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Österreich
03/10/2020

Coronavirus: Krankenschwester prangert Engpässe in Spitälern an

Frau S. ist Krankenpflegerin in einem Krankenhaus in Ostösterreich. Auf Instagram hat sie sich nun mit schweren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gewandt: Es fehle an Schutzausrüstung für Mitarbeiter - auch durch Diebstähle. Außerdem sollen Ärzte Tests auf das Coronavirus verweigern, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

von Ines Holzmüller

profil: Auf Instagram haben Sie den Mangel an Schutzausrüstung gegen das Coronavirus in Krankenhäusern angeprangert. Wie ist die Lage momentan? Frau S.*: Es gibt aktuell einen Engpass an Schutzausrüstung in einigen Krankenhäusern. Das betrifft besonders FFP2- und FFP3-Masken (Anm.: verschiedene Schutzklassen). Zudem kommt es momentan gehäuft zu Diebstählen von Desinfektionsmitteln und Handschuhen. Das Desinfektionsmittel wird oftmals von BesucherInnen in mitgebrachte Plastikflaschen abgefüllt. Der Desinfektionsmittelbehälter wird danach mit Wasser aufgefüllt.

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profil:Welche Gefahren entstehen dadurch? S.: Unzureichende Schutzausrüstung gefährdet nicht nur mich und meine KollegInnen, sondern auch unsere Angehörigen und schadet mitunter unseren PatientInnen. Eigenschutz geht in unserem Beruf Hand in Hand mit Fremdschutz. Mangelhafte Händedesinfektion sowie fehlende Schutzausrüstung führen dazu, dass sich Infektionen leichter verbreiten können. Das kann nicht nur für vorerkrankte Personengruppen sehr gefährlich sein. Durch den aktuellen Materialmangel, werden wir von Vorgesetzten dazu angehalten, sparsam mit den noch vorhandenen Schutzmasken umzugehen. Masken werden dadurch zum Teil länger als empfohlen getragen oder zu häufig und bei verschiedenen PatientInnen wiederverwendet. KollegInnen in niedergelassenen Bereich, also in Arztpraxen, berichten mir, dass für sie gar keine Schutzmasken zur Verfügung stehen.

ÄrztInnen verweigern immer wieder PatientInnen zu testen

profil:Warum weigern sich Ärzte zu testen? S.: ÄrztInnen verweigern immer wieder PatientInnen zu testen, da dies bedeuten würde, dass Stationen gesperrt werden müssten und ein Teil des Personals unter Quarantäne gestellt werden müsste. Dabei handelt es sich um PatientInnen, die alle Symptome aufweisen, die zu COVID-19 passen würden. Das gilt ebenso für niedergelassene MedizinerInnen. Die Quarantäne einiger MitarbeiterInnen, wäre für Krankenhäuser und niedergelassene ÄrztInnen nicht profitabel und würde, aufgrund des in vielen Bereichen ohnehin vorherrschenden Personalmangels, den normalen Betrieb schwer möglich machen.

Sobald ich keine Schutzausrüstung mehr zur Verfügung gestellt bekomme, werde ich meine Arbeit niederlegen

profil:Wie groß ist die Gefahr für die Mitarbeiter? S.: Bisher konnten noch alle PatientInnen versorgt werden. Teilweise jedoch nur, weil wir uns innerhalb des Krankenhauses mit Schutzkleidung ausgeholfen haben. Die Bestände sind auf vielen Stationen knapp. Sobald ich keine Schutzausrüstung mehr zur Verfügung gestellt bekomme, werde ich meine Arbeit niederlegen. Ich möchte weder mich, noch meine Familie oder meine PatientInnen gefährden. Viele meiner KollegInnen werden es mir gleichtun.

profil:Sind die Patienten beunruhigt? S.: Wir versuchen den normalen Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten. Demnach denke ich, dass es vielen PatientInnen nicht auffällt, dass wir mit Engpässen und Diebstählen zu kämpfen haben.

profil:Warum haben Sie sich entschlossen, das jetzt öffentlich zu machen? S.:Ich habe mich dazu entschlossen, weil ich es für den besten Weg hielt, mich an die zuständigen Personen zu wenden und gleichzeitig mit KollegInnen aus Österreich und Deutschland in Kontakt zu treten, die momentan Ähnliches erleben wie ich. Zudem wollte ich auch Personen erreichen, die nicht in Gesundheitsberufen tätig sind, und sie auf unsere Lage aufmerksam machen.

profil:Hat Sie Gesundheitsminister Rudolf Anschober oder jemand Zuständiger bereits kontaktiert? S.: Bundesminister Anschober hat mich innerhalb weniger Minuten nach Erstellen meines Postings kontaktiert. Wir sind bereits in E-Mail-Kontakt. (Anm.: Das Gesundheitsministerium bestätigt gegenüber profil, mit Frau S. in Kontakt zu sein. Man prüfe derzeit die Informationen.)

profil:Was fordern Sie von der Regierung? S.: Ich und meine KollegInnen fordern eine ausreichende Versorgung mit Schutzausrüstung. Unsere Arbeit darf uns nicht krankmachen. Ich hoffe zudem, dass die Zuständigen etwas aus der aktuellen Lage lernen, damit wir für ähnliche Situationen zukünftig besser ausgerüstet sind. Zudem möchte ich an die Bevölkerung appellieren, Diebstähle bitte zu unterlassen. Das Entwenden von Desinfektionsmittel, Handschuhen und Mundschutz erschwert unsere Arbeit immens und gefährdet die Gesundheit von uns und vielen weiteren Menschen.

*Frau S. möchte anonym bleiben.

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