Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein

© APA/GEORG HOCHMUTH

Österreich
12/16/2019

profil-Morgenpost: Ermattete Glückskatzen

Guten Morgen!

von Angelika Hager

Angelika Hager

Es sollte ein entspannter Heurigenabend unter Freunden werden, als die Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs am 17. Mai eine SMS-Nachricht mit dem Satz "Das ist eine Bombe” und den Link zum Ibiza-Video erhielt. Nicht einmal drei Wochen später schrieb Brigitte Bierlein, 70, als erste Bundeskanzlerin Österreichs Politikgeschichte.

In den guten sechs Monaten ihrer Amtszeit erlebten wir sie als souverän, ihren Aufgaben auf eine angenehm unaufgeregte Weise gewachsen, aber auch als Person wenig greifbar und erstaunlich interviewscheu.

Im ausführlichen Interview mit der profil-Innenpolitikchefin Eva Linsinger können Sie in der aktuellen Ausgabe eine bislang unbekannte Kurzzeit-Kanzlerin erleben, die von gescheiterten künstlerischen Ambitionen erzählt und von der Brutalität des Jobs. Bei einer 19 Stunden währenden Sitzung bei Bierleins erstem EU-Gipfel waren die jüngeren Regierungschefs schon entschlummert, während Angela Merkel noch immer „topfit” war und „präzise formulierte”. In einem fast ähnlichen Zustand wie die jungen Staatslenker bei solchen Verhandlungsmarathons zeigte sich während des profil-Gesprächs im Kanzler-Büro die chinesische Glückskatze, die ihr Kulturminister Alexander Schallenberg zum Amtsantritt geschenkt hatte. Bierlein hofft ganz unverhohlen, dass im Jänner die neue Regierung steht und sie die Batterien für den ermatteten Talisman nicht mehr austauschen wird müssen, denn: „Irgendwann ist es genug.”

Dieser Gefühlszustand scheint Heinz-Christian Strache total fremd zu sein. Seine Glückskatzen dürften gegenwärtig an einem Burn-out leiden. Diese Woche ging er mit seiner neuen Partei DAÖ (die sperrige Langversion: Die Allianz für Österreich) an die Öffentlichkeit. Das Parteikürzel, so profil-Redakteurin Christa Zöchling in ihrer Analyse „Blaue Glücksritter”, ähnelt „dem Ruf eines Fiakers auf dem Kutschbock: „Daöööh!”. Strache ließ nach seinem Ausschluss aus der FPÖ am vergangenen Freitag trotzig wissen: „Nun richte ich meinen Blick nach vorne.”

Möglicherweise war Strache vor seinen jüngsten Auftritten von jenem Schamanen betreut worden, dessen Besuche vier Mal in seiner Zeit als Vizekanzler im Terminkalender vermerkt waren, wie profil kürzlich enthüllte. Thomas Hoisl gelang, jenen ominösen Herrn G. im Südburgenland zu treffen, der dem Unglücks-Ritter Strache, geholfen hat, mittels „Atemübungen zur Ruhe zu finden”. Wirklich effizient dürfte das esoterisch anmutende Coaching nicht abgelaufen sein. Denn von Ruhe kann bei Strache trotz „des traditionellen Heilwissen des Schamanismus”, wie die jüngsten Ereignisse beweisen, nicht die Rede sein. Obwohl Herr G. der festen Überzeugung ist, dass Strache ein Metamorphose vom „Krieger zum ruhenden Staatsmann” durch seine Hilfe geschafft hat. Bislang steht noch nicht fest, aus welcher Kassa das Metamorphosen-Coaching beglichen wurde; möglicherweise wurden die Belege in Straches großer Spesen-Waschmaschine gereinigt. Es gilt natürlich wie immer die Unschuldsvermutung.

Wie man auch im echten Familien-Leben mit Kontaktabbruch, radikalem Zoff, etwaigen Versöhnungsversuchen und Trennungsphasen umgeht, erzählt die Geschichte „Familie offline”, die ebenfalls in der aktuellen profil-Ausgabe zu finden ist.

Ich verabschiede mich mit einem Trostwort von Karl Valentin: „Wenn die stillste Zeit im Jahr vorbei ist, wird es auch wieder ruhiger.”

In diesem Sinn: Halten Sie durch!

Angelika Hager

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