profil vor 25 Jahren: Udo Prokschs staatliche Helfer

"Jeder zweite Österreicher kennt sich in der Proksch-Affäre überhaupt nicht mehr aus“, erhob das Meinungsforschungsinstitut IFES im Frühjahr 1989.

Wie viele der Befragten profil lasen, ist nicht überliefert, dank der bereits elf Mal erschienenen profil-Beilage "Dokumente“, in der die wichtigsten Passagen aus dem Protokoll des parlamentarischen Lucona-Untersuchungsausschusses abgedruckt wurden, war die profil-Leserschaft jedenfalls überdurchschnittlich gut informiert. Auch die Coverstory vom 2. Mai 1989 widmete sich dem Thema Proksch. Im Zuge der nunmehr seit vier Monaten stattfindenden U-Ausschuss-Sitzungen waren ein Minister (Leopold Gratz) und ein Ex-Minister (Karl Blecha) gestürzt, weil sie sich "objektiv zu Helfershelfern eines Kriminellen hatten machen lassen“, fasste profil zusammen. Unklar sei nur geblieben, ob dies vorwiegend durch "falsch verstandene und übertriebene Freundschaft“ geschehen sei. Außerdem seien auch Fakten ans Licht gekommen, die "Spitzenbeamte des Innen-, Justiz- und Außenministeriums in die Nähe schwerer Strafdelikte“ rückten. Fazit der Causa Lucona: ein schwerer Imageschaden für Österreichs Politik.

Imageprobleme ganz anderer Art hatte der neue ÖVP-Vizekanzler Josef Riegler: Er galt als "zu brav“. Das Wählervolk dachte bei seinem Namen spontan an "einen ehrlichen Arbeiter mit der Verwegenheit eines Stiftsgymnasiasten“.

Nicole Schmidt