Asyl-Quartier für Jugendliche in Drasenhofen sorgt für Aufregung

Die Beamtin hatte ein Rundmail verschickt, um das inzwischen wieder geschlossene Quartier in Drasenhofen für die Visite von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl mit Jugendlichen zu füllen

Die Beamtin hatte ein Rundmail verschickt, um das inzwischen wieder geschlossene Quartier in Drasenhofen für die Visite von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl mit Jugendlichen zu füllen

Die Unterkunft für auffällige und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Drasenhofen (Bezirk Mistelbach) hat auch am Freitag die Gemüter bewegt. Während von vielen Seiten Kritik kam, verteidigte Niederösterreichs Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) die Sicherungsmaßnahmen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) kündigte eine Behandlung des Themas in der nächsten Landesregierungs-Sitzung an.

Das Asyl-Quartier für auffällige und unbegleitete Minderjährige in Drasenhofen im Bezirk Mistelbach habe mit einem Gefängnis nichts zu tun, hat Niederösterreichs Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) am Freitag betont. Ein mobiler Zaun, wie er zur Sicherung der Unterkunft verwendet werde, "befindet sich bei jeder Baustelle". Sieben Bewohner des Quartiers seien bereits untergetaucht.

Nachdem Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Freitag betonte, dass die Unterkunft in Drasenhofen "kein Gefängnis" sei und "daher ein Stacheldraht dort nichts verloren" habe, sprach sich Waldhäusl am Rande einer Pressekonferenz in Waidhofen an der Thaya klar gegen alle Gefängnisvergleiche aus. "Wer sagt, dass das ein Gefängnis ist, war wahrscheinlich schon lange nicht mehr dort." Der Stacheldraht sei über den mobilen Zaun angebracht worden, um die Bewohner zu schützen, sagte der Freiheitliche einmal mehr. "Menschen wollten von außen drüberklettern", gleich am ersten Tag habe es jemand versucht. Der Stacheldraht werde auch weiterhin bleiben, bekräftigte Waldhäusl.

"Schutz der Jugendlichkeit"

Viele der aktuellen Bewohner würden den Schutz der Jugendlichkeit genießen. "Wären sie bereits 18 Jahre alt, wären sie bereits abgeschoben", so Waldhäusl. Es seien Menschen dabei, die im Spital eine Krankenschwester fast zu Tode geprügelt hätten, "wo es aber nicht gereicht hat, dass sie in ein Gefängnis kommen", behauptete er.

Die Jugendlichen könnten in Begleitung das Gelände verlassen, versicherte er. "Ich kenne Hausordnungen von Quartieren in Niederösterreich, die weit strenger sind." Sieben Bewohner seien auch bereits untergetaucht. "Die sind in Begleitung raus, in ein Taxi gestiegen und weggefahren. Wir geben sie danach zur Fahndung aus, wenn sie aufgegriffen werden, werden sie zurückgebracht", schilderte Waldhäusl, der angab, dass aktuell zwölf Personen im Quartier untergebracht seien.

Mikl-Leitner will Aufklärung

Dass sich die Kinder- und Jugendanwaltschaft am heutigen Freitag ein Bild von der Unterkunft machen wird, wie Mikl-Leitner im Ö1-"Mittagsjournal" ankündigte, begrüßte Waldhäusl: "Es wird festgestellt werden, dass alles rechtlich in Ordnung ist." Die Landeshauptfrau sagte zudem, dass Waldhäusl bei der Sitzung der Landesregierung am Dienstag den Sachverhalt darlegen werde müssen. "Bei uns ist das üblich, das wir das besprechen", reagierte der Landesrat darauf. "Ich berichte bei fast jeder Regierungssitzung", in diesem Rahmen könnten auch Dinge, die "in der Öffentlichkeit falsch berichtet werden", richtig gestellt werden.

Zur Kritik von Drasenhofens Bürgermeister Reinhard Künzl (ÖVP), der erklärte, dass das Quartier "eine Schande" sei, sagte der freiheitliche Landesrat, dass der Ortschef noch mehr Sicherheit gewollt habe. "Aber er wollte sie nicht zum Schutz der Jugendlichen, sonder zum Schutz der Bevölkerung."