Kronen Zeitung: Shopping statt Kommunismus

Kronen Zeitung: Shopping statt Kommunismus

Die „Kronen Zeitung“ hat ein neues Gut entdeckt, das es zu schützen gilt. Nicht für Tiere oder die Natur setzt sich das Blatt diesmal ein – sondern für Einkaufszentren in Salzburg. Die würden nämlich von der Landespolitik diskriminiert.

„Es geht Richtung Kommunismus“, behauptet die „Salzburg Krone“. Die Kampagne richtet sich vor allem gegen die grüne Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler. Diese will mit Koalitionspartner ÖVP verhindern, dass die Shoppingzentren noch größer werden. Stattdessen möchte Rössler das Einkaufen in den Ortszentren fördern. Auf dem Weblog „Kobuk“ kann man nachlesen, mit wie viel Inbrunst das Boulevardblatt für Shopping kämpft. Ein paar Auszüge:

„Einkaufen kann durch kein Gesetz der Welt verboten werden, es sei denn, man würde wie in elenden Diktaturen eine totale Ausgangssperre verfügen“, heißt es dort etwa. Oder: „Jedermann in Salzburg hat bisher geglaubt, in der Europäischen Union sei freier und fairer Handel erlaubt. Doch (…) in einem österreichischen Bundesland verstärken sich die Tendenzen in Richtung Neo-Kommunismus. (…)“

Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang?

Vor allem setzt sich die „Kronen Zeitung“ für den Ausbau des Europarks ein, der einem Tochterunternehmen der Handelskette Spar gehört. Laut „Krone“ muss dieser Shoppingtempel ein wunderbarer Ort sein. „Was bringt der Europark seinen 2000 Mitarbeitern? ‚Motivation‘, ist Susanne Heibach, Shop-Leiterin bei der Kultmarke ‚George, Gina & Lucy‘ überzeugt. Dass das Land bei der kleindimensionierten Erweiterung so bremst, kann sie nicht verstehen“, heißt es in einer Reportage. Hans Peter Hasenöhrl, Chefredakteur der „Salzburg Krone“, greift auch persönlich in die Tasten: „Jedes Bundesland würde sich glücklich schätzen, hätte es einen ‚Europark‘, der mit dem Ausbau hunderte neue Jobs im Handel schaffen will“, schrieb er.

Nach diesen auffallend vielen, freundlichen Beiträge zählte kobuk.at nach, wie viel Werbung die Handelskette im Blatt schaltete. „Allein im ersten Quartal 2015 buchte Spar rund ein Fünftel aller ganzseitigen Inserate der ‚Salzburg-‚Krone‘“, notieren die Blogger. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Nein, sagt Spar zu profil. „Die ‚Kronen-Zeitung‘ setzt sich für regionale Themen ein, es geht hier immerhin auch um Arbeitsplätze. Wir schalten deswegen so viele Inserate, weil wir eine große Handelskette sind, die jeden Tag eine Million Kunden hat“, erklärt Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin von Spar. Auch „Krone“-Chef Hasenöhrl leugnet jegliche Beeinflussung durch die Anzeigenflut: „Wie viel Firmen oder Institutionen oder Parteien in der ‚Salzburg Krone‘ inserieren, interessiert mich gar nicht, weil dafür die Mediaprint zuständig ist, die keinen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung hat.