Rainer Nikowitz: Family Business

Rainer Nikowitz: Family Business

Philippa und HC Strache müssen sich von der FPÖ trennen – und von recht viel Geld. Hoffentlich wird der herbe finanzielle Verlust irgendwie zu verkraften sein!

HC passte sein Ibiza-Leiberl nicht mehr. Diesmal aber anders. Er hatte nämlich schon sieben Kilo abgenommen, seit Philippa selbst kochen musste. Das war dann aber auch schon das einzig Gute daran. Sonst hatten sich die Dinge nicht gerade erfreulich entwickelt. Nachdem sich die Sache mit Philippas Nationalratsmandat auch noch zerschlagen hatte und damit die letzte Chance auf die Erhaltung wenigstens eines kleinen Teils des Familieneinkommens dahin war, hatten sie das ganze Personal entlassen müssen.

John, den nigerianischen Butler, den sie vor ihren Gästen aus Gründen der Tarnung immer Beowulf genannt hatten, Imelda, die philippinische Köchin – für die sie keinen anderen Namen gebraucht hatten, weil sie die Küche ohnehin nie verlassen hatte dürfen – und auch Dorin, den moldawischen Gärtner. Den traf es sicher besonders hart, so ohne Arbeitserlaubnis. Er würde wohl in die Pornoindustrie zurückkehren müssen. Aber darum konnte sich HC nun wirklich nicht auch noch kümmern, er hatte wahrlich genug damit zu tun, mit seiner eigenen Zukunft klarzukommen. 19.600 Euro Vizekanzlergehalt – weg. 10.000 Euro Spesen und 2500 Euro Mietzuschuss pro Monat – weg. Und die mageren 9500 Euro Aufwandsentschädigung für Philippas ehrenamtliche Sorge um das liebe Vieh – auch weg. Gerade Letzteres konnte HC überhaupt nicht verstehen, denn schließlich sorgte sich Philippa immer noch total. Aber in der Politik gab es halt keine Dankbarkeit. Auch – oder besser, wie HC mit wachsender Verbitterung feststellen musste: vor allem – nicht in jener Partei, die einmal seine gewesen war.

Er schlurfte gedankenverloren vom Ost- in den Westflügel, in seinem Windschatten eine Lurchlocke hinter sich her ziehend. Die Vernichtung seines politischen Lebenswerkes wäre ja schon für sich allein genommen ungeheuer deprimierend gewesen. Aber mittlerweile ging es längst auch schon um seine bürgerliche Existenz. Um das bisschen an bescheidenem Wohlstand, das er sich in all den Jahren mit seiner Hände Arbeit aufgebaut hatte.

HC musste einräumen, dass er bisher bei Arbeitslosen-Debatten meist die Sozialschmarotzerkomponente im Kopf gehabt hatte. Jetzt, da er selbst betroffen war, merkte er aber schnell, wie falsch er damit gelegen war. Niemand, der nicht selbst davon betroffen war, konnte ermessen, was es bedeutete, wenn man aus Spargründen überfallsartig von einem Tag auf den anderen gezwungen war, die Temperatur des Indoor-Pools um fünf Grad zu senken. Oder den Dritt- und Viertwagen nur mehr mit Wechselkennzeichen – und natürlich ohne Chauffeur – fahren zu können. Oder den wirklich guten Champagner nur mehr jeden dritten Tag trinken zu können, weil die Vorräte im Keller auf diese Art wenigstens noch zwei Jahre hielten. Oder eben: das essen zu müssen, was Philippa kochte. Und die Probleme würden mit der Zeit ja sogar noch größer werden. Der Rasen war schon dermaßen hoch, dass HC jetzt nicht mehr lange gewillt sein würde, Philippa nur deswegen aus ihrer diesbezüglichen Verantwortung zu entlassen, weil sie sich angeblich um den kleinen Stammhalter kümmern musste. Das Silberbesteck musste schon längst wieder einmal poliert werden – HC sah sich spät bestätigt, hatte er doch schon damals beim Kauf gefunden, man hätte besser vor Patina gefeites Platin nehmen sollen, das hatte sich ja schließlich auch schon bei den Kloschüsseln aller sechs Bäder bewährt. Und ob man bei den Liegegebühren der Yacht nicht vielleicht nachverhandeln sollte? Das machte man besser persönlich, vielleicht würde ihn ja der Norbert mit dem Privatjet hinfliegen, der konnte ja schließlich auch nicht wollen, dass sich HC in irgendeine Holzklasse setzen musste, denn er war ja wohl auch so schon gestraft genug.

Na ja und irgendwann, irgendwann würde sich natürlich die Frage stellen, wie man auch auf der Einnahmenseite wieder Erfolge feiern konnte. Aber HC wäre nicht HC gewesen, hätte er nicht auch da schon eine durchaus brillante Idee gehabt. Nachdem Arbeit als Geldbeschaffungsmethode klarerweise ausfiel, konnte man das Problem ja vielleicht mittels Crowdfunding lösen! Wenn die fast 45.000 Getreuen, die es geschafft hatten, ihm gleich nach dem Ibiza-Anschlag eine Vorzugsstimme zu geben, ohne umgehend entmündigt zu werden, auch auf die jetzt losgetretene haltlose Neiddebatte ähnlich schmerzbefreit reagieren und ihm jeder nur einen Euro pro Monat überweisen würden – dann hätte er ja wieder ein Einkommen wie in seiner besten Zeit als Volkstribun des kleinen Mannes! Das konnte nun eigentlich nicht wirklich zu viel verlangt sein. Und HC wusste auch schon, wie er seinen diesbezüglichen Wunsch auf Facebook zu unterstreichen gedachte. Mit einem herzhaften, keine Zweifel offen lassenden „Zack, zack, zack!“