© Udo Titz

Meinungen
01/18/2020

Rainer Nikowitz: Weltenmeister

Sebastian Kurz musste beim Visegrád-Gipfel schmerzlich erkennen, dass seine neue Koalition keineswegs in der ganzen EU gut ankommt.

von Rainer Nikowitz

Kurz: Liebe Freunde … Orbán: Spar dir das Herumgesäusel! Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen? Kurz: Wieso Verteidigung? Babis: Du warst doch immer einer von uns! Was hast du dir dabei gedacht, eine Koalition mit den Feinden einer geschlossenen Gesellschaft einzugehen? Morawiecki: Gottlos sind sie auch noch. Bei uns in Polen würde allein das schon reichen, um nicht einmal einen Job als Straßenkehrer zu bekommen. Pellegrini: Und Migrationsbefürworter! Das kommt in der Slowakei gar nicht gut an. Kurz: Ich hätte da eine persönliche Frage: Gibt es viele Slowaken, die Pellegrini heißen? Pellegrini: Meine Vorfahren sind aus Italien ausgewandert, um Arbeit zu finden. Warum fragst du? Kurz: Ach, nur so. Orbán: Wir sind zwar allesamt bekanntlich sehr umgängliche Zeitgenossen – aber wir müssen dir leider mitteilen, dass wir ernsthaft daran denken, Sanktionen gegen Österreich zu verhängen. Kurz: Welche denn? Wollt ihr am Ende unser Nettozahler-Geld nicht mehr annehmen? Orbán: Wir wollen es nicht übertreiben. Härte ja, aber Unmenschlichkeit nein. Babis: Genau. Und wir haben außerdem zwar in mancherlei Hinsicht so unsere Probleme mit Brüssel, aber wir sind europäisch genug, um nicht am wichtigsten EU-Prinzip rütteln. Kurz: Und zwar? Babis: Der Westen zahlt – und hält ansonsten gefälligst das Maul.

Oh Gott! Kaum ist er mit diesen Grünen zusammen, fällt er auch schon vom einzig wahren Glauben ab.

Morawiecki: Wir haben uns eine besondere Sanktion ausgedacht: ein Einreiseverbot nach Tschenstochau. Das wird euch wehtun, weil dort ist schließlich die Schwarze Madonna. Kurz: Meine schwarze Madonna ist eh die Johanna Mikl-Leitner. Morawiecki: Oh Gott! Kaum ist er mit diesen Grünen zusammen, fällt er auch schon vom einzig wahren Glauben ab. Und wird dann sogar noch Mitglied einer Sekte! Kurz: Das ist nicht wahr! Das ist nämlich schon spätestens dann passiert, wie ich Schwarz zu Türkis gemacht habe! Pellegrini: Also wie sieht das jetzt aus? Müssen wir Grenzsperren zu Österreich errichten? Selbstschussanlagen? Den Eisernen Vorhang wieder aufbauen? Diesmal nicht, damit keiner rauskommt – sondern rein? Kurz: Ach was! Ich kann euch beruhigen: Es wird sich nichts ändern, schon gar nicht auf diesem Gebiet. Wenn sich irgendwo eine neue Route auftut, werde ich weiterhin der Erste sein, der behauptet, sie geschlossen zu haben. Wir vereinen in dieser Regierung nämlich das Beste aus beiden Welten. Orbán: Wer braucht bitte zwei Welten? Meine ist vollauf genug. Babis: Und außerdem: Was soll an der Welt von denen gut sein? Wofür stehen die denn, ha? Kurz: Nun, zum Beispiel für Transparenz und Antikorruption. Babis: Und schon bestätigen sich meine schlimmsten Befürchtungen! Kurz: Und das Hauptthema der Grünen ist natürlich der Klimawandel. Orbán: Draußen hat es null Grad. Welcher Klimawandel? Kurz: Es ist ja schließlich auch Winter. Orbán: Du glaubst offenbar alles, was in den Fake-News-Medien steht. Weit ist es gekommen mit dir.

Wie stellst du dir die tägliche Regierungsarbeit mit denen vor? Wie willst du mit liberalen Weicheiern an deiner Seite eine illiberale Demokratie zusammenbringen?

Morawiecki: Eines ist klar: Solange es in Polen noch ein Stück Kohle in der Erde gibt, grab ich es persönlich aus, wenn es sein muss. Kurz: Das wird auf die Dauer nicht mehr gehen, fürchte ich. Aber die EU wird für den Ausstieg ohnehin viel Geld in die Hand nehmen. Pellegrini: Es wird nicht genug sein. Kurz: Woher willst du das jetzt schon wissen? Pellegrini: Weil es die EU ist. Und wir Visegrád. Es ist nie genug! Orbán: Aber jetzt sag einmal: Wie stellst du dir die tägliche Regierungsarbeit mit denen vor? Wie willst du mit liberalen Weicheiern an deiner Seite eine illiberale Demokratie zusammenbringen? Das wäre doch mit unseren Freunden von der FPÖ viel besser gegangen. Kurz: Ich wollte ja eh mit der FPÖ weitermachen! Aber ihr habt ja wohl alle dieses Ibiza-Video gesehen … Babis: Ja. Und? Das meiste, worüber die da reden, habe ich längst gemacht. Morawiecki: Und das, was der Strache zum Beispiel am Mediensektor geplant hat, war doch grundvernünftig. Orbán: Genau. Wie willst du es denn jetzt hinkriegen, dass alle Zeitungen dasselbe schreiben – nämlich das, was du ihnen sagst? Kurz: Na ja, das funktioniert bis auf ein paar Ausnahmen eigentlich eh auch so schon ganz gut. Morawiecki: Trotzdem. Es ist zwar irgendwie schade um dich – aber wir werden dich zumindest einmal nicht mehr einladen. Und behalten uns weitere Maßnahmen vor. Kurz: Jetzt kommt schon! Vielleicht sollten wir uns alle ein bisschen lockerer machen und das Ganze bei einem Cola Light besprechen. Orbán: Welch verlockendes Angebot … Kurz: Ich zahl! Babis: Na gut. Aber nur, wenn ich auch diese Förderung missbräuchlich verwenden darf!