Rainer Nikowitz: Spielchentrieb

Rainer Nikowitz: Spielchentrieb

Sebastian Kurz hat das böse N-Wort ausgesprochen. Also wird natürlich allenthalben an Strategien gegen ihn gebastelt.

Kern: Also gut: Wie schlag ma eam?
Schieder: Wir ham eh scho guat angfangt: Krokodilstränen! Und zwar reichlich: „Mutwillig vom Zaun gebrochen …“ – „Sind mit aufgekrempelten Ärmeln bereitgestanden und hätten sooo gern für unser schönes Österreich weitergearbeitet …“ – „Spuckt auf die ausgestreckte Hand …“

Kern: Aus, aus, aus! Wennst mir no mehr davon vorsingst, dann glaub i den Topfen am End irgendwann no selber!
Häupl: Na ja, aber wir wollen ja wirkli kane Neuwahlen.

Kern: Aber doch nur, weil ma’s mög­licherweise net gwinnan.
Häupl: Dann streng di halt an.

Kern: Sehr witzig. I tät ma leichter, wenn si dei Wiener Partie net grad zerlegen würd. Weil sunst gibt’s uns ja praktisch nirgends mehr.
Niessl: Moooment!

Kern: Okay. Von Splittergruppen amoi abgsehen.
Schieder: Wie laufen denn die Gespräche wegen der Minderheitsregierung?

Kern: Super. Des Team Stronach is scho dabei.
Schieder: Echt? Zu welchen Bedingungen?

Kern: Praktisch kane. Außer, dass der Lugar Innen-, Außen- und Finanzminister werden will.
Häupl: Du meinst „oder“.

Kern: Nein. Und er will dann a drei Ministerpensionen, damit er si nach der Neuwahl des AMS erspart.
Häupl: So Figuren wie den frag i do net amoi, wie spät’s is.

Kern: Wenn i den Kurz damit anrennen lassen kann, is ma jeder recht.
Schieder: Du meinst, wenn du damit sachpolitisch was weiterbringst, dann is dir jeder recht.

Kern: Uups! Hört uns leicht wer zu?
Niessl: I find des perfekt, dass wir des jetzt staatstragend anlegen. Hier der Kanzler, der stets nur die Sacharbeit und das Interesse Österreichs im Aug hat und nie sei persönliche Karriere, der nie Selbstinszenierung betreibt, dem es nie einfallen würd, seinen Vorgänger von der Maschek-Seiten abzusageln … Äh, wart! Des Letzte lass ma vielleicht do aus.
Häupl: A, i weiß net. Wähl ma halt, warum net? Und dann bin i für die ausgeklügelte Strategie: Gut gegen Böse. Des hat bei mir a immer funktioniert.
Niessl: Bei mir a.

Kern: Äh …
Niessl: Was?
Kern: Ah, nix.
Schieder: Aber … wenn ma gwinnen: Mit wem koalier ma dann?

Kern: Mit den Grünen und den NEOS.
Häupl: Was, wir können mit 40 Prozent regieren? Geil!
Niessl: Vielleicht no den Düringer dazu?

Kern: Oder wir müssen halt mit den Bl…
Häupl: Pscht! Wenn di wer hört!

*


I mein, um wen geht’s denn bei der ganzen Gschicht, wenn net um uns?

Mikl-Leitner: Also gut: Wie schlag ma eam?
Lopatka: Mit an Drei-Stufen-Plan! Phase eins: Wir versprechen eam alles. Und no mehr.
Sobotka: Phase zwei: Dann versteck ma uns bis zur Wahl auf an Hochstand und san ganz still. So lang, bis er’s uns gwonnen hat.
Platter: Phase drei: Nach der Wahl kumm ma wieder obe und tun des, was ma immer tun: Unseren jeweiligen Schrebergarten zum Mittelpunkt der Welt erklären und uns entsprechend aufführn.
Leitl: Oh ja! Vor allem i.
Sobotka: Und i erst!

Mikl-Leitner: Aber wer weiß, ob du dann no was bist. Des Burschi will ja Personalhoheit.
Sobotka: Und wo soll er in unserer Partei die Leut bitte alle hernehmen, de net so drauf san wie wir?
Mikl-Leitner: Na guat. Aber, wenn des alles so lauft – irgendwann wird er draufkommen. Und vielleicht halt er des dann a net länger aus wie der Mitterlehner. Oder der Spindelegger. Oder oder oder.
Lopatka: Na und? Weißt, wie viele Bundesparteiobmänner i schon kommen und gehen gsehn hab?

Mikl-Leitner: Genau des mein i ja. Des is ja des Problem!
Lopatka: I seh da überhaupt ka Problem? De san alle weg – und i bin immer no da!
Sobotka: I mein, um wen geht’s denn bei der ganzen Gschicht, wenn net um uns?
Leitl: Und um de hinter uns. Zweite, dritte Reihe.
Lopatka: Hör i da heraus, dass du glaubst, du bist in der ersten?
Leitl: So wichtig wie du bin i no lang. I hab an Bund!
Lopatka: Und i an Klub! Und a Bundesland hinter mir.
Leitl: Mei Bundesland ist aber wichtiger als dei Bundesland!
Lopatka: Dafür kannst da dein Bund in de Haar schmieren!

Mikl-Leitner: Hallo, hallo! Wir waren uns do einig, dass es im Moment kane Partikularinteressen gibt. De san jetzt alle gebündelt beim gemeinsamen Dem-Basti-Honig-ums-Maul-Schmieren.
Platter: Aber, was i mi frag: Glaubt’s ihr, der glaubt wirklich, dass wir uns ändern?
Sobotka: I fürcht scho.
Platter: Dann wär er ja do net so a ungeheures politisches Talent wie alle glauben.

Mikl-Leitner: I hab mir immer scho denkt: So guat bin i a.
Platter: Aber dann tät er Österreich ja vielleicht als Kanzler a gar net so toll reformieren.
Lopatka: Wer braucht denn des a?