DIW-Chef Fratzscher: "Staat beraubt Menschen"

Fratzscher ist gegen weitere Umverteilung.

Fratzscher ist gegen weitere Umverteilung.

Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kritisiert wachsende Ungleichheit – lehnt Vermögensteuern und mehr Umverteilung ab.

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe von profil kritisiert der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, 45, die wachsende Ungleichheit in Österreich. Es sei „überheblich“, noch an „Chancengleichheit“ zu glauben. Fratzscher: „Die Ungleichheit in Deutschland und auch Österreich ist hoch und hat zugenommen.“ Das Bild von den reichen Deutschen und Österreichern stimme nicht mehr. Der Staat beraube Menschen der Chance, ihre Fähigkeiten zu nutzen und versuche dann, „diesen Schaden durch Sozialleistungen“ wieder gut zu machen. Zu hohe Sozialleistungen würden freilich „Abhängigkeit“ vom Staat erzeugen.

Noch mehr Umverteilung lehnt er allerdings ab, da es „bereits vergleichsweise viel“ davon gebe, die „meist nicht effizient“ sei. Der Staat hole der Mittelschicht „aus der rechten Tasche etwas raus“ und tue „links wieder etwas rein“. Stattdessen solle die Politik durch Investitionen in Bildung wieder Chancengleichheit herstellen.

Steuerliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Ungleichheit sieht der DIW-Präsident im profil -Interview kritisch: „Ich halte nichts davon, Vermögensteuern wieder einzuführen. Wir brauchen nicht mehr Steuereinnahmen, wir liegen auf einem Rekordniveau.“