"Anschluss" 1938: „Sagen Sie ihm, es gibt keinen Spaß jetzt“

Der neu ernannte Reichskanzler Adolf Hitler im Jahr 1933 in Berlin

Der neu ernannte Reichskanzler Adolf Hitler im Jahr 1933 in Berlin

In der Nacht des 11. März 1938 wurde zwischen Wien und Berlin hektisch hin und her telefoniert. Abschriften der Telefonprotokolle sind erhalten.

Das Dokument mit dem Vermerk „Geheime Reichssache!“ ist mit 14. 3. datiert und trägt die fast unleserliche Unterschrift eines Beamten der Kanzlei Hermann Görings. Es folgt die wortwörtliche Niederschrift jener Ferngespräche, die Hermann Göring am Abend des 11. März mit dem nationalsozialistischen Innenminister Arthur Seyß-Inquart in Wien, dem deutschen Militärtattaché in Wien, Wolfgang Muff, Hitlers Österreichbeauftragten Wilhelm Keppler und einem Unbekannten geführt hatte. Die Dokumentation über die entscheidenden Telefonate, die das Ziel hatten, dem „Anschluss“ einen Hauch von Legalität zu verleihen, finden sich in den Protokollen des Nürnberger Prozesses.

Generalfeldmarschall Göring mit Seyß-Inquart. 11. 3. 1938, Wien-Berlin, 17.26 bis 17.31

Seyß-Inquart: Die Situation ist so: Der Bundespräsident hat die Demission angenommen, er steht aber auf dem Standpunkt, dass er für Berchtesgaden und seine Folgen nur den Kanzler verantwortlich hält, und er möchte daher..., sondern er möchte die Kanzlerschaft einem Mann wie Ender geben. Es sind augenblicklich die Herren von uns selbst bei ihm, der Klawotschnik (richtig: Globocnig) usw., und stellen ihm die Situation vor.
Göring: Ja, also passen Sie auf! Das ändert die ganze Lage! Sagen Sie dem Bundespräsidenten oder irgend jemand, dass natürlich das völlig anders ist, wie uns mitgeteilt wurde. Der Gowotschnik (richtig: Globocnig) teilte in Ihrem Auftrag mit, dass Sie die Kanzlerschaft bekommen hätten.
Seyß-Inquart: Ich selbst? Wann hat er das gesagt?
Göring: Vor einer Stunde. Er sagte, Sie hätten die Kanzlerschaft, und die Partei wäre schon wieder hergestellt, SA, SS wären schon zur Hilfspolizei aufgerufen usw.
Seyß-Inquart: Nein, das ist nicht so. Ich habe dem Bundespräsidenten den Vorschlag gemacht, mir die Kanzlerschaft zu geben, das dauert allgemein drei bis vier Stunden. Was die Partei betrifft, so haben wir noch nicht die Möglichkeit, die Partei herzustellen, haben aber die Formationen von SA und SS angewiesen, dass sie den Ordnungsdienst übernehmen.
Göring: Also, das geht so nicht! Das geht unter keinen Umständen! Die Sache ist jetzt im Rollen, also bitte, es muss jetzt sofort dem Bundespräsidenten mitgeteilt werden, dass er unverzüglich Ihnen die Macht zu übergeben hätte als Bundeskanzler und dass er das Ministerium so anzunehmen hat, wie es gesagt worden war, also Sie Bundeskanzler und das Heer...
Seyß-Inquart (unterbricht): Herr Generalfeldmarschall, jetzt ist der Mühlmann gerade gekommen, der dort war, darf er Ihnen berichten?
Göring: Ja!

