Sven Gächter: Strache und die "Vorstadtweiber"

Sven Gächter: Strache und die "Vorstadtweiber"

Wäre Strache als "hetero" bezeichnet worden, würde er die Gerichte vermutlich nicht bemühen.

Heinz-Christian Strache legt Wert darauf, nicht homosexuell zu sein. Ferner legt er namens seines Anwalts Michael Rami Wert darauf, dass dies "aber auch nicht relevant“ sei, da seine "sexuelle Orientierung in jedem Fall seinen höchstpersönlichen Lebensbereich betrifft und daher privat ist“. Warum hat es dann offenbar trotzdem Relevanz? Weil Strache in der ORF-Serie "Vorstadtweiber“ als schwul bezeichnet wurde (wenn auch nur in der für Gehörlose untertitelten Fassung) und er den ORF wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte nun klagen will.

Wäre Strache in "Vorstadtweiber“ als hetero bezeichnet worden, würde er die Gerichte vermutlich nicht bemühen, obwohl, juristisch betrachtet, in diesem Fall eine ebenso klare Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte vorläge. Ist Heinz-Christian Strache also nicht nur nicht schwul, sondern außerdem sogar schwulenfeindlich? Und wenn ja: Würde sich diese Form der Homophobie in irgendeiner Weise von jener unterscheiden, mit der in "Vorstadtweiber“ billige Pointenhascherei betrieben wurde - nach der landläufigen Devise, dass man jemandem nichts Kompromittierenderes nachsagen kann, als schwul zu sein? Selbst Stermann und Grissemann mochten sich in "Willkommen Österreich“ einschlägige Scherze nicht verkneifen, vordergründig natürlich auf Kosten des beliebten Feindbildes Strache, in Wahrheit aber auch zulasten derer, die sich gekränkt, gequält oder einfach nur genervt fragen, was denn so verdammt lachhaft daran sein soll, wenn jemand schwul ist - oder auch nicht.