© Walter Wobrazek

Meinungen
09/30/2017

Rainer Nikowitz: Geschlossene Gesellschaft

Der wahrscheinliche Wahlsieg von Sebastian Kurz ist nicht allein sein Verdienst. Alle Parteigranden steuern das Ihre bei.

von Rainer Nikowitz

Leitl: Was meint’s, mach ma no an Bauernschnapser? Platter: Das wär dann eh erscht der zwölfte heit. Haslauer: Dann vielleicht a Runde Scrabble? Lopatka: Is dir des Ganze da no net deprimierend genug? Haslauer: Na ja, i schaff ja normalerweise mehr als vier Punkte. Schützenhöfer: Aber irgendwas müss ma tun. Sonst werd i no narrisch da herunten. Mikl-Leitner: Leitln, schaut’s! Da hat wer an Brief unter der Tür durchgschoben! Stelzer: Ah ja! Glaubst is der von eam? Mikl-Leitner: Aber nein! Der is sicher vom Tom Cruise, der fragt, ob i mit eam in de Karibik fahren will … Na klar is der von eam! Sonst weiß ja keiner, dass wir da san. Platter: Des isch sicher die Antwort auf unser Anfrag. Jetzt mach ihn halt auf! Mikl-Leitner: Bin ja scho dabei! Und vom Hudeln kumman die Kinder! Schützenhöfer: Genau. Und was machen die Kinder dann? Sie sperren uns in an Keller. Lopatka: Also, was schreibt er? Mikl-Leitner: „Liebe Freunde! Es hat mich sehr gefreut, wieder einmal von euch zu hören. Umso trauriger macht es mich, dass ich euer Anliegen leider nicht …“ Haslauer: Na geh! Leitl: Verdammt! Platter: Es wär so schön gwesen, endlich wieder amol des Tageslicht zu sehen. Mikl-Leitner: Er schreibt, wir sollen no a bissl Geduld haben, weil es san eh nur mehr zwa Wochen. Lopatka: Der hat leicht reden. Er sitzt ja net völlig abgeschottet von da Außenwelt in an Bunker. Mikl-Leitner: Und er schreibt, dass er uns für sei Hochamt in der Stadthalle sowieso ausselassen hat. Schützenhöfer: Amoi in drei Monat! Und dann hamma nur klatschen dürfen. Und auf gar kan Fall was sagen. Mikl-Leitner: I hab an dem Tag sogar türkise Dessous anghabt. Hat eam aber a net interessiert. Wallner: In der Nacht dürf ma auch nicht? Im Schutz der Dunkelheit? Mikl-Leitner: Zu riskant, schreibt er. Selbst, wenn uns kana siecht – aber es könnt uns wer hören. Haslauer: Wenn ma wenigstens unsere Handys hätten. Dann könnt ma ab und zu a Telefoninterview geben. Platter: Oder beim Kern a Pizza bestellen. Mikl-Leitner: Der tät schee schauen, wenn er uns alle da herunten siecht. Leitl: Und er wär sicher neidig, dass er mit seiner Partei net rechtzeitig desselbe gmacht hat. Lopatka: Hätt i mir a net denkt, dass i in mein Leben amoi an den Punkt komm, wo i gern a Roter wär. Stelzer: Dabei hat si der Deal mit dem Basti ursprünglich so guat anghört. Einfach zurücklehnen und nix tun. Mikl-Leitner: Pappen halten, Wahl gwinnen – und nachher genau so weitermachen wie immer. Schützenhöfer: Aber dass er uns da unt versteckt wie die schiache Verwandtschaft, davon war net die Red. Haslauer: Doch. Im Kleingedruckten. Wallner: Das liest doch nie wer. Und erst recht nicht bei einem Parteifreund. Schützenhöfer: Dabei sollt ma’s grad dann. Leitl: I find des ja ungeheuerlich. Nach allem, was i für die Partei geleistet hab! Lopatka: Was hast denn geleistet? Leitl: Also bitte, ja? I wär immerhin fast Bundespräsident worden. Lopatka: Weiß des no wer außer dir? Stelzer: Hört’s auf, des hat do kan Sinn! Jeder da herinnen hat seine Verdienste. Jeder von uns steht für das, was die ÖVP is. Haslauer: Ja. Und genau deswegen simma da. Mikl-Leitner: Was is denn heute eigentlich für a Duell im Fernsehen? Wallner: Is doch egal. I weiß schon, wen i wähl. Schützenhöfer: Den Strolz? Wallner: Führe mich nicht in Versuchung. Lopatka: I würd außerdem lieber was anderes schauen. Irgendwie bin i a bissl politikverdrossen. Gibt’s net irgendwo a romantic comedy? I brauch dringend a Happy End. Leitl: Wer net? Mikl-Leitner: Es wird scho kumma, Burschen. Kopf hoch! De zwa Wochen druck ma a no durch. Und dann: Milch! Honig! Föderalismus bis zum Abwinken! Haslauer: Dein Wort in Gottes Ohr. Stelzer: Groß genug wär’s ja. Platter: Pscht! Sei lieber vorsichtig! Da sein garantiert irgendwo Mikrofone versteckt. Mikl-Leitner: Ihr redet’s ja scho ärger über ihn als die Roten über den Kern. Leitl: Aber die machen’s laut. Haslauer: Ihr kennt’s mi – ich wiederhole mich gern: Und genau deswegen simma da. Vielleicht sollt ma uns in seine Lage versetzen. Vielleicht würden wir des ja an seiner Stell genauso machen. Schützenhöfer: Hmm. Na ja, vielleicht. Aber selbst, wenn i mi in sei Lage versetz – eins versteh i überhaupt net, bei aller Liebe. Platter: Was denn? Schützenhöfer: Wir san alle da herunt, soll sein. Aber warum um alles in der Welt is der Sobotka no draußen?