Mordfall Michelle F.: „Messer im Plüschtier“

Mordfall Michelle F.: „Messer im Plüschtier“

Ende vergangenen Jahres wurde die 16-jährige Michelle F. in Steyr erstochen. Die Tat erregte politisch und medial großes Aufsehen. Am Dienstag wird dem Afghanen Saber A. der Prozess gemacht. profil hat die Anklageschrift.

Am 8. und 9. Oktober findet am Landesgericht in Linz der Prozess gegen Saber A. statt. Dem 18-jährigen Afghanen wird vorgeworfen, Ende vergangenen Jahres die 16-jährige Michelle F. erstochen zu haben. Die Bluttat in Steyr erregte medial besonderes Aufsehen, weil der Täter erst 2016 als Asylwerber ins Land gekommen war (Lesen Sie dazu eine ausführliche Reportage über die politischen Folgen im Wahlsonderheft von profil).

Die Anklageschrift, die profil vorliegt, zeichnet folgendes Bild vom Tathergang: Am Abend des 8. Dezember 2018 rammt der damals noch 17-Jährige Afghane der 16-jährigen Michelle F. in ihrem Kinderzimmer ein 18 Zentimeter langes Messer in den Rücken – derartig wuchtig, dass sich das Klinge verbiegt.

Michelle verblutet an einem Lungenstich. Anstatt die Rettung zu rufen, zieht der Täter das Messer aus der Leiche und versteckt es in einem Plüschtier. Er legt sich nackt neben das tote Mädchen, betrinkt und filmt sich mit seinem Handy. In seiner Landessprache gesteht er weinend, ein Mörder zu sein. Erst am nächsten Tag türmt er gegen Mittag aus dem Fenster. Er ruft Michelles Mutter und Schwester an, um sie in Sicherheit zu wiegen. Die beiden finden die Tote am Abend. Drei Tage später stellt er sich aufgrund des Fahndungsdrucks in Wien.

Saber A.

Saber A. wird von einem Freund aus der gemeinsamen Flüchtlingsunterkunft schwer belastete: Er habe bereits Tage vor der Tat angekündigt, Michelle aus Eifersucht erstechen zu wollen.

„Mein Mandat beharrte bis zuletzt auf der Darstellung, wonach es kein absichtlicher Stich, sondern ein Unfall war. Das ist keine Tat eines Scheusals, wie medial kolportiert. Es geht um junge Menschen, die eine konfliktbeladende On-Off-Beziehung hatten“, hält der oberösterreichische Strafverteidiger Andreas Mauhart – er wurde Saber A. als Pflichtverteidiger zugewiesen – dagegen.

Die Höchststrafe für jugendliche Mörder beträgt 15 Jahre, bei guter Führung zehn Jahre. Saber A. wäre dann 28. Ein junger Syrer, der wenige Wochen nach der Tat in Steyr in Wiener Neustadt ein junges Mädchen ermordet haben soll, fasste vergangene Woche – in erster Instanz – die Höchststrafe von 15 Jahren aus.

Andreas Mauhart

Strafverteidiger Andreas Mauhart