Rainer Nikowitz: Keine Mauern mehr!

Rainer Nikowitz: Keine Mauern mehr!

Es war wieder eine ereignisreiche Wahlkampfwoche im und ums Kanzleramt.

Häupl: Sag …, was bauen de da unt eigentlich?
Kern: Ka Ahnung.
Häupl: De reißen vor dein Büro den Ballhausplatz auf und du weißt net, wieso?
Kern: De machen irgendwas mit dem Kanal, glaub i. Weißt eh wie des is in Wien.
Häupl: Naa. Wie denn?
Kern: Na ja, zuerst kommen die einen, reißen auf, schütten wieder zu. Zwei Wochen später kommen dann die anderen, reißen wieder auf, obwohl sie doch … Was schaust denn so?
Häupl: Klingt da am End eine gewisse Kritik am Baustellenmanagement der Stadt Wien durch?
Kern: Äh … Na ja. Nein. I mein, i wart ja net auf a Bett im Krankenhaus Nord oder so.
Häupl: Witzig! Jetzt weiß i wieder, warum mir zwa zum Beispiel no nie miteinander auf Urlaub waren.
Kern: Na ja, wenn unsere Kinder befreundet gwesen wären, wer weiß …
Häupl: I.
Kern: Dass du immer glei grob werden musst.
Häupl: Apropos: Warum will ma eigentlich mit dem Leitner auf Urlaub fahren? Is des net ungefähr so spannend wie Damentennis?
Kern: Wenn di die Brauner und die Frauenberger hören.
Häupl: Jetzt isses a scho wurscht. Aber wenn i scho bei meiner Lieblingsbeschäftigung bin …
Kern: Du meinst, wohlklingendes, aber völlig folgenloses Austeilen?
Häupl: Ganz genau! Derf i jetzt eigentlich Schüssel zu dir sagen?
Kern: Wenn du dir zu 100 Prozent ­sicher bist, dass i kane oiden Männer hau, dann trau di nur.
Häupl: An wen sollt mi denn dei ­Sager sonst erinnern? „Wenn ich Zweiter werde, gehe ich in Oppo­sition!“
Kern: Beim Schüssel war’s aber der Dritte.
Häupl: Stimmt. Der war ja no ärmer dran.
Kern: Und meine Festlegung kommt von Herzen!
Häupl: Da kann der Schüssel zwar in Ermangelung eines solchen net mithalten – aber ma könnt trotzdem auf die Idee kommen, dass der Wahrheitsgehalt bei euch beiden ähnlich ausgeprägt is.
Kern: Bei mir fahrt da aber bitte de Eisenbahn drüber!
Häupl: Na ja, bei dir vielleicht scho. Aber der Niessl hat net unrecht.
Kern: Der Niessl hat nie recht. Sunst warat a net der Niessl.
Häupl: Des is im Prinzip natürlich richtig, aber es stimmt schon auch, was er sagt: Opposition is wirklich Mist.
Kern: No na ned! I kann a grad no an mich halten vor lauter Begeisterung ob dieser Aussicht. Aber man sollt ja, wenn der Niessl so was sagt, die burgenländischen Untertitel mitlesen.
Häupl: Du meinst, er versucht subtil daran zu erinnern, dass sein pannonischer Feldherr einspringen tät, wenn du dir als Zweiter für Rot-Blau zu guat bist? Also so was! Könnt des am End deinen Gang in die Opposition zu einer sehr persönlichen Angelegenheit werden lassen?
Kern: I will mir no gar net vorstellen, wie die Debatte über des alles ab dem 16. Oktober ausschauen wird.
Häupl: Des wird ohne Zweifel schiach. Aber i kann di beruhigen: Wir Wiener werden garantiert alles daransetzen, die Bundespartei mit dem hochinteressanten Verlauf meiner Nachfolgedebatte aus der Schusslinie zu bekommen … Also, i weiß net: Nach dem Fundament, des de da draußen graben, steht vor dein Fenster bald was, das dem Trump super gfallen würd.
Kern: Was? Geh, des kann i ma net vorstellen.
Häupl: Vielleicht erkundigst di ja amoi. Schaut wild aus.
Kern: I ruf amoi an. Ja, hallo? Sag, was bauen die da unten am Ballhausplatz eigentlich? Was? Aha. Wie lang wird des, sagst? Na servas. Und wie hoch? Und wer hat des veranlasst? Na, da schau her. Hätt i mir ja glei denken können. Also danke, tschau.
Häupl: Was is?
Kern: Der Sobotka war’s! Der baut mir da einfach a Mauer her! Angeblich a Anti-Terror-Schutzmaßnahme.
Häupl: Welches Tier hat eigentlich die kleinsten Eier?
Kern: Mi fragst? Du bist do der Biologe.
Häupl: Guat, dann sag ma amoi: de Schweinsnasenfledermaus. De san sehr klein.
Kern: Nachdem des jetzt glücklicherweise geklärt ist, bleibt eigentlich nur no a Frag: Und???
Häupl: Selbst wenn i warat a Schweinsnasenfledermaus, waraten meine Eier immer no net klein genug, ois dass ma der Sobotka net immer no fest auf sie gehen tat.
Kern: Mir würd was fehlen, wenn du a Schweinsnasenfledermaus wärst.
Häupl: Der Provinzler glaubt, er kann dir zeigen, woher der Wind weht.
Kern: Des glauben s’ ja scho die ganze Zeit. Aber net mit mir. I gib mi no lang net gschlagen! Baustopp! Die Mauer kommt net – und aus.
Häupl: Wieder was erledigt.
Kern: Aber … wann i dann in Opposition bin – dann bauen sie’s wahrscheinlich erst recht.
Häupl: Ja, wahrscheinlich. Aber schau, wenigstens bist du dann frei und kannst wieder einfach so mit jedem auf Urlaub fahren!
Kern: Mit dir.
Häupl: Fast mit jedem.

rainer.nikowitz@profil.at