Lothar Höbelt in einer Vorlesung
Lothar Höbelt in einer Vorlesung

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Österreich
01/25/2020

Historiker Höbelt: "Ich bin ja wirklich ein reaktionärer Knochen"

Der FPÖ-nahe Historiker Lothar Höbelt über die Proteste gegen seine Lehrveranstaltung, warum er die Kritik der Studierenden für „plemplem“ hält – und Holocaust-Leugner David Irving für eine „ganz kuriose Figur“.

von Christina Pausackl

INTERVIEW: THOMAS HOISL, CHRISTINA PAUSACKL

profil: Störaktionen und „Nazis raus“-Plakate dürften Ihnen nicht ganz neu sein. Beeindrucken Sie die aktuellen Proteste gegen Sie? Höbelt: Nicht sehr. Dieses Mal war der Anlass, dass ich bei einem Seminar des Freiheitlichen Akademikerverbandes in der Steiermark gesprochen habe, für das auch das Institut für Staatsforschung mitverantwortlich war. Es war eine Ansammlung von würdigen Herren und zum Teil eher langatmigen Referaten.

profil: Würdig und langatmig? Der Verleger Götz Kubitschek und Mitbegründer des Instituts gilt als Vordenker der „Neuen Rechten“. Das umstrittene Seminar mit rechten Akademikern stand unter dem Motto „Volk“. Worum ging es da? Höbelt: Am Abend gab es eine Diskussion über die Situation der FPÖ. Grundtenor: „Standhaft bleiben! Man muss zu den Grundsätzen stehen!“ Meine Antwort war: „Ganz tolle Devise – wenn man die Zweidrittelmehrheit und eine Atombombe in der Schublade hat. Wenn nicht, muss man Kompromisse machen.“

profil: Da müssen wir ja froh sein, dass Sie keine Atombombe haben. Sie halten als Geschichtsprofessor eine Lehrveranstaltung über die Zweite Republik und referieren am Wochenende bei einer Rechtsaußen-Veranstaltung. Wie geht sich das aus? Höbelt: Erstens hat es den Leuten völlig wurscht zu sein, was ich am Wochenende mache. Und zu meinen, dass Referate vor 40 alten Herren und ein paar Damen in einem steirischen Bergdorf einen Historiker als Uni-Professor disqualifizieren, ist absurd. Die ÖH-Vorsitzende meinte, ich würde „das Klima an der Uni verändern“. Wenn ich das könnte! Da würde es anders aussehen.

profil: Und wie? Höbelt: Wie ich es in den 70er-Jahren erlebt habe, als die Mehrheit noch bürgerlich-konservativ war und Störaktionen argumentativ abliefen.

profil: Identitäre und Burschenschafter haben sich in Ihre Vorlesung gesetzt, es soll eine Art „Saalschutz“ gegeben haben. Freuen Sie sich über Solidarität von Leuten wie Martin Sellner? Höbelt: Meine grundsätzliche Meinung zu den Identitären ist bekannt: Ich finde, das Letzte, was wir brauchen, ist noch ein Verein, der nichts macht, außer zu demonstrieren. Ich bin ja wirklich ein reaktionärer Knochen – und daher gegen alle Aktivisten.

Ich halte Erinnerungskultur für prinzipiell schlecht. Jeder muss selbst wissen, woran er sich erinnern möchte.

profil: Mit Burschenschaftern haben Sie schon auf Sonnwendfeiern getanzt. Höbelt: Da wird übers Feuer gesprungen. Sie überschätzen meine sportlichen Fähigkeiten.

profil: In einer Vorlesung sollen Sie sich positiv auf ein Zitat des führenden Nationalsozialisten Hermann Göring bezogen haben. Höbelt: Einem Historiker vorzuwerfen, dass er historische Persönlichkeiten zitiert, ist schon mal eine höhere Form von plemplem. Ich wurde gefragt, wie das mit der neuen Studienordnung funktioniert. Meine Antwort war: „Göring soll einmal gesagt haben: Wenn ich Kultur höre, greife ich zum Revolver. Bei mir heißt es: Wenn ich Verwaltung höre, greife ich zum Revolver.“ Das war ein Scherz. Warum das Zitat Göring gut aussehen lassen sollte, ist nicht ganz ersichtlich.

profil: Die Erinnerungskultur will die dunkelsten Kapitel als Mahnung im Bewusstsein halten. Sie haben das kürzlich als „Marketing-Gag“ bezeichnet. Meinen Sie das ernst? Höbelt: Man kriegt doch viel leichter Förderungen, wenn es um NS-Vergehen geht als etwa um ein altes Gemäuer. Ich halte Erinnerungskultur für prinzipiell schlecht. Jeder muss selbst wissen, woran er sich erinnern möchte. Der Historiker kann da nur das Material liefern. Die Idee, dass der Staat hergeht und sagt, das ist als Pflichtprogramm zu erinnern, ist ein Unsinn.

profil: Würde Sie heute wieder einen Festschriftbeitrag zu Ehren des Holocaust-Leugners David Irving schreiben? Höbelt: Wenn ich abwäge, wie viel Zeit mich das kostet, darüber zu reden, war es vermutlich eine Fehlinvestition. Aber prinzipiell – warum sollte ich das nicht? Der Prozess, um den es da geht, war auch viel später. Ich glaube, dass er sich da in etwas verrannt hat.

profil: „Verrannt“ in die Leugnung des Holocaust? Höbelt: Weil er halt von seinen Büchern leben musste und immer auf Sensationen aus war. Worauf er sich kapriziert hat und was allgemein anerkannt ist: Es gab keinen schriftlichen Befehl von Hitler zur Judenvernichtung. Nur hat Irving aus diesem Faktum falsche Schlussfolgerungen gezogen: Es gibt natürlich sehr wohl Indizien, dass Hitler das gewollt und gewusst hat. Ich fand aber immer, wenn man einen Festschriftbeitrag für jemanden schreibt, heißt das nicht, dass man sich mit allem, was der je in seinem Leben gesagt hat, identifiziert.

profil: Haben Sie noch Kontakt zu Irving? Höbelt: Ich hatte überhaupt keinen Kontakt mit ihm. Als er in Österreich inhaftiert war, habe ich mir vorgenommen, ihn mal besuchen zu gehen. Aber es kam nie dazu. Er muss ja eine ganz kuriose Figur sein. Er wollte einmal Parteigründer werden – und seine Frauengeschichten … hätte vielleicht ganz witzig sein können.

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