(Dr. Mühlmann spricht weiter mit Göring)

Mühlmann: Die Situation ist so, dass der Bundespräsident noch immer hartnäckig die Zustimmung verweigert und eine diplomatische Aktion, eine offizielle, seitens des Reiches fordert. Wir wollten ihn jetzt, drei Nationalsozialisten, Rodenstock, Dreila und ich, persönlich sprechen, um ihm nahezulegen, in dieser aussichtslosen Situation das einzig Mögliche zu tun, nämlich ja zu sagen. Er hat uns nicht einmal vorgelassen. Es sieht insofern also aus, als ob er keineswegs gewillt wäre, nachzugeben.
Göring (kurze Besprechung): Geben Sie mir Seyß-Inquart.
Seyß-Inquart führt das Gespräch fort.
Göring: Also bitte folgendes: Sie möchten sich sofort zusammen mit dem Generalleutnant Muff zum Bundespräsidenten begeben und ihm sagen, wenn nicht unverzüglich die Forderungen, wie benannt, Sie kennen sie, angenommen werden, dann erfolgt heute Nacht der Einmarsch der bereits an der Grenze aufmarschierten und anrollenden Truppen auf der ganzen Linie, und die Existenz Österreichs ist vorbei! Der Generalleutnant Muff möchte sich mit Ihnen hinbegeben und verlangen, sofort vorgelassen zu werden und das ausrichten. Bitte geben Sie uns unverzüglich Nachricht, auf welchem Standpunkt Miklas bleibt. Sagen Sie ihm, es gibt keinen Spaß jetzt. Es ist gerade vorhin durch diese falsche Darstellung im Moment angehalten worden, aber jetzt ist die Sache so, dass dann heute Nacht der Einmarsch an allen Stellen Österreichs beginnt. Der Einmarsch wird nur dann aufgehalten, und die Truppen bleiben an der Grenze stehen, wenn wir bis 7.30 die Meldung haben, dass der Miklas die Bundeskanzlerschaft Ihnen übertragen hat. (Es folgt ein kurzer gestörter Satz)...gleichgültig, welche das auch sei, auf sofortige Wiederherstellung der Partei mit allen Organisationen (wieder Störung) und lassen Sie dann im ganzen Land jetzt die Nationalsozialisten hochgehen. Sie dürfen überall jetzt auf die Straße gehen. Ich werde sofort Muff dieselbe Weisung geben. Wenn der Miklas das nicht in vier Stunden kapiert, muss er jetzt eben in vier Minuten kapieren.
Seyß-Inquart: Na gut!

Generalfeldmarschall Göring verlangt den deutschen Militärattaché Generalleutnant Muff. An Stelle von Muff kommt Keppler (ein Vertrauter Görings) an den Apparat.

