Rainer Nikowitz: Völkerball

Rainer Nikowitz: Völkerball

Alles, was Donald Trump anpackt, wird bekanntlich zum von den Fake-News-Medien verschwiegenen größten Erfolg seit dem letzten. So auch der G20-Gipfel.

Trump: Angela! Was für eine Freude, hier zu sein! Wenn sie noch etwas größer wäre, dann könnte ich es ja fast nicht mehr ausschließen, mich wie ein normaler Mensch zu benehmen und Ihnen die Hand zu schütteln.
Merkel: Wir wollen es nicht übertreiben, Donald. Ich kann auch gut damit leben, von Ihnen nicht berührt zu werden. Am Ende ist das ja ansteckend.
Trump: Aha! Das war jetzt natürlich gleich ein Affront zum Auftakt. Da muss ich zehn Mal so hart zurückschlagen, damit ich bei meinen teilalphabetisierten Wählern im Mittleren Westen wie ein richtiger Mann dastehe. Wir sind hier in Hamburg, richtig? Also: Ab jetzt gilt in den USA ein 20-prozentiger Strafzoll auf Hamburger, ha!
Putin: Auf Big Macs auch?
Trump: Natürlich. Die sind größer, also 40 Prozent. Meine Idee! Großartig, oder?
Macron: Das wird die deutsche Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttern. Schlimmer wäre nur noch, wenn man in den USA keine Irving-Berlin-Songs mehr spielen dürfte.
Trump: Und 20 Prozent auf French Fries! America first!
Xi Jinping: Ich bin beeindruckt. Früher wollte uns der Westen dauernd einreden, dass wir Demokratie zulassen müssen. Jetzt zeigt er uns stattdessen, wohin das führt.
Trump: Bringt ihr einmal lieber diesen Verrückten unter Kontrolle!
Xi Jinping: An sich gerne. Aber dazu ist mein Einfluss auf Sie ja wohl nicht groß genug.
Trump: Ich meine den Nordkoreaner!
Xi Jinping: Ach so, den.
Putin: Das habe ich super hingekriegt, oder? Ein bisschen russisches Hacking hier, ein bisschen da – und schon ist der Nordkoreaner seinen Spitzenplatz los.
Merkel: Man kann den russischen Beitrag zu einer gedeihlichen Entwicklung der Welt ja generell nicht hoch genug einschätzen. Nun, nach diesem doch ein wenig holprigen Einstieg in die Problematik des Protektionismus sollten wir vielleicht einen Neustart versuchen und das Thema wechseln.
May: Das ist ganz in meinem Sinne. Ich würde jetzt gerne einmal über etwas wirklich Wichtiges sprechen.
Trudeau: Hervorragende Idee. Worüber?
May: Über Großbritannien!
Trudeau: Oh. Da hatte ich jetzt doch andere Erwartungen.
Merkel: Wenn Sie auch in der EU wären, dann hätten Sie gleich gewusst, dass Sie sich die sparen können.
Trump: Wunderbare Sache, dieser Brexit. Und großartiges Land, dieses Großbritannien. Steckt ja schon im Namen, diese Info. Aber solche Feinheiten fallen natürlich wieder einmal nur mir auf.
Trudeau: Tut das eigentlich manchmal weh?
Trump: Nur, wenn ich denke. Also nein.
Merkel: Donald, Sie müssen verstehen, dass wir alle hier sehr enttäuscht sind über Ihre Aufkündigung des Pariser Klimaschutzabkommens.
Trump: Ja. Und?
Macron: Es ist überlebenswichtig, dass wir hier alle an einem Strang ziehen.
Trump: Na, dann kommt doch auf meine Seite und zieht mit. Saubere Kohle! Ich schwöre, unsere Kohle riecht nach Ivankas Parfum-Linie, wenn man sie verbrennt.
Merkel: Das könnte sogar stimmen. Aber es hat möglicherweise einen Grund, warum auf unserer Seite 19 stehen und auf Ihrer nur einer.
Trump: Ja. Aber ich komme einfach nicht darauf, was es ist, das euch alle so verbohrt macht. Vermutlich liegt es an der Intelligenz. Ich bin nämlich sehr intelligent, müsst ihr wissen. Sonst könnte ich ja auch nicht die besten Tweets der Welt schreiben.
Xi Jinping: Gott, ist das traurig.
Trump: Seht ihr? Sogar der Chinese kann aus ihnen zitieren!
Merkel: Hier sitzen die Staatschefs der 20 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt zusammen. Wir werden doch wohl zu irgendeinem Ergebnis kommen, das herzeigbar ist.
Trump: 20 ist ja sowieso Quatsch. Es gibt nur eine wichtigste Volkswirtschaft der Welt, das weiß doch jeder. Hey, Sie da hinten! Zu welchem traurigen Land gehören zum Beispiel Sie eigentlich?
Macri: Argentinien.
Trump: Aha. Und was exportieren Sie?
Macri: Steaks und Fußballer.
Trump: Haben wir beides selber. Strafzoll!
Macri: Nicht American Football!
Trump: Noch schlimmer! Braucht also keiner. Dann überhaupt Importstopp.
Macron: Donald, Sie sollten bedenken, wie die Geschichte Sie beurteilen wird, wenn es zur Klimakatastrophe kommt.
Trump: Dann bin ich ohnehin nicht mehr da. Wobei, ich überlege ja, mich einfrieren zu lassen. Ich kann den Menschen sicher auch noch im 24. Jahrhundert viel geben.
Putin: Gut. Ich werfe alle meine Hacker raus und entschuldige mich in aller Form für den Irrsinn, den ich angerichtet habe.
Merkel: Too little, too late.
Trump: Mooment! An mir ist bitteschön nichts klein!

rainer.nikowitz@profil.at