Rainer Nikowitz: Abgekanzlert

Rainer Nikowitz: Abgekanzlert

In schweren Zeiten ist es gut, wenigstens einen Freund zu haben. Und Werner Faymann geht gerade durch schwere Zeiten.

Faymann: I muss di was fragen. Aber du musst mir a ehrliche Antwort geben!
Ostermayer: Bitte net. Heut is so a schöner Tag.

Faymann: I besteh drauf! Also: Findst du mi a so unmöglich?
Ostermayer: Was? Aber wer sagt denn des?

Faymann: Alle.
Ostermayer: Geh, so a Blödsinn! Erst unlängst hat wer zu mir gsagt, also der Werner, hat er gsagt, der macht einen richtig guten Job! Angesichts der Umstände.

Faymann: Aha. Und wer hat des gsagt?
Ostermayer: Des weiß i nimmer.

Faymann: Wer?? Sag!
Ostermayer: Dei Chauffeur.

Faymann: Und angesichts dieser schönen Nachricht verfiel der Bundeskanzler in ein schwer zu beschreibendes Gefühl irgendwo zwischen Glückseligkeit und Euphorie.
Ostermayer: Genau des hab i gmeint: Wann des Ehrlichsein amoi einreißt, is der Tag a scho wieder grennt.

Faymann: Und sogar mei Chauffeur sagt dazu: „Angesichts der Umstände.“ Wann hat mi des letzte Mal einer gelobt, der net müssen hat?
Ostermayer: Schau: Net amoi der Häupl Michl will di ablösen. Und zwar reinsten Herzens net.

Faymann: Der Michl wär net seit 20 Jahr dort, wo er is, wenn a Kohlenmine in Nordwest-China net a Ort des Lichts gegen sein Herz warat.
Ostermayer: Es is wurscht, was i sag, du machst sofort was Negatives draus.

Faymann: Jetzt ham’s sogar den Zeiler wieder ausgraben, der si um mei Hackn bewirbt! Den Zeiler! I mein, dass der Hundstorfer Rudl am besten in Personalunion Bundespräsident, Kanzler und Wiener Burgermasta sei sollt, an des hab i mi scho gwöhnt. Oder dass des aktuelle Tunnelprojekt vom ÖBB-Chef direkt unter mein Sessel endet. Aber jetzt a no der Zeiler! Des Fernsehen von dem hab ma net amoi i angschaut. Und i bin net haglich.
Ostermayer: Niemand in der Partei will den. Mach dir kane Gedanken.

Faymann: Ja, aber spätestens nächste Wochen hamma den nächsten Kandidaten. Wer des wohl sein wird? Der Androsch? Der Prohaska Herbert?
Ostermayer: Wer soll denn dem Prohaska bitte a Bildungsreform zutrauen?

Faymann: Und wer traut’s mir zua?
Ostermayer: Des is ja sowieso a ganz schlechtes Beispiel. Weil eigentlich is des ja der Job von der Heinisch-Hosek.

Faymann: Okay. Da trauen sie’s sogar no eher mir zua.
Ostermayer: Na schau. Da sieht ma wieder: Alles is relativ. Also beruhig di. Viel Feind, viel Ehr.

Faymann: Vielleicht liegt’s ja a an unserer Medienstrategie.
Ostermayer: Des is jetzt unschön. Weil de mach ja i.

Faymann: Geh! I weiß net, was i ohne di tun würd! Aber betracht es do amoi nüchtern: I hau mi permanent mit de grauslichsten Schmierblattln in dem Land auf a Packl – und trotzdem hab i viel Feind?
Ostermayer: No amoi: Alles is relativ. Was glaubst, wie viel Feind du ohne des hättst?

Faymann: Des is alles wahnsinnig deprimierend. Manchmal frag i mi, warum i mir des alles no antu. Warum i eana den Krempel net einfach hinhau.
Ostermayer: De is a total verständliche Emotion angesichts der Undankbarkeit, die dir entgegenbrandet.

Faymann: I mein, es is ja net so, dass i dann schwer vermittelbar wär. De Welt steht mir offen. I könnt alles Mögliche machen.
Ostermayer: Sowieso.

Faymann: I könnt … also zum Beispiel könnt i … i … könnt … Oh mein Gott!! Was um alles in der Welt würd i bloß machen?
Ostermayer: Ka Panik. Es gibt a Leben nach dem Kanzler. Schau dir den Gusi an.

Faymann: Du warst scho amoi überzeugender.
Ostermayer: Verdienen tut er schön.

Faymann: Des könnt i aber trotzdem net. Er war ideologisch immer vü gefestigter als i.
Ostermayer: Oder schau dir den Schüssel an. Der is scho 70 und no immer unvergessen.

Faymann: Des kann ma wohl sagen.
Ostermayer: Zu sein Geburtstag is sogar der Orbán kumman. Und die Merkel fast.

Faymann: Du verstehst es, einen gebrochenen Mann zu trösten … Uh! Hamma de Hacklerregelung eh no net ganz abgschafft? Kann i mi vielleicht mit der in die Frühpension abseilen?
Ostermayer: Geh, komm! Jetzt krieg di wieder ein.

Faymann: Warum? Da wär i dann endlich hautnah an der Basis.
Ostermayer: Du bleibst einfach, was du bist. Des is guat für des Land. Und für die Partei sowieso.

Faymann: Jetzt heb endlich dei deppertes Handy ab. Des dauernde Gebimmel macht mi wahnsinnig.
Ostermayer: Ah, is net so wichtig.

Faymann: Was zierst di so? Zeig her!
Ostermayer: Naa!

Faymann: Isses vielleicht … Jessas! Isses am End der Kern? Schnapst’s ihr euch scho was aus, ha?
Ostermayer: Na, es ist net der … Werner, hör auf damit! Lass sofort aus! Des is mei Privathandy!

Faymann: Ha! So! Wie i mir gedacht hab! Es is der … Prohaska Herbert!
Ostermayer: Dass du es so erfahren musst!