Als der Eiserne Vorhang fiel

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit profil-Redakteur Otmar Lahodynsky

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit profil-Redakteur Otmar Lahodynsky

Podiumsdebatte des Alois-Mock-Instituts zur Überwindung der Teilung Europas.

Vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang, Österreich schickte im selben Jahr sein Beitrittsansuchen an die Europäische Gemeinschaft. Beide Anlässe sind untrennbar mit Alois Mock verbunden, genau wie die positive EU-Abstimmung fünf Jahre später. Aus diesen Anlässen stellte das Alois Mock Institut beim diesjährigen Salongespräch in der Wachauarena Melk die Frage in den Mittelpunkt, wie sich die Geschichte Europas erfolgreich weiterschreiben lässt. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner diskutierte unter Moderation von Gerald Groß mit profil-Redakteur Otmar Lahodynsky, Präsident der „Vereinigung Europäischer Journalisten“ und Historiker Stefan Karner.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erklärte, wie wichtig es war, die Entwicklung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs aktiv zu gestalten: „Eine Skepsis war da, keiner wusste wie es werden wird, da hieß es in die Offensive gehen. Wir haben in Niederösterreich mit vielen Projekten Vertrauen geschaffen und Beispiele, die zeigten: Wir profitieren vom Miteinander.“ Als Beispiel nannte sie das neue Krankenhaus in Gmünd, das Patienten von beiden Seiten der Grenze behandelt. Otmar Lahodynsky, Präsident der „Vereinigung Europäischer Journalisten“, war zum Zeitpunkt des Falles gerade als Journalist für „Die Presse“ in Brüssel: „Ich fürchte, dass derzeit nur wenige Politiker das gesamteuropäische im Auge haben, die großen Europäer wie früher gibt es nicht mehr und damit ist uns das Gemeinschaftsgefühl abhandengekommen.“ Historiker Stefan Karner wünscht sich vor allem mehr Offensive: „Die Offensive braucht in letzter Zeit eine Neubelebung, Wien ist hier ein Zentrum, von dem aus wir weiter Brücken bauen müssen – ob in Politik, Wissenschaft oder Gesellschaft. Wir müssen es einfach nur tun.“

Eiserner Vorhang zwischen Ungarn und Österreich: Die Außenminister Alois Mock und Gyula Horn durchschnitten den Stacheldrahtzaun

Andreas Khol, der Generalsekretär der von Alois Mock 14 Jahre lang geführten „Europäischen Demokratischen Union“ (EDU), dem Zusammenschluss christdemokratischer und konservativer Parteien, war, erzählte eine spannende Anekdote: Alois Mock wurde 1991 vom ungarischen Ministerpräsidenten Jozsef Antall zu einem dringenden Treffen nach Budapest gerufen. Bei seiner Ankunft lud Antall Mock ein, das neue Fußballstadion zu besichtigen. Mock wunderte sich, dass Antall keine wichtigeren Themen behandeln wollte. Dort angekommen, führte Antall Mock bis zum Abstoß-Punkt auf dem Rasen. „So, jetzt können wir endlich frei reden“, erklärte Antall. „Das ist der einzige Punkt, wo ich nicht abgehört werden kann. Morgen werden wir den Austritt aus dem Warschauer Pakt bekannt geben. Wir wissen nicht, wie Moskau darauf reagieren wird. Kann Österreich uns für drei Monate Öl liefern?“