Rainer Nikowitz

Rainer Nikowitz

© Udo Titz

Satire von Rainer Nikowitz
11/13/2021

Sebastian Kurz: Jäger des verlorenen Schatzis

Die Charmeoffensive, die Sebastian Kurz schlussendlich wieder ins Amt bringen soll, hat per Zoom begonnen. Dem Vernehmen nach allerdings noch etwas holprig.

von Rainer Nikowitz

Kurz: Was soll das jetzt heißen, der Herr Landeshauptmann Platter hat keine Zeit? Sie wissen wohl nicht, wer ich bin! Was? Das wissen Sie sehr gut? Und genau das ist das Problem?  Also, das ist ja …! Jetzt passen Sie einmal auf: Wenn Sie vor einem Monat so mit mir geredet hätten, dann hätten Sie sich morgen in der Früh vielleicht noch bewerben können als Aushilfsgermknödelabtropferin in einer sehr nordseitigen Skihütte in Ischgl. Und ich mit meinen Beziehungen hätte sogar noch dafür gesorgt, dass Sie nicht einmal mehr den Job bekommen, Sie …, Sie … Was? Wer wird hier ausfällig? Ich? Ich werd überhaupt nicht ausfällig. Ich hab immer gesagt, wir beteiligen uns nicht an Schmutzkübelkampagnen. Das sind immer nur die anderen. Nichtsdestotrotz muss ich jetzt in aller Nüchternheit feststellen: Sie sind schon eine selten blöde Funsen!! Hallo? Hallo? Weg ist sie. Na ja. War eh net so schlecht fürn Anfang.
Kurz: Ja, grüß! Dich! Gott! Mein lieber Hermann! Hollodaro, und a Gaudi muaß sein! Gut schaust aus! So richtig zünftig! Alles senkrecht auf der Alm? Ha?
Schützenhöfer:  --.
Kurz: No, da verschlagt’s dir glei die Red bei so viel Jovialität, was? Na ja egal, schadet eh nix, wenn du einmal still bist, des kömma ja sogar schon einmal als Schritt in die richtige Richtung betrachten, net wahr? Jedenfalls, warum ich mit dir zoomen wollt: Ich fang ja schon an, an meinem Comeback zu arbeiten, und da muss ich mir natürlich zuallererst einmal sicher sein, dass diejenigen, die immer mein größter Rückhalt waren, es noch immer sind – oder es wieder werden: meine Provinzen!
Schützenhöfer: --.
Kurz: Und du warst ja doch einer von denen, die als Erste ein bissl vergessen haben, wem sie ebenso unverbrüchliche wie ewige Treue geschworen haben. Und jetzt wollt ich dich fragen: Bist du in der Zwischenzeit in dich gegangen? Und zur Besinnung gekommen? Bereust du?
Schützenhöfer: --.

Kurz: Mir scheint, der hört mi net … Hallo? Hermann? Haaallllooo! Gehen S’, Fräulein Cordula? Kann ma da bittschön was machen? I hab ka Audio. Egal, auf welchen Knopf ich drück, die Verbindung mit dem …
Schützenhöfer: --.
Kurz: … Hermann is voll Arsch!
Schützenhöfer: Na, da lernt einer aber dazu.  
Haslauer: … und ich mein, du kennst mich: Ich bin umgänglich, ich lass mir viel erzählen. Aber: doch nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Virologen!
Kurz: Du, weißt was, Wilfried? Was tätst dazu sagen, wenn ich vielleicht doch ein anderes Mal anruf, ha?
Wallner: Mhm.

Kurz: Außerdem hab ich auch noch zwei Rechtsgutachten, die besagen, dass ich in der Inseratengschicht überhaupt nicht als Beschuldiger geführt werden dürft.  
Wallner: Aha.
Kurz: Und dann haben in der Zwischenzeit auch noch sieben Zeugen bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, alle für mich. Weißt eh, bei der einen aufgeblasenen G’schicht wegen der Falschaussage.
Wallner: So, so.
Kurz: Drei kommen noch dazu.
Wallner: Aber! Das macht dann also …
Kurz: Zehn.
Wallner: Ja. Zehn.
Kurz: Das ist doch recht ordentlich, find ich.  
Wallner: Ordentlich isch ein großes Wort. Im Zusammenhang mit dir.

Kurz: Der alemannische Charme is spröde, ja. Aber ich hab immer schon gut damit können.
Stelzer:  … was soll ich dir sagen: Vor meiner Landtagswahl, da war mir halt schon wichtig, dass es da nix gibt, was mir dreinfunkt. Kein Störfeuer, verstehst? Na ja, und jetzt, wo die Wahl vorbei ist – jetzt isses halt wieder wie vorher.
Kurz: Und das heißt? Du bist wieder voll Feuer und Flamme für mich und mein Projekt?
Stelzer: Geh! Schau mei Corona-Politik an: Mir is jetzt wieder alles wurscht!
Kurz: Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen!

Mikl-Leitner: Burli, du weißt: I hab dir immer die Stangen ghalten.
Kurz: Des is voll super von dir, und i weiß des a wirklich zu schätzen. Aber sag bitte net immer Burli zu mir.
Mikl-Leitner: I kenn di scho, seit du damals no glaubt hast, als Staatssekretär muaß ma Maschinschreiben und Steno beherrschen, Burli.
Kurz: Des war nur ganz am Anfang! Da hab i ja grad erst des Geilomobil auf Willhaben gstellt ghabt!
Mikl-Leitner: I halt dir jetzt a de Stangen.
Kurz: Ma, danke! Weil du halt fest an mi glaubst!
Mikl-Leitner: Na. Weil’s mi sunst sicher fragen werden, ob i net vielleicht übernehmen will. Und i will so was von net.
Kurz: I sag ja immer: Nicht der Weg ist das Ziel. Das Ziel ist das Ziel!  

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