Interview

Flüchtlinge zurück nach Afrika – „Sonst kippt das gesamte Asylsystem“

Der Architekt des EU-Türkei-Flüchtlingsabkommens, der Salzburger Gerald Knaus, glaubt weiterhin fest an die Möglichkeit, Asylverfahren von Europa nach Ruanda & Co. auszulagern.

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Die britische Regierung wollte Flüchtlinge nach Ruanda überstellen, damit sie dort einen Asylantrag stellen. Doch das höchste Gericht in London hat den Plan gekippt, weil Ruanda kein sicherer Drittstaat ist. War das von Anfang an eine Schnapsidee?
Gerald Knaus
Nein. Auch wenn das überraschend klingt: Das ist für das Konzept sicherer Drittstaaten ein gutes Urteil. Denn damit hat nun schon das dritte Gericht festgestellt, dass Asylverfahren in sicheren Drittstaaten nicht im Widerspruch zur Menschenrechtskonvention stehen, solange es dort Zugang zu einem fairen Asylverfahren gibt. Das Gericht bemängelt, dass es solche Verfahren in Ruanda noch nicht gibt. Mit der Betonung auf noch.
Werden die hohen Asyl-Standards in Europa für Länder wie Ruanda jemals erreichbar sein? Nicht einmal Griechenland oder Ungarn erfüllen diese.
Gerald Knaus
Zu erklären, kein afrikanisches Land wäre in der Lage, ein sicherer Staat für Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention zu sein, selbst wenn es wollte, das grenzt an Rassismus.

Australien genügten wenige Transfers auf Nauru, um die Boote binnen kurzer Zeit zu stoppen.

Gerald Knaus

Clemens   Neuhold

Clemens Neuhold

Seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor Wiener Zeitung, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.