei des Fortschritts und des Lichts ist, sondern auch und gerade für berufstätige Frauen enorme Verbesserungen bringen würde, um 50 Millionen gekürzt werden?“, knarzte Heinisch.

Hosek nahm Haltung an. „Die Bundesländer sind zufrieden, dass wieder einmal nicht bei ihnen gespart wird. Und die Gewerkschaft auch. Das wird doch in diesem Staat wohl bitte reichen.“

Heinisch war fassungslos: „Ja, und die Eltern? Die, die das alles bezahlen? Die uns alle bezahlen? Was ist mit ­denen? Hast du überhaupt eine Ahnung, wie unten durch wir bei denen da draußen schon sind? Noch mehr unten durch und wir regieren ab jetzt im Tunnel unter dem Ballhausplatz, den bis jetzt nur der Schüssel gebraucht hat!“

„Das mag aus deiner verkürzten Sicht der Dinge schon stimmen“, konterte Hosek kühl. „Aber du vergisst da zwei wesentliche Punkte.“
„Und zwar?“
„Die Bundesländer sind zufrieden. Und die Gewerkschaft auch.“

Das verlief überhaupt nicht nach dem Geschmack der Frauenministerin. Sie brauchte dringend einen Erfolg. ­Einen, angesichts dessen die Frauen im Lande geschlossen aufstehen und frenetisch Beifall klatschen würden. Heinisch hatte einen Idee: „Na gut. Aber dann wird zum Ausgleich ab nun in allen Schulbüchern das Binnen-I verwendet!“

Hosek nickte freudig. Und schon war die Welt wieder in Ordnung!

rainer.nikowitz@profil.at