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Österreich
09/29/2020

profil-Morgenpost: Nazikeule 2.0

Guten Morgen!

von Thomas Hoisl

Wieder einmal sorgen die sozialen Medien für die großen Aufreger im Wahlkampf. Die Rede ist - Sie erahnen es - von der Causa Menasse, Blümel und dem (gelöschten) Facebook-Kommentar. Letzte Woche machte der österreichische Schriftsteller Robert Menasse seinem Unmut über die Wahlkampflinie der Wiener ÖVP Luft. Unter einem Sujet auf der Facebookseite Gernot Blümels -  Stichwort: „Wien nach vorne bringen“ - setzte Menasse einen langen, bissigen Kommentar ab. Sarkastisch fragte der Autor den Politiker: „Was ist ‚vorne’?“, „Wo ist dieses ‚vorne’?“ und „Wieso ‚wieder’?“ und holte zu einem historischen Exkurs aus, in dem er der ÖVP attestierte, bei progressiven Projekten in Wien stets auf der Bremse gestanden zu haben. Auf den ehemals christlich-sozialen Bürgermeister Karl Lueger, der Adolf Hitler beeinflusste, nahm er ebenfalls Bezug.

Blümels Team ließ den Kommentar prompt löschen, wodurch das Posting erst so richtig „viral“ ging. Besonders grotesk fiel aber Blümels Begründung der Löschung aus: „NS-Gedankengut“, so der Politiker in der ORF-Pressestunde, habe auf seiner Facebookseite keinen Platz. Angedacht war das wohl als Gegenangriff, nach dem Motto „Wer die ÖVP mit NS-Gedankengut in Verbindung bringt, verharmlost das NS-Regime.“ Die peinlich-patscherte Argumentation lies das Publikum aber bestenfalls ratlos zurück, einen inhaltlichen Konter zu Menasses Kommentar gab es nicht. So war es am Ende allein Blümel, der wirr die Nazikeule schwang.

Ein Fauxpas, der nicht unverhofft daherkam. Im Wienwahlkampf läuft es für den türkisen Kandidaten nicht unbedingt rosig. Als Finanzminister der Corona-Regierung bietet Blümel derzeit mehr Angriffsfläche als die Amtsinhaber im Wiener Rathaus. Die ÖVP versucht es deshalb mit einem Schwenk nach Rechts - und spricht viel von Parallelgesellschaften und Problembezirken. In der aktuellen Ausgabe von „profil“ hat sich Redakteur Clemens Neuhold gefragt, wie die Situation in den kolportierten Brennpunkten Wiens wirklich aussieht. Dafür nahm Neuhold etwa mit dem Integrationsexperten Ednan Aslan einen Lokalaugenschein in Wien-Favoriten vor, oder schlenderte mit FPÖ-Bezirksvorsteher Paul Stadler entlang der Simmeringer Hauptstraße. Herausgekommen ist in der Reportage ein sehr differenziertes Bild und eine Video-Serie, die Sie bei uns auch online finden können.

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