Rainer Nikowitz: Amour fou

Rainer Nikowitz: Amour fou

HC Strache muss sich plötzlich in einer neuen Rolle zurechtfinden: als von allen Umworbener.

Kickl: Na geh, es wär aber wichtig, dass du da dabei bist. Des is a Strategiesitzung für de Wahl – und du fahrst auf Urlaub?
Strache: Was glaubst du eigentlich von mir? Dos is do ka Urlaub! Dos is auch Strategie! Und zwar angewandte.
Kickl: In Sizilien?
Strache: I kontrollier dort mit dem Kurz die Mittelmeer-Route.
Kickl: Aha. Und was macht’s ihr da genau?
Strache: Wir stellen uns auf a Klippn und hauen Stana ins Wasser.
Kickl: Weil’s a Untiefe bauen wollt’s, an der die NGO-Schiffe scho beim Auslaufen hängen bleiben?
Strache: Na. Einfach weil ma schauen wollen, wer weiter schießen kann. Und i hab den Verdacht, er wird mi gwinnen lassen.
Kickl: Na guat, dann verschieb ma de Sitzung halt um einen Tag.
Strache: Da kann i a net. Da geh i mit dem Kern Tandem-Fallschirmspringen.
Kickl: Tande… Was soll denn des bitte?
Strache: Er will mir beweisen, dass er ka Problem hat, mit mir gemeinsam tief zu fallen.
Kickl: Des is ja alles unfassbar eigentlich.
Strache: I muss mi an dos a erst amoi gewöhnen. Bis jetzt san mir nur im Bierzelt in Ried und im Praterdome alle Herzen zuagflogen. Und jetzt kann i mi kaum derwehren.
Kickl: Aber was is da de angewandte Strategie, von der du redest?
Strache: I lass mi von de Schwarzen und von de Roten umgarnen und zier mi recht.
Kickl: Also so a bissl wie de Griss.
Strache: Wenn i net wissert, dass du gwinnst, tät i di jetzt zu an Biermops fordern.
Kickl: War net bös gmeint. Du hast ja eh recht. Schau ma amoi, wie weit sie die Hosen obelassen.
Strache: I hoff, zumindest der Niessl derspart si des.
Kickl: Mit dem triffst di a?
Strache: Wir stellen uns bei eam daheim in Frauenkirchen an de Grenz und schauen ausdrucksstark umme ins gelobte Land.
Kickl: Ah! Fotografen dabei?
Strache: Bin i a Anfänger? Und nachher gemma Tretbootfahren am Neusiedler See.
Kickl: Klingt schweißtreibend.
Strache: Net für mi. I setz mi nur hinten in de Sunn. Weil da kummt dann der Doskozil a. Als Motor für die Koalition, hat der Niessl gsagt.
Kickl: De Roten strengen si aber wirklich an. I würd sagen, im Moment isses eher Rot-Blau oder?
Strache: Na ja. Kommt drauf an, wie der Tag mit dem Lopatka wird.
Kickl: Wie kann a Tag mit dem scho werden? Lang!
Strache: Er will mir sei menschliche Seiten zeigen.
Kickl: Dann do kurz.
Strache: Wir fahren in die Steiermark, und er zeigt mir, wie er sei Jugend verbracht hat.
Kickl: Allein in an Zimmer ohne Fenster?
Strache: Wir gehen zum Apfelkirtag, und nachher in der Nacht stech ma dena Sozi die Reifen auf.
Kickl: Klingt lustig. Also, der Apfelkirtag net so.
Strache: Und der Sobotka hat mi zum Schlammcatchen eingladen.
Kickl: Was, wo so Bikini-Madln im Gatsch herumrollen?
Strache: Na! Er gegen mi. A Spaßpartie. Er hat gsagt, des liegt eam mehr, und Golf spielt eh scho a jeder. Aber i glaub, des sag i do lieber wieder ab.
Kickl: Schick den Vilimsky. Der gfreit si.
Strache: Aber langsam komm i echt zu nix anderm mehr. Und i krieg scho a Wampen von de vielen Bier, de i in der letzten Zeit trinken hab müssen, weil mi entweder de an oder de andern eingladen ham.
Kickl: Waren’s leicht mehr als drei? Höhö!
Strache: In der Stund?
Kickl: Und dabei hamma net amoi no gsagt, welche Minister wir wollen täten. Und wie viele! Da wern s’ schauen.
Strache: Im Moment täten s’ beide den Ministerratssaal vergrößern, damit 20 von uns da drin Platz ham. Und wenn ma die Winter zruckholen und als Frauenministerin nominieren täten, warat’s eana a wurscht.
Kickl: Fehlt nur no, dass uns den Kanzler anbieten, obwohl du nur Dritter wirst.
Strache: No, Moment amoi: I und nur Dritter? Hallo? I gwinn dos!
Kickl: Na, lieber net!
Strache: Wieso denn net?
Kickl: Weil, wenn wir Erster san, dann macht ja frisch wieder kana a Koalition mit uns. Weder der Kern no der Kurz.
Strache: I will aber Erster werden!
Kickl: Und i will endlich als Intellektueller anerkannt werden. Manche Sachen spielt’s halt net. Kompromissvorschlag: Zweiter is okay. Des derfst a werden, wennst scho net Dritter sein willst.
Strache: Des is a Demütigung.
Kickl: Na. Des is Strategie.
Strache: Jetzt freut mi mei Termin morgen glei viel weniger.
Kickl: Welcher is des?
Strache: I geh mit dem Michael Ludwig zum Bauer Gustl mittagessen, und dann wart ma, bis der Häupl kommt. Und dann zeig ma eam auf drei miteinanda den Mittelfinger.
Kickl: Des gibt’s ja alles net. Fehlt nur no, dass du mit dem Schüssel Cello spielst.
Strache: Scho passiert.
Kickl: Was? Du kannst do gar net Cello spielen!
Strache: Aber Maultrommel.

rainer.nikowitz@profil.at