profil-Morgenpost: Wir sind so frei!

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Die Lage am Morgen.

Wenn Wladimir Putin nicht gerade damit beschäftigt ist, gütig auf eine ergriffen vor ihm in die Knie gegangene Außenministerin herunter zu lächeln, gibt er den emsigen Hundertschaften in seiner St. Petersburger Trollfabrik auch ganz gerne einmal den Ton vor. Die „sogenannte liberale Idee“ habe sich einfach überlebt, dozierte der große Führer des größten dysfunktionalen Landes der Welt im Interview mit der „Financial Times“. Und zwar nicht zuletzt deshalb: „Die liberale Idee setzt voraus, dass nichts getan werden muss. Migranten können ungestraft töten, plündern, vergewaltigen, weil ja ihre Rechte als Flüchtlinge zu schützen sind.“

Das hätte in seiner intelligenten, fein ziselierten Differenzierung auch ein trenzender rechter Hassposter nicht besser formulieren können. Dennoch kommt man angesichts von politischen Akteuren wie Putin, Trump, Erdogan, Orban, Bolsonaro oder Kickl - und diese Liste des Grauens erhebt leider keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit - nicht darum herum, sich der Frage zu stellen: Ist die liberale Demokratie westlichen Zuschnitts tatsächlich gerade dabei, dieses Match zu verlieren? Gegen solche Gestalten? Und reicht es aus, wenn wir am Spielfeldrand stehen und frei nach Hans Krankl empört hineinrufen: „Das ist jetzt aber bitte irreregulär!“?

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Christian Rainer und Robert Treichler kommen in ihren Kommentaren im aktuellen profil unabhängig voneinander zu einem ähnlichen Befund: Nein. Wir gewinnen.

Martin Staudinger wiederum, auf den wir eh immer, aber im Moment gerade ganz besonders stolz sind, weil ein wenig von seinem Glanz ja auch auf die Kollegenschaft abstrahlt, befasste sich schon 2017 mit diesem Thema - und bekam für seinen grandiosen Text „In vier Schritten zur Alleinherrschaft“ als erster Österreicher überhaupt den Herbert-Riehl-Heyse-Preis der „Süddeutschen Zeitung“ verliehen. In seiner Dankesrede vergangene Woche in München sagte er: „Ich hoffe, Sie kommen weiterhin nicht nur dienstlich nach Österreich, egal wie die Wahl im Herbst ausgeht. Für die Zivilbevölkerung in Ländern mit fragwürdigen Regierungen ist es nämlich ganz und gar demoralisierend, wenn auch noch die Touristen ausbleiben.“

Und darauf trinken wir jetzt eine Weißweinschorle.