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profil-Morgenpost
06/09/2020

Philosophie für Aussteiger

Guten Morgen!

von Sven Gächter

Seit vergangenem Donnerstag tagt der „Untersuchungsausschuss betreffend mutmaßliche Käuflichkeit der türkis-blauen Bundesregierung“. Wer sich darunter wenig vorstellen kann, ist auch mit der gebräuchlicheren Kurzform „Ibiza-Ausschuss“ auf dem richtigen Dampfer. Gleich am ersten Tag traten illustre Zeugen auf: Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus, die männlichen Hauptdarsteller des mittlerweile weltberühmten Ibiza-Videos (kumuliert mehrere Millionen Klicks auf YouTube). 

Ihre Befragung förderte insgesamt jedoch wenig Überraschendes zutage, wie profil in seiner aktuellen Ausgabe schreibt: „Vor allem Strache versuchte einmal mehr, das Geschehen auf Ibiza in eine ,b’soffene G’schicht’ umzudeuten.“ Es sei „mit Sicherheit kein philosophischer Abend“ gewesen, räumte der Ex-Vizekanzler immerhin noch selbstironisch ein, was wiederum die Frage aufwirft, wie ein Abend mit Strache verläuft, wenn er philosophisch ausgerichtet sein soll. Darüber hat der Untersuchungsausschuss allerdings nicht zu befinden.

Heute jedenfalls sollen laut parlamentarischer Tagesordnung im Lokal 7 (Hofburg Segmentbogen) der ehemalige Novomatic-Vorstandsvorsitzende Harald Neumann, Matthias Purkart von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sowie der Geschäftsführer der Novo Equity GmbH, Alexander Merwald als Auskunftspersonen befragt werden. Für Brisanz ist durchaus gesorgt, denn die Staatsanwaltschaft fand beim niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic „jede Menge Hinweise auf Interventionen, verdecktes Lobbying und politische Einflussnahme. Geheime Chat-Protokolle gewähren einen tiefen Blick in ein schmutziges System“, wie Stefan Melichar in seiner Hintergrundrecherche enthüllte. 

Die „Villa Can Mass“, Schauplatz des folgenreichen Treffens zwischen Strache, Gudenus und der vermeintlichen russischen Oligarchin, wird auf Airbnb übrigens nach wie vor zur Miete angeboten. Kostenpunkt: 800 Euro pro Nacht. Mindestaufenthaltsdauer: drei Tage. Kein Schnäppchen zwar, aber wann hat man schon die Chance, den Sommerurlaub zur politischen Bildungsreise upzugraden?

Sven Gächter

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