Abschied von Rudolf Hundstorfer: Die feinen Unterschiede

Der aufgebahrte Sarg im Rahmen der Begräbnisfeierlichkeiten für Rudolf Hundstorfer

Der aufgebahrte Sarg im Rahmen der Begräbnisfeierlichkeiten für Rudolf Hundstorfer

Christa Zöchling über das Begräbnis von Ex-Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Am Dienstag gab es am Wiener Zentralfriedhof ein Staatsbegräbnis für den verstorbenen Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Doch gekommen waren Freude und Freundinnnen, ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Menschen, die ihn in vielen verschiedenen Stationen begleiteten. Die Kirche war zum Bersten voll und auf dem Platz davor standen die Menschen und so viele hatten Tränen in den Augen, wie es bei solch offiziellen Anlässen nicht oft geschieht. Junge Menschen bildeten einen traurigen Kordon um den Vorplatz der Kirche. „Danke Rudi. AMS“ stand auf ihren T-Shirts.

„Danke Rudi. AMS“

„Danke Rudi. AMS“

Und es schien, als sei an diesem Tag nicht nur der „schöne Rudi“, wie er in seiner Jugend genannt wurde, zu Grabe getragen worden, sondern auch eine Zeit, ein Zeitgeist, in der in der Politik Kompromiss und Respekt füreinander mehr zählten, als das Rechthaben und der Triumph über andere. Hundstorfer war einer jener Sozialdemokraten, die es von ganz unten nach ganz oben geschafft hatten, mit viel Fleiß und Pflichtbewusstsein, aber vor allem mit unbändiger Freude am Leben, mit Witz und Charme und Schlawinertum. Hundstorfer war aufgrund seiner Herkunft aber auch immer ein klein wenig unsicher und für den kleinen Unterschied sehr sensibel. Er hat ihn wohl manchmal schmerzhaft gespürt. Hundstorfer tat sich deshalb auch gar nicht leicht, offensiv für sich zu werben. Das war im Präsidentschaftswahlkampf 2017 zu spüren.

Die Reden der Spitzen des Staates und seiner Institutionen waren anderes als sonst. ÖGB-Präsident Franz Foglar, Ex-Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Bundespräsident Alexander van der Bellen sprachen nicht die üblichen lobenden und würdigen Worte. Sie sprachen über einen Freund, den sie vermissen werden. Bundeskanzlerin Bierlein sagte, zur Überraschung vieler, sie erlaube sich persönliche Worte, denn sie kannte Hundstorfer und dessen Ehefrau Karin gut. Eine Gruppe von Freunden, die sich regeltraf traf, die klassische Musik liebte und Gespräche bis weit nach Mitternacht. Rudi Hundstorfer wird vielen fehlen, auch mir.

Als ein Mensch, dem sich so viele nahe fühlten. Besonder seiner Frau.

Alexander Van der Bellen und Gattin Doris Schmidauer, Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), Christine Vranitzky, Altkanzler Franz Vranitzky und der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig im Rahmen der Begräbnisfeierlichkeiten

Alexander Van der Bellen und Gattin Doris Schmidauer, Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), Christine Vranitzky, Altkanzler Franz Vranitzky und der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig im Rahmen der Begräbnisfeierlichkeiten