Rainer Nikowitz: Headhunting

Rainer Nikowitz: Headhunting

Sebastian Kurz konnte zwar Sepp Schellhorn nicht von NEOS abwerben – aber es gibt ja auch noch andere beste Köpfe.

Irmgard Griss hat sich entschieden, ihre seit der Bundespräsidentenwahl aufgebaute – und für eine ehemalige Höchstrichterin doch ziemlich bemerkenswerte – Kernkompetenz beizubehalten, sich also nicht zu entscheiden. Und seit sie auch noch eine viel versprechende Karriere als total seriöse TV-Showmasterin begonnen hat, ist noch offener, wohin es sie in Zukunft ziehen wird: zu Kurz, doch zu NEOS oder zu „Dancing Stars“.

Ähnlich verhält es sich bei Wolfgang Sobotka , der sich ja aufgrund seiner menschlichen wie auch fachlichen Fähigkeiten der Angebote kaum erwehren kann. So ist er dem Vernehmen nach sowohl als Veranlagungsexperte der Bausparkasse Puchenstuben, als Cello-Lehrer von Donald Trump wie auch als neuer nordkoreanischer Diktator im Gespräch, wäre also nur schwer zu gewinnen. Allerdings braucht die Kurz-ÖVP trotz aller Neuerungen ja auch irgendwo Kontinuität – und die würde gerade Sobotka bieten wie kaum ein anderer. Interne Umfragen belegen außerdem, dass es in Waidhofen an der Ybbs und Umgebung gleich zwei Personen gibt, die die ÖVP nur seinetwegen wählen würden (Schwankungsbreite: +/- 1).

Sonja Wehsely gab bekannt, sie stehe für ein Ministeramt in einem Kabinett der besten Köpfe nicht zur Verfügung. Zwar sei sie genauso wenig gefragt worden wie vor einem Jahr von Christian Kern, allerdings habe sie damals schon öffentlichkeitswirksam abgelehnt, und wer sie kenne, wisse, dass sie ihrer Linie immer treu bleibe. Im Übrigen gehe es ihr in der Privatwirtschaft sehr gut, zumindest solange Siemens für die Aufträge der Stadt Wien keinen Ersatz gefunden habe.

Hans Peter Doskozil ist zwar auch irgendwie Sozialdemokrat – auch, wenn man das mitunter gar nicht so recht glauben möchte – und stünde natürlich in erster Linie als möglicher Bundeskanzler in einer rot-blauen Koalition in den Startlöchern, falls Christian Kern seinen diesbezüglichen Brechreiz wirklich nicht unter Kontrolle bekommen sollte. Doskozil würde allerdings auch bei schwarz-blau nicht groß als Artfremder auffallen, weshalb am Kalender von Basti für den Tag nach der Wahl schon dick seine Telefonnummer steht. Und auf dem des Verteidigungsministers findet sich dort die Absichtserklärung: „Abheben!“

Robert Lugar liebäugelt zwar nach wie vor mit einer Kurz-Stronach-Koalition, allerdings ist ja doch eine Restgefahr vorhanden, dass sich die aufgrund der Schwäche der ÖVP knapp nicht ausgehen könnte. Für diesen Fall wäre Lugar bereit, fünf gerade sein zu lassen und sich auch so zur Übernahme eines Amtes breitschlagen zu lassen, bei dem allerdings die Schere zwischen Können und Bezahlung schon genauso weit aufgehen müsste, wie er es gewohnt ist. Rein sachpolitisch wäre er für vieles zu haben, außer, es erfordert Hirn und Anstand.

Ursula Stenzel gab bekannt, dass Sebastian Kurz selbstverständlich auch versucht habe, sie in seine Mannschaft zu holen. Allerdings habe sie Schwierigkeiten mit der Bedienung ihres Handys, das bei Anrufen nur die Betätigung einer grünen und einer roten Taste zulasse – und dort greife sie aber sicher nicht hin. Die Frage, woher sie dann wisse, dass es Kurz gewesen sei, der da anrufe, beantwortete sie mit der Gegenfrage: „Ich bitte Sie! Wer denn sonst?“

Felix Baumgartner wäre bereit, Frauenminister zu werden, allerdings nur, wenn sein Stab nicht aus „irgendwelchen schiachen feministischen Frustbuchteln“ bestehe, sondern ausschließlich aus Absolventinnen der Hugh-Hefner-Privatuni. Weiters wünscht er sich Unterstützung durch Andreas Gabalier als Staatssekretär. Der wiederum will aber nur, wenn er im Amt immer ein rot-weiß-kariertes Tischtuch tragen darf, weil er nämlich ziemlich originell ist.

Hans Krankl wiederum hat sich leider bereits selbst aus dem Spiel genommen. Er würde zwar im Prinzip ganz gerne und traue sich schon allein wegen Córdoba – nur, falls das jemand vergessen haben sollte – an sich natürlich jeden wie immer gearteten Posten zu. Allerdings habe er leider keine Zeit, weil ja minütlich damit zu rechnen sei, dass Bazzelona anrufe.

Toni Faber betonte, er würde liebend gerne, schließlich sei das ja wohl die letzte Suppe, auf der er noch nie der Schnittlauch gewesen sei. Vor allem der Posten als Außenminister würde ihm gefallen, gebe es da doch sicherlich viele diplomatische Empfänge mit entsprechend hochstehenden Buffets. Allerdings befürchte er im Falle seines Engagements Schwierigkeiten mit dem Papst, denn der sei ja doch eher ein Roter.

Und Karl-Heinz Grasser schließlich ließ über seinen Anwalt ausrichten, er könne sich durchaus vorstellen, seiner Heimat ein zweites Mal mit jeder Faser seines Kontos zu dienen. Es möge zwar sein, dass Kurz ihm den Rang als Lieblingsschwiegersohn der Nation längst abgelaufen habe, dennoch könne er noch viel von einem Routinier lernen. Und außerdem beginne ein guter Tag immer noch mit Immunität vor Strafverfolgung.