profil-Morgenpost

Im Sommer im Gespräch: Energiewende, aber wie?

Die politischen Bekenntnisse zum Klimaschutz sind groß – auch in den laufenden ORF-Sommergesprächen. Warum der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht so leicht ist, wie etwa Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger meint.

Drucken

Schriftgröße

„Österreich ist auf der Überholspur, was den Klimaschutz betrifft“, proklamiert der grüne Vizekanzler Werner Kogler im ORF-Sommergespräch am Montag: „Schritt für Schritt geht viel weiter“. Auch Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger erklärt im Interview mit den Journalist:innen Julia Schmuck und Tobias Pötzelsberger eine Woche zuvor: „Wir müssen die Energiewende schaffen.“ Die Schritte der türkis-grünen Koalition scheinen ihr allerdings zu klein. Es fehle am „Turbo“, trotz vorhandener Möglichkeiten: „Wir haben das Knowhow, wir haben tolle Unternehmen, die das können, wir haben die Fachkräfte." Wenn es nur so einfach wäre.

Die Nachfrage nach alternativer Strom- und Wärmeversorgung boomt, die Auftragsbücher heimischer Firmen sind voll. Mit der Energiewende klappt es dennoch nicht so schnell wie vielfach erhofft. Möchte man eine Photovoltaik-Anlage einbauen lassen, kann es aktuell zu Verzögerungen von bis zu einem Jahr kommen, heißt es vom Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Neben Lieferengpässen beim Material gibt es vor allem ein Problem: Es gibt zu wenig Personal. Allein im Bereich der Photovoltaik fehlen an die 60.000 Fachkräfte, um die Energiewende zu stemmen, rechnet der Bundesverband Photovoltaic Austria vor. Bis 2030, so der Plan der Regierung, soll die Stromversorgung in Österreich vollständig aus erneuerbaren Quellen kommen.

Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Verbands Erneuerbare Energien Österreich, sieht im Personalmangel ebenfalls „eine ernstzunehmende Herausforderung“, die im Zuge der aktiven Gestaltung der Energiewende mit bedacht und geplant werden müsse. Die Expertin nimmt die Politik in die Pflicht – aufgrund unverlässlicher Rahmenbedingungen in der Vergangenheit waren die Branchen zögerlich, aktiv in die Ausbildung von Fachkräften zu investieren: „Sobald klar ist, dass fossile Energie keine Zukunft hat, können sich die vielen Fachleute, die derzeit noch in Bereichen der fossilen Energie arbeiten, neu orientieren und mit der Energiewende befassen. Die Arbeit wird ihnen auch dort nicht ausgehen“, so Prechtl-Grundnig gegenüber profil.

Wie viele Menschen noch immer mit der Installation von fossilen Energieträgern beschäftigt sind, zeigt ein Blick ins vergangene Jahr: Fast die Hälfte der etwa 100.000 im Jahr 2021 in Österreich neu installierten Heizungen waren Gasheizungen, dazu kamen über 2.500 neue Ölkessel. Hoffnung gibt jedenfalls: Der Aufwand, die damit beschäftigten Fachkräfte umzuschulen, sei laut Expert:innen gering.

Apropos Fachkräfte – Sie sind am Wort: profil sucht aktuell Menschen, mit besonders stark nachgefragten Berufen, etwa in der Gastronomie/Hotellerie, in Pflegeberufen und im Handwerk. Und Menschen, die sich im Zuge der Corona-Krise beruflich umorientiert bzw. die Branche gewechselt haben: Was denken Sie über Ihre Arbeit? Welche Diskussionen führen Sie dazu im Moment in Ihrem Umfeld? Schreiben Sie uns an [email protected].

Ein schönes Wochenende,

Katharina Zwins

Katharina Zwins

Katharina Zwins

ist Redakteurin bei profil und Mitbegründerin des Faktenchecks faktiv.