11. 3. 1938, Wien-Berlin, 18.28 bis 18.34

Keppler: Ich habe Muff gesprochen. Die Muff-Aktion ist neben meiner hergelaufen, da wusste ich nichts davon. Muff ist jetzt oben gewesen beim Präsidenten, der hat auch abgelehnt. Ich lasse eben noch mal rauftelefonieren, ob der Präsident mich in letzter Minute noch zu sprechen wünscht oder nicht.
Göring: Wo ist Muff jetzt?
Keppler: Der Muff ist wieder runtergekommen. Seine Aktion war erfolglos-
Göring: ja , was sagt er denn?
Keppler: Ja, er würde das nicht tun.
Göring: Dann soll ihn Seyß-Inquart absetzen! Gehen Sie noch mal rauf und sagen Sie ihm ganz glatt, der Seyß-Inquart sollte die nationalsozialistische Wache ausrufen und die Truppen bekommen jetzt in fünf Minuten von mir den Befehl zum Einmarsch.
Keppler (holt Muff an den Apparat)
Muff: Tatsache ist, dass der Versuch Schuschniggs, der Welt zu beweisen, dass die Nationalsozialisten keine Mehrheit haben, nur durch die Waffendrohung des deutschen... (das Gespräch wird auf ca. drei Minuten von Wien aus unterbrochen, Göring bleibt am Apparat)
(Unbekannt männlich)
Unbekannt: Hallo?
Göring: Ist da der Staatssekretär Keppler?
Unbekannt: Nein, der ist gerade beim Bundeskanzler!
Göring: Beim Bundespräsidenten!
Unbekannt: Nein, beim Bundeskanzler, die sind alle zusammen, Bundespräsident und Bundeskanzler.
Göring: Wer ist am Apparat?
Unbekannt: Fehsemeier (richtig: Veesenmeyer) , Adjutant von...
Göring: Ist er raufgegangen?
Unbekannt: Jawohl, eben gerade!
Göring: Wer ist oben bei ihm?
Unbekannt: Der Bundespräsident, der Bundeskanzler und Bürgermeister Schmitz!
Göring: ja, ich bleibe am Apparat. – Fehsemeier, es muss jetzt schnell gehen, jetzt haben wir nur noch drei Minuten Zeit!
Unbekannt: Ich weiss, jawohl!
(Göring wartet einige Zeit am Apparat)
Keppler (kommt als Erster an den Apparat): Also, ich war noch einmal beim Präsidenten, und er hat alles abgelehnt!
Göring: Hat alles abgelehnt! Gut! Dann soll der Seyß sofort anrufen.
Keppler: Er kann gleich ans Telefon kommen.
(Seyß-Inqater kommt ans Telefon)
Göring: Ja, also, wie ist es?
Seyß-Inquart: Bitte, Herr Feldmarschall, ja?
Göring: Ja, wie steht es!
Seyß-Inquart: Ja, öh, der Bundespräsident bleibt auf dem alten Standpunkt noch. Jetzt ist der (sehr undeutlicher Doppelname... Weserich) zu Schuschnigg hingegangen, um ihn von seinem Standpunkt abzubringen. Er hat sich selber eingesetzt jetzt. Aber es ist noch keine Entscheidung!
Göring: Ja, glauben Sie denn, dass in den nächsten Minuten eine Entscheidung fallen kann?
Seyß-Inquart: Na, länger als fünf bis zehn Minuten kann das Gespräch nicht dauern.
Göring: Passen Sie auf, dann will ich diese paar Minuten noch warten, bis er rauskommt. Dann teilen Sie mir bitte mit Blitzgespräch mit, unter Reichskanzlei, wie bisher. Aber es muss wirklich schnell gehen. Ich kann es kaum verantworten, darf eigentlich gar nicht. Wenn das nicht ist, dann müssen Sie eben die Gewalt übernehmen, nicht wahr?
Seyß-Inquart: Ja, wenn er droht?
Göring: Ja.
Seyß-Inquart: Jaja, dann werden wir schon antreten, nicht?
Göring: Rufen Sie mich unter Blitzgesspräch an!

Seyß-Inquart, Wien, berichtet Generalfeldmarschall Göring. 11. 3. 1938, Wien-Berlin 19.57 bis 20.03
Seyß-Inquart: Herr Dr. Schuschnigg wird im Radio die Mitteilung ergehen lassen, dass ein Ultimatum der Reichsregierung gestellt wurde.
Göring: Das habe ich gehört.
Seyß-Inquart: Und die Regierung selbst hat sich außer Amt gestellt. Der General Schiwaski (richtig: Schilhwasky) hat hier das Kommando über das Militär und wird das Militär zurückziehen. Die Herren stellten sich auf den Standpunkt, sie warten auf den Einmarsch.
Göring: Also, sie haben Sie nicht betraut.
Seyß-Inquart: Nein.
Göring: Sondern Sie Ihres Amtes enthoben?
Seyß-Inquart: Nein. Es ist überhaupt niemand seines Amtes enthoben worden, sondern die Regierung selber hat sich sozusagen von den Geschäften zurückgezogen und lässt die Sache ablaufen.
Göring: Und Sie sind nicht beauftragt worden, das ist abgelehnt?
Seyß-Inquart: Das ist nach wie vor abgelehnt. Man stellt sich so vor, dass, man lässt es darauf ankommen, auf den Einmarsch, und stellt sich so vor, dass nach Maßgabe des Einmarsches die Vollzugsgewalt an andere Personen übergehen wird.
Göring: Also gut, ich gebe den Befehl zum Einmarsch, und dann sehen Sie zu, dass Sie sich in Besitz der Macht setzen. Machen Sie die führenden Leute auf folgendes aufmerksam, was ich Ihnen jetzt sage: Jeder, der Widerstand leistet oder Widerstand organisiert, verfällt augenblicklich damit unseren Standgerichten, den Standgerichten der einmarschierenden Truppen, ist das klar?
Seyß-Inquart: Ja.
Göring: Einschließlich führender Persönlichkeiten, ganz gleichgültig.
Seyß-Inquart: Ja, die haben ja Befehl gegeben, keinen Widerstand zu leisten.
Göring: Ja, ganz egal, auch der Bundespräsident hat Sie nicht beauftragt, und das ist auch Widerstand.
Seyß-Inquart: Na ja.
Göring: Gut. Also Sie haben dafür den offiziellen Auftrag.#
Seyß-Inquart: ja.
Göring: Also, alles Gute. Heil Hitler.

Generalfeldmarschall Göring mit General Muff, Deutsche Gesandtschaft, Wien 11. 3. 1938, Berlin-Wien, 20.26 bis 20.32

Göring: Sagen Sie doch dem Seyß-Inquart folgendes: Nach unserer Auffassung ist ja jetzt die Regierung zurückgetreten, aber er selbst ist ja nicht zurückgetreten. Also, er soll die Regierung weiterführen und amtieren und im Namen einer Regierung jetzt die notwendigen Anordnungen treffen. Der Einmarsch erfolgt jetzt, und es wird bekanntgegeben, dass, wer Widerstand leistet, die Folgen zu tragen hat. Die österreichischen Verbände können aber jederzeit sich anschließen beziehungsweise unter den Schutz der deutschen Wehrmacht gehen. Der Seyß-Inquart soll versuchen, dass nicht alles drunter und drüber geht.
Muff: Das macht er, der Seyß, er hält schon eine Ansprache!
Göring: Und er soll aber jetzt die Regierung übernehmen und jetzt die Sache rasch durchführen und – am besten der Miklas tritt zurück.
Muff: Ja, das tut er nicht! Es war sehr dramatisch, ich habe etwa eine Viertelstunde mit ihm gesprochen. Er hat erklärt, dass er unter keinen Umständen der Gewalt weichen werde, und er ernenne keine neue Regierung.
Göring: So. Und er weicht nicht der Gewalt?
Muff: Er weicht nicht der Gewalt!
Göring: Na, was heißt das? Dann lässt er sich also ausheben?
Muff: Ja, er bleibt also dort sitzen.
Göring: Na gut, bei 14 Kindern muss man vielleicht sitzen bleiben. Also schön, Sie sagen das Seyß. Seyß soll die Regierung übernehmen.

Generalfeldmarschall Göring wird von Keppler, z. Z. Wien angerufen.
Keppler: Ich möchte Ihnen kurz berichten. Also Bundespräsident Miklas hat sich geweigert, etwas zu machen. Die Regierung ist aber trotzdem außer Funktion getreten. Ich habe mit Schuschnigg gesprochen, und der sagte mir, sie hätten ihre Funktionen niedergelegt und wir müssten das machen.
Göring: (lässt sich den letzten Satz wiederholen)
Keppler: Sie haben ihre Funktionen niedergelegt, und Schuschnigg hat selbst gesagt, wir sollten etwas machen und (sukzessive?. Buhler (Buhler oder Buhle- undeutlich) hat mit Seyß-Inquart am Telefon gesprochen, der als Innenminister die Geschäfte weiterführt.
Göring (unterbricht): Das habe ich gelesen. Weiter.
Keppler: Die alte Regierung hat Befehl gegeben dem Heer, dass es keinerlei Widerstand leistet. Also es darf nicht geschossen werden.
Göring: Naja, das ist ja auch Wurscht.
Keppler: Jetzt wird in Kürze Landesleiter Klosse (richtig: Klausner) am Rundfunk sprechen, und jetzt möchte ich fragen, o nicht eine prominente Persönlichkeit von Berlin auch einige Worte an Österreicher richtet.
Göring: Ja, das weiß ich noch nicht. Nun passen Sie auf: Die Haupt-Hauptsache ist, dass sich jetzt Inquart der ganzen Regierung bemächtigt, Rundfunk besetzt hält...
Keppler: Wir haben ja jetzt die Regierung.
Göring: Ja, eben. Ihr seid auch die Regierung. Nun passen Sie auf. Folgendes Telegramm soll der Seyß-Inquart hersenden. Schreiben Sie es auf: Die provisorische österreichische Regierung, die nach der Demission der Regierung Schuschnigg ihre Aufgabe darin sieht, die Ruhe und Ordnung in Österreich wieder herzustellen, richtet an die deutsche Regierung die dringende Bitte, sie in ihrer Aufgabe zu unterstützen und ihr zu helfen, Blut zu vergießen zu verhindern. Zu diesem Zweck bittet sie die deutsche Regierung um baldmöglichste Entsendung deutscher Truppen.
Keppler: Also es marschieren SA und SS durch die Straßen, es ist aber sehr ruhig. Hier ist alles mit den Fachschaften zusammengeklappt.
Göring: Also passen Sie auf: Die Grenzen muss er besetzen lassen, damit die da nicht mit dem Vermögen abschieben.
Keppler: Jawohl.
Göring: Und dann – vor allen Dingen führt er ja jetzt auch die Außenpolitik.
Keppler: Ja, da haben wir noch niemand!
Göring: ja, das ist ja egal, die muss jetzt der Seyß-Inquart führen, und der muss jetzt ein paar Leute berufen. Er soll die Leute berufen, die wir ihm vorgeschlagen haben. Er soll jetzt eine provisorische Regierung bilden. Es ist ganz egal, was der Bundespräsident sagt.
Keppler: Ja, die tun ha auch nichts!
Göring: Nein, nein, er soll jetzt die Regierung bilden, wie er sie vorgehabt hat, und das dem Ausland mitteilen.
Keppler: Ja.
Göring: Er ist ja der einzige, der noch Gewalt in Österreich hat.
Keppler: Ja.
Göring: Also unsere Truppen überschreiten heute die Grenze.
Keppler: Ja.
Göring: Gut. Und das Telegramm wird er möglichst bald schicken.
Keppler: Wird das Telegramm Seyß-Inquart ins Bundeskanzleramt schicken.
Göring: Also bitte, legen Sie ihm das Telegramm vor und sagenn Sie ihm, wir bitten – er braucht das Telegramm ja gar nicht zu schicken, er braucht nur zu sagen: einverstanden (Anm.: Das Telegramm wurde nie abgeschickt).
Keppler: Jawohl.
Göring: Rufen Sie mich zu diesem Zweck an, entweder beim Führer oder bei mir. Also macht es gut. Heil Hitler!

Arthur Seyß-Inquart wurde Vizegouverneur von Polen und später Reichsstatthalter der Niederlande. Er wurde beim Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg zum Tod durch Strang verurteilt. Ebenso Hermann Göring, der sich der Vollstreckung des Urteils durch Suizid entzog.

Bundespräsident Wilhelm Miklas, der 1933 den Bruch der Verfassung hingenommen, trotz einer Petition von etwa einer Million Unterschriften das Parlament nicht wieder einberufen hatte, widerstand am 11. 3. 1938 stundenlang dem Druck der Nationalsozialisten, Seyß-Inquart zum Kanzler zu ernennen. Gegen Mitternacht gab er nach. Vor der Unterzeichnung des Anschlussgesetzes am 13. 3. 1938 trat er zurück. Miklas bezog eine Bundespräsidentenpension und wurde auf Weisung von Adolf Hitler vom NS-Regime nicht verfolgt.

Wilhelm Keppler, SS-Obergruppenführer, für brutale Zwangsarbeit und Massendeportationen zuständig, wurde 1949 zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt, vorzeitig begnadigt und beim Motorenwerk des Felix Wankel in Lindau beschäfft.
General Muff beriet nach 1938 den deutschen Generalstab bei der Eingliederung des Bundesheeres in die Wehrmacht. Eine Kommission zur Säuberung des Bundesheeres im nationalsozialistischen Sinn wurde nach ihm benannt. 1940 wurde er zum General der Infanterie befördert. Nach 1945 hielt Muff Vorträge vor der Gesellschaft für Wehrpolitik.