FPÖ-NÖ: Udo Landbauer warb für Buch mit NS-Liedgut

Udo Landbauer

Udo Landbauer

Der FPÖ-Spitzenkandidat für die Niederösterreich-Wahl, Udo Landbauer, unterstützte 2010 einen obskuren rechtsextremen Verein und warb für ein Buch mit NS-Liedgut.

Udo Landbauer, Jahrgang 1986, ist trotz seines jungen Alters schon länger im Politgeschäft -und Multifunktionär. Bereits mit 14 Jahren fand er zum Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ). Von 2012 bis Anfang Jänner heurigen Jahres war er Bundesobmann der blauen Jugendorganisation und vertrat diese im Bundesparteivorstand der FPÖ. Seit Juli 2017 ist Landbauer FPÖ-Bezirksparteiobmann in Wiener Neustadt, wo er auch als Stadtrat für Sicherheit, Sport und Jugend dient. Dazu sitzt er für die FPÖ seit 2013 im niederösterreichischen Landtag. Im Oktober vergangenen Jahres bestimmten die Freiheitlichen Landbauer zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Niederösterreich am 28. Jänner. Auffällig wurde Landbauer im Wahlkampf vor allem mit Attacken gegen ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die er als "Moslem-Mama" bezeichnete, weil sie in Niederösterreich eine "Zwangsislamisierung" betreibe.

Weniger bekannt ist Landbauers Engagement abseits der FPÖ. Bis heute ist er Mitglied der Pennalen Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt. Darüberhinaus unterstützte Landbauer eine im Jänner 2010 gegründete obskure Organisation mit dem Namen "Junge Patrioten - Verein zur Erziehung zu politischer Verantwortung". Der heutige FPÖ-Spitzenkandidat war das Gesicht des sonst anonym agierenden Vereins, der Ende Oktober 2011 wieder aufgelöst wurde. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) klassifiziert die "Jungen Patrioten" als rechtsextrem. "Die Organisation diente dem Anschein nach dazu, im Kontext eines Richtungsstreits innerhalb des RFJ Druck im Sinne einer völkisch-fundamentalistischen Orientierung auszuüben", so Bernhard Weidinger vom DÖW. Skurriles Detail: Während Landbauer als Unterstützer der "Jungen Patrioten" gegen Andersdenkende -vor allem Linke -agitierte, hatte er den Vorsitz in der überparteilichen Bundesjugendvertretung inne, der gesetzlich verankerten Interessensvertretung der Kinder und Jugendlichen in Österreich.

Hauptaktivität der "Jungen Patrioten" war die Veröffentlichung der Zeitschrift "gegenARGUMENTe", die laut DÖW in der "völkisch-traditionalistischen Ausformung des österreichischen Rechtsextremismus" einzuordnen ist. "gegenARGUMENTe" erscheint heute noch. Mittlerweile wird das Blatt vom rechten Aula Verlag herausgegeben. Der einschlägige Ton blieb erhalten. In der April-Ausgabe 2017 heißt es: "Die Menschenrechte in ihrer jetzigen Form sind unnötig und gehören abgeschafft." Dass Menschenrechte überall auf der Welt und "zwar für alle Menschen" gelten, sei "höchst problematisch". Udo Landbauer engagierte sich für die "Jungen Patrioten" als Spendenkeiler. 2010 - er war schon RFJ-Spitzenfunktionär und ab April Stadtrat in Wiener Neustadt - wandte er sich in zwei profil vorliegenden Schreiben (siehe Faksimile) an Sympathisanten, bedankte sich für die bisherige Unterstützung und erläuterte die Ziele der "Jungen Patrioten". Diese hätten es sich "zur Aufgabe gemacht", dem "zerstörerischen Zeitgeist entgegenzuwirken und vor allem junge Menschen wieder mit ihren Wurzeln vertraut zu machen". Zur "Pflege der eigenen Kultur" gehöre auch "das Singen von Volks-und Soldatenliedern", so Landbauer in seinem Werbeschreiben. Daher würden die "Jungen Patrioten" als "eines der ersten Projekte" das "Liederbüchlein für unterwegs" vorlegen -mit der Bitte um eine Spende.

Das grüne Büchlein enthält einerseits Volksweisen wie "Die Gedanken sind frei" oder Militärisches wie "Ich hatt' einen Kameraden". Dazwischen findet sich aber auch einschlägiges und bedenkliches Liedgut: Auf Seite 93 etwa "Hohe Nacht der klaren Sterne", eines der bekanntesten Weihnachtslieder aus der Zeit des Nationalsozialismus. Geschrieben 1936 vom bekannten NS-Liedermacher Hans Baumann und bei Heimabenden der Hitlerjugend (HJ) und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) gesungen, war es in den Richtlinien für jede Weihnachtsfeier von HJ, NS-Lehrerbund, SA und SS enthalten. Da es keine offensichtlichen textlichen Bezüge zum Nationalsozialismus enthält, wurde das Lied auch nach 1945 noch rezipiert.

"Du Volk aus der Tiefe"

Mit "Und wenn wir marschieren" findet sich auch das Bundlied des BDM im "Liederbüchlein" der "Jungen Patrioten". Textprobe: "Du Volk aus der Tiefe, du Volk in der Nacht, vergiß nicht das Feuer, bleib auf der Wacht!" 85 Jahre vor seiner Wiederentdeckung durch Landbauer und seine Kameraden wurde das Lied im Heft "Lieder für eine erwachte Nation", Band sechs, BDM-Sonderausgabe, Erscheinungsjahr 1933, abgedruckt. Auf dem Umschlag des Heftes war ein großes Hakenkreuz abgebildet. Auf Seite 56 des "Liederbüchlein für unterwegs" findet sich das einst bekannte Kinderlied "Negeraufstand ist in Kuba", in dem es unter anderem heißt: "Im Gesträuch und im Gestrüppe hängen menschliche Gerippe. Und die Negerlein, die kleinen, nagen schmatzend an den Gebeinen. Hea humbassa, hea humbassa, hea hea ho. - In den Bäumen hängen Leiber, drunter stehen Negerweiber. Und die denken wie besessen an das nächste Menschenfressen." Vor Jahrzehnten war das schräge Lied ein Hit auf Schulausflügen, Jungschar-und Pfadfinderlagern. Im Jahr 2010, als es die "Jungen Patrioten" in ihr Liederbuch aufnahmen, war es aufgrund seines rassistischen Textes bereits seit Langem verpönt.

Trotz mehrfacher Anfrage war Udo Landbauer für profil nicht für einen Kommentar erreichbar, seinem Pressesprecher zufolge "aufgrund des stressigen Wahlkampfs".

Welcher Geist im "Liederbüchlein" steckt, wird im Vorwort der Herausgeber klar, das sich an die "liebe Kameradin" und "den lieben Kamerad" wendet. Das kleine Buch habe die "Aufgabe", "im Dienste unseres Volkstums und in Treue zu unserem Vaterland Kräfte der Seele zu wecken und erneut zu binden".