<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
World Jackson Award

Wien, Donnerstag vergangener Woche, zu nachtschlafener Zeit. Eine Krisensitzung führt einen wahnsinnig traurigen Bruder, einen total unschuldigen Veranstalter, einen weltexklusiven Zeitungsverleger und eine zu allem bereite Vizebürgermeisterin zusammen.

Fellner: A Mega-Mega-Mega-Event. Oiso praktisch scho Nano!
Kindel: Diese unglaublich negative Berichterstattung! Neidzerfressene Provinzler! Ein Skandal son-der-glei-chen! Ich verklag die alle!

Fellner: Voll angesagter Szenetreff. Ex­tremst exklusiv! Da muaß ma einestechen! Eine! Stechen!
Kindel: Was wollen die überhaupt, ha? Nie haben wir gesagt, dass Madonna oder U2 kommen.

Fellner: Des hast du mir scho gsagt. Im heißen Intim-Talk. Und zuerst stand es in „Österreich“!
Kindel: Na ja … Kann sein, dass i da was anklingen lassen hab … Aber alles total seriös. Und wohlgemerkt im Konjunktiv.

Fellner: Was is jetzt des wieder?
Kindel: Und außerdem: Muaßt du des glei schreiben?

Fellner: Oida! Was i scho alles gschrieben hab!
Kindel: Aber es is ja a wurscht, weil es geht do gar net um Stars! Es geht darum, den großen Michael zu ehren! Und den Jermaine. Und mi. San 518 Euro ­dafür vü, frag i di? Ha? Undankbares Gsindl!

Brauner: Kinder, hörts auf zu streiten! Schauts, der Dschörmeein weint scho wieder. Is er immer no so traurig?
Kindel: Ja. Er hat grad die Rechnung vom Begräbnis kriagt.

Brauner: Mein Gott, der Arme! Dschörmeein? Come here! Big hug!
Jackson: No way, lady. But another 600.000 would surely ease my pain!
Brauner: Hach! So ein charmanter Kerl! Was hat er gsagt?
Kindel: Wie steh i denn jetzt da? Wie ana, der nur haaße Luft produziert und die Leut abzockt.

Fellner: Und was genau is daran jetzt schlecht?
Kindel: Und mein bisheriges Lebenswerk wird völlig vergessen! Was ich mit den World Awards geleistet hab!

Fellner: Und was daran schlecht is, siech i irgendwie a net.
Brauner: Eins muss i schon auch sagen: Wenn der Ding da kommt, dieser Räpper, der seine Frau blau ghaut hat – der kriegt vo mir sicher keinen Porzellan-Mozart. So.
Kindel: Der kummt eh a net.

Brauner: Na dann is ja alles gut. Du, könnt ma des vielleicht einrichten, dass i beim Konzert den World Jackson Award kriag? Es wär wegen dem Werbewert. Und außerdem tät der urgut in mein Setzkasten passen.
Kindel: I hab jetzt andere Sorgen.

Brauner: Wegen der Westeinfahrt?
Kindel: Wegen meiner Villa an der Côte d’Azur.

Brauner: Du hast a Villa an der Côte d’Azur?
Kindel: Erst ab 50.000 Koffer, die die US 5 aus 300 Meter Entfernung sehen wollen.

Brauner: Wer is US 5?
Jackson: This is bizarre and extremely disrespectful! Let’s go to London a sell out Wembley Stadium!
Kindel: Mit an Playback vom Verblichenen, zu dem du dazu singst? Da wird Wem­bley oba schnell zu klein werden.

Brauner: Na geh! Jetzt weint er schon wieder!
Fellner: Oiso, wie is des jetzt: Kummt do irgendwer, den i a kenn?

Brauner: I!
Fellner: De Tina Törna vielleicht? Oder da Tscho Kocka warat a geil.
Kindel: Wir san in Verhandlungen. Mehr kann i net verraten. Nächste Wochen san weltweit mit atemloser Spannung erwartete Pressekonferenzen in Singapur, Kapstadt, Attnang-Puchheim …

Brauner: Was wär eigentlich, wenn die Sängerknaben auftreten täten? Des hätt dem Michael sicher getaugt.
Fellner: Und de Jackson-Bankerten sollen a gfälligst antanzen. Human Touch, vastehst? Close-ups von den Tränen, exklusive Exklusiv-Interviews mit uns … „Die Jackson-Kids – ihre Trauer, ihre Millionen, ihr Sex!“ Oida, da miassat ma die verschenkte Auflage verdoppeln!

Kindel: Wissts was? Die Wahrheit is: Wir miassn irgendwie schauen, dass ma da außekumman. Sunst wird’s teuer.
Jackson: Holy shit!
Brauner: Was is? Hat de Whitney do no zugsagt?

Kindel: Na. Sei Whirlpool leckt.
Brauner: Was des wieder kostet!
Jackson: What did she say?

Kindel: Was des wieder kostet.
Jackson: This is getting too political.
Brauner: Was hat er gsagt?
Fellner: Waaßt was, Schorsch? Sag ab den Schas. Und gib den Medien die Schuld. Also, allen außer uns natürlich.

Kindel: Dann muaß i oba des Geld für de Tickets zruckgeben. Des siech i net ein. Ma hat ja Auslagen auch.
Fellner: Na ja. Ziag halt a gscheite Bearbeitungsgebühr ab.
Kindel: Da gibt’s sicher irgendein Gesetz dagegen in dieser Bananenrepublik. Ach, der Prophet im eigenen Land! Nix gilt er. Nix!
Fellner: Verleih dir halt demnächst den World Kindel Award. Wenn den wer wirklich verdient hat, dann du!

Brauner: Apropos: Was is denn jetzt mit mein Award?
Kindel: Na ja …, da kömma scho reden.
Brauner: Fein!
Kindel: Wie schaut’s mit ana Subvention aus?

rainer.nikowitz@profil.at