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Was ist so toll an KI?

Seit mehr als einem Jahr redet die ganze Welt über künstliche Intelligenz (KI). Die Manager, die Berater, die Lehrer, die Ärzte und Anwälte, die Kreativen. Ich glaube, wir sollten weniger über KI reden – und mehr damit tun.

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In dieser Kolumne werde ich mich mit der Bedeutung von KI für unser Leben beschäftigen. Es wird also nicht nur um die Technologie selbst gehen, sondern darum, was wir mit ihr machen können – und was sie mit uns macht. Sicher haben Sie schon gehört, dass mit KI alles anders wird. Dass KI unsere Jobs killt. Dass KI die Menschheit auslöschen wird. Vergessen Sie einmal kurz die Horrorszenarien. Vergessen Sie den ganzen Hype rund um das Thema KI. Atmen Sie gut durch und überlegen Sie: Was kann ich selbst mit KI tun – und zwar hier und jetzt? 

Vielleicht wollen Sie erst mal wissen, was an KI überhaupt so toll ist. Meine Antwort lautet: „Probieren Sie es doch einfach aus.“ Aber geben Sie sich etwas Mühe dabei. Manche fragen ChatGPT nach einem Kochrezept, und wenn das Essen nicht schmeckt, lassen sie es wieder bleiben. So wird das natürlich nichts.  

Wer mit KI etwas Sinnvolles anfangen will, muss damit experimentieren. Dazu muss man kein Technik-Nerd sein, ja nicht mal viel über KI wissen. Übrigens können Sie davon ausgehen, dass auch Ihr Chef oder Ihre Chefin es nicht besser weiß. Im praktischen Umgang mit KI stehen wir alle immer noch am Anfang.  

Mit ChatGPT können Sie schon heute Myriaden von Dingen tun. Zum Beispiel einen Businessplan erstellen, eine philosophische Diskussion führen oder sich die Relativitätstheorie für einen Achtjährigen erklären lassen. Und vieles andere mehr. Mittlerweile weiß man, was gut und weniger gut funktioniert. So kann ChatGPT etwa sehr gut Texte zusammenfassen, was trivial klingt, aber ungeheuer nützlich ist. Und es gibt starke Hinweise, dass ChatGPT in vielen Kontexten kreativere Ideen produziert als wir.

Im praktischen Umgang mit KI stehen wir alle immer noch am Anfang.

Sogenannte generative KI-Modelle wie ChatGPT erzeugen aus vorhandenen Daten neue Inhalte – Texte, Bilder, Audio, Video. Im Kern lernen die Modelle, statistische Muster in gigantischen Datenmengen zu erkennen. Eben deswegen ist uns KI schon heute in vielen Belangen überlegen. Salopp gesagt, haben wir einfach nicht so viele Texte gelesen oder Bilder gesehen wie diese Modelle, die mit den Inhalten des Internets trainiert wurden.
Das sagt noch nichts darüber aus, ob ChatGPT wirkliches Verständnis besitzt, ob es tatsächlich denken kann oder nur so tut. Aber für die Nutzung von ChatGPT ist das nicht unbedingt relevant, solange Sie das System nicht zu sehr „vermenschlichen“. Wichtig ist, dass Sie an KI möglichst vorurteilsfrei herangehen – aber nicht naiv.

KI gilt heute als neue „Allzwecktechnologie“, manche vergleichen sie mit der Elektrizität. Heute weiß man, was Elektrizität alles ermöglicht, wie man sicher damit umgeht, ohne sich selbst zu gefährden. Bei der KI weiß man das alles noch nicht. Die Technologie liefert Ihnen gleichsam „Intelligenz“ aus der Steckdose. Die Frage ist nur, was Sie mit dieser „Intelligenz“ machen – und ob Sie überhaupt etwas damit anfangen können. Was Ihnen die KI ganz persönlich bringt und was nicht, das können Sie nur selbst herausfinden. Und genauso wichtig ist es, zu verstehen, was die KI nicht kann.

Menschen machen Fehler. Sie sind unaufmerksam oder überschätzen sich selbst. Oft lassen sie  sich von Vorurteilen oder vom ersten Eindruck leiten. Oder sie glauben einfach, was andere sagen. Das führt zu kognitiven Verzerrungen, die das menschliche Urteilsvermögen beeinträchtigen. KI kann helfen, solche Denkfehler zu vermeiden – und damit zu fundierteren Urteilen und besseren Entscheidungen zu gelangen. 
Wenn Sie eine bestimmte Meinung zu einem Thema haben, dann fordern Sie ChatGPT zu einem kleinen Rollenspiel auf, und fragen Sie es nach alternativen Sichtweisen. Das kann Ihren Horizont erheblich erweitern, in ganz alltäglichen Fragen wie bei politischen Themen. In vielen Fällen „sieht“ die KI mehr als Sie. Nur dürfen Sie sich nicht blind auf die Antworten verlassen.

KI hat bekanntlich ihre Macken. Mal liefert sie erstaunlich gute Antworten auf hochkomplexe Fragen, mal halluziniert sie irgendeinen Unsinn. Warum das so ist, weiß bis heute niemand genau. Was an KI ist eigentlich so toll? Wenn Sie mit der Technologie etwas anfangen wollen, müssen Sie lernen, mit ihren Macken zurechtzukommen. Im Idealfall lernen Sie dabei auch etwas über Ihre eigenen. Mehr dazu beim nächsten Mal …

Dieser Beitrag steht mit umfangreichen Zusatzinhalten für den Unterricht auf WAS JETZT SCHULE zur Verfügung.
Thomas Vašek

Thomas Vašek

war in den 1990er-Jahren Investigativjournalist bei profil. Heute ist er Co-Chefredakteur der Zeitschrift „human“, die sich mit den Auswirkungen von KI auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur beschäftigt.