profil vor 25 Jahren: Udo Prokschs "Jäger"

Über 100.000 verkaufte Exemplare, dazu rund 150 Vorträge in ausverkauften Sälen quer durch Österreich: Mit seinem Buch "Der Fall Lucona“ hatte sich der Journalist Hans Pretterebner in die Bestsellerlisten katapultiert. profil widmete Udo Prokschs "Jäger“ die Titelgeschichte vom 6. Februar 1989 - einem Mann, der lange und oft am Rande des finanziellen Abgrunds balancierend in seinem rechten Kampfblatt "Politische Briefe“ gegen die "rote Diktatur“ der SPÖ agitiert hatte und der sich nun mit seinem "Tatsachenthriller, gegen den sich das Buch über den Flick-Skandal wie eine Gute-Nacht-Geschichte liest“ ("Stern“), aus "Krise und Pleite gezogen“ hatte. Ohne den ins Ausland geflüchteten Hofzuckerbäcker Proksch "wäre Hans Pretter-ebner nichts“, resümierte profil, wie ein "Besessener“ habe er sich in dessen Fall verkrallt, nicht ohne dabei eine Art Nähe zu entwickeln. Pretterebner: "Ich konnte mich gelegentlich nicht seinem Charme entziehen.“ Dem "Sozi-Hasser“ gelang auch ein "Einbruch in die sozialistischen Reihen“: Der Sekretär eines SPÖ-Regierungsmitglieds, der sich ein Jahr lang geweigert hatte, Pretterebners Buch zu kaufen, erstand am Ende doch die "Feindliteratur“ - und verschlang sie in einer Nacht. Sein Fazit: "Wenn nur 50 Prozent dieses Buches stimmen, wäre es noch immer schlimm genug.“

Nicole Schmidt