MINISTERRAT: KURZ

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profil-Morgenpost
05/14/2021

„Keeping up with the Türkisistans”

Das Ermittlungsverfahren gegen den amtierenden Bundeskanzler ist eine weitere Episode in der schier unerschöpflichen Chat-Com.

von Angelika Hager

Jan Böhmermann wird sich in Versäumnis-Agonie winden, dass er die letzte Kracher-Folge aus der schier unerschöpflichen Chat-Com „Keeping up with the Türkisistans” nicht mehr in seinem Ösi-Special unterbringen konnte. Tatsächlich kann man auch dieser Tage nur wieder Alexander Van der Bellens Worte von vergangener Woche, als der den Akten-Ordnungspfiff an Gernot Blümel gerichtet hatte, wiederholen: „Das hat es bis jetzt in Österreich so nicht gegeben.”

Am vergangenen Mittwoch kam es erneut zur einer Premiere eines Vorfalls, den es bis jetzt so auch noch nicht in dieser Republik gegeben hat: Die Wirtschafts- und Korruptionsanwaltsschaft (WKstA) leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den amtierenden Bundeskanzler und seinen Kabinettchef Bernhard Bonelli ein. Ursache war der Verdacht, dass beide im Ibiza-Untersuchungsausschuss mehrfach die Unwahrheit gesagt haben.  In diesem Fall macht jenes von ÖVP-Senior Andreas Khol so häufig zum Einsatz gebrachte Zitat des britischen Philosophen Francis Bacon endlich und hoffentlich auch wirklich Sinn: „Die Wahrheit ist die Tochter der Zeit, nicht der Autorität.”

Womöglich sind das „der frische Stil” und „die echte Veränderung”, die der amtierende Kanzler als Wahlversprechen so häufig angekündigt hatte, und wir haben das einfach nicht gecheckt. Sie erinnern sich: „Echte Veränderung” statt einfach so „weiter Wurschteln” und diese „Hinterzimmerpolitik”.

Bei aller Offenheit für die irrwitzigen Facetten eines Miniaturstaates „rechts von Liechtenstein” gestand selbst ein Kaliber wie Böhmermann ein, angesichts der Ballung der Ereignisse in der „Basti-Bubble” etwas sprachlos zu sein.

Denn die Ausgabe der Satiresendung „ZDF Magazin Royale” vor der viermonatigen Sommerpause widmete sich fast ausschließlich dem „Penaten-Kanzler” und seiner „türkisen Familie”, einschließlich der „Kriegst-eh-alles-was-du-willst-Ich-liebe-meinen-Kanzler“-Smiley-Protokolle, die die Bestellung von Thomas "Tom" Schmid als Alleinvorstand der Staatsholding ÖBAG begleiteten, die Spazierfahrten des Laptops „eines Mathematikgenies“ von Finanzministers in  einem Kinderwagen und den Vorstoß des Nationalrats-Präsidenten Wolfgang Sobotka, im U-Ausschuss die Wahrheitspflicht abzuschaffen. Eine konsequente Erweiterung der „Message Control", die es auch vor der Angelobung von Türkis-Blau in dieser Form nicht gegeben hat.

Während ich diese Zeilen schreibe, stehen die Kollegen Eva LinsingerMichael Nikbakhsh und Stefan Melichar unter Starkstrom, um Ihnen für die nächste Ausgabe das detailreiche Reality-Drehbuch zum Universum der „Basti-Bubble” zu liefern.

Lügen haben oft jahrhundertelange Beine. Sie sind quasi in der DNA von Österreich fest verankert. Im 14. Jahrhundert ließ der habsburgische Herzog Rudolf IV. diverse Urkunden fälschen, um seine Herrschaftspläne verwirklichen zu können. Das „Privilegium Maius” war das Fundament für die Herrschaft der Habsburger und hat sich bezahlt gemacht. Zumindest über mehr als 600 Jahre.

Stay tuned. Und ein schönes Wochenende,

Ihre Angelika Hager